Bundesliga

Zwei von drei Saisons in den Sand gesetzt: Welche Maßnahmen Christian Heidel nun ergreifen sollte

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Schalke 04 will seine Saisonziele für 2018/19 (Qualifikation für den Europacup) nicht korrigieren. Auch ein Großteil der Fans hofft noch auf eine Aufholjagd in der Bundesliga. Doch intern müssen die Verantwortlichen des Tabellensechzehnten mehr Realismus walten lassen.

Manager Christian Heidel ist seit 2016 hauptverantwortlich für das sportliche Auf- und Ab der Schalker Mannschaft. Denn Heidel legte jeweils zu Saisonbeginn die Grundlagen für eine (nicht) erfolgreiche Saison. 2016 konnte Heidel erst nach langem Hin- und Her seinen Wunschtrainer Markus Weinzierl verpflichten. Auch bei der Kaderplanung geriet Heidel zeitlich in Rückstand. Es war Gift für die neu formierte Schalker Mannschaft, die in der Folge die ersten fünf Partien in der Bundesliga verlor und die komplette Saison über diesen Malus nicht mehr losbekam. 2017/18 lief es für Heidel dagegen nahezu perfekt, angefangen bei der Trainerfrage: Markus Weinzierl wurde nach Saisonende 2017 zügig beurlaubt, mit der Wahl von Trainer-Talent Domenico Tedesco glückte Heidel ein Coup – auch die Kaderplanung ergab durch Nachbesserungen Sinn, heraus sprang die Vizemeisterschaft und die Qualifikation für die Champions League.

Der Kardinalfehler 2018:

Doch 2018/19 patzte Heidel erneut. Sein Kardinalfehler: Trotz hoher Einnahmen versäumte er es, frühzeitig einen international erfahrenen Top-Stürmer zu verpflichten. Mit nur fünf Toren stellt Schalke nun die zweitschwächste Offensive der Bundesliga – und zuletzt bei der Königsklassenpartie in Istanbul (0:0) wurden Großchancen kläglich vergeben. Der Erfahrung und Statistik nach hat Schalke 04 nach acht Spieltagen mit nur sechs Punkten bereits das Erreichen eines Europacup-Platzes verspielt, auch wenn theoretisch noch alles möglich erscheint. Wer nun auf das Ausnahmebeispiel Borussia Mönchengladbach in der Saison 2015/16 verweist, der muss differenzieren: Gladbach bekam nach fünf Niederlagen in Folge einen neuen Coach und qualifizierte sich noch für die Champions League, weil das Team damals auch nachhaltig die Qualität für die Top Vier und die Dreifachbelastung aus Liga, Europapokal und DFB-Pokal besaß.

Was Heidel positiv bewirkt hat

Schalke kann noch hoffen, über den Sieg in einem Cup-Wettbewerb den Sprung nach Europa zu schaffen. Generell geht es aber für Schalke darum, aus den Fehlern von 2016 und 2018 die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Saison 2019/20 frühzeitig zu planen. Christian Heidel ist hoch anzurechnen, dass er auf Schalke keine öffentlichen Schlammschlachten mehr aufkommen lässt und die Berichterstatter gleichermaßen fair behandelt werden, aber kaum Klub-Internas erhalten. Zudem sind die Finanzen stabil – und für Altlasten (wie die 2018 vertragsfreien Leon Goretzka und Max Meyer, die Heidel zu anderen Klubs ziehen lassen musste) kann er kaum zur Verantwortung gezogen werden.

Wer sollte Schalke 04 verlassen?

Heidel muss nun bereits überlegen, welche Spieler die Qualität mitbringen, um Schalke ab 2019/20 dauerhaft in den Top Vier der Bundesliga zu etablieren. So gibt es eine Gruppe an Routiniers, aus der Schalke Profis aussortieren sollte. Mit dem im kommenden Jahr 37-jährigen Abwehrchef Naldo dürfte die Verteidigung ein Geschwindigkeitsproblem erhalten. Eine andere Schalker Fraktion besteht aus Profis, die soliden Bundesliga-Fußball abliefern, aber der individuellen Qualität nach weit hinter den Profis aus Dortmund, München und Leipzig zurückliegen. Hebt etwa Offensiv-Akteur Alessandro Schöpf mit seiner individuellen Qualität Schalke auf ein höheres Niveau, wie es seine Aufgabe als Kreativspieler sein sollte? In etwas mehr als zwei Jahren brachte es der Österreicher bislang auf nur 19 Scorer-Punkte in 83 Pflichtspielen.

2019 neue Chance verdient

Was Schalke zudem in der Heidel-Ära bislang nahezu unterlassen hat: Spieler im Alter von 26 bis 28 Jahren zu verpflichten, die über reichlich Erfahrung in der Champions League verfügen. Sebastian Rudy wäre ein Streitfall (9 CL-Einsätze vor 2018/19), allerdings wurde der Mittelfeldspieler auch erst kurz vor Transferschluss verpflichtet – und Rudy war bei Ex-Klub Bayern München  Ergänzungsspieler, der einige Mal sogar auf die Tribüne verbannt wurde. Finanziell hätte Schalke ein höheres Risiko in diesem Sommer eingehen müssen, um den Anschluss an die deutschen Top-Teams nicht zu verlieren. Womöglich fehlte Christian Heidel der Mut, den nächsten Schritt mit Schalke zu gehen. Für 2019 hat er aber wie Trainer Domenico Tedesco die Chance verdient, Schalke nachhaltig weiter zu entwickeln. Dafür muss er aber intern jetzt schon mit den Planungen der neuen Saison beginnen und konsequent handeln.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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