Bundesliga

Zwei Daten, eine verzwickte Situation

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Bei Werder Bremen wollte Kevin Möhwald den nächsten Schritt in seiner Profikarriere vollziehen. Wirklich anlaufen bei seinem neuen Arbeitgeber will es für den Mittelfeldspieler aber noch nicht. Es sind gleich mehrere Umstände, die ihm mitnichten in die Karten spielen. Eine Bestandsaufnahme.

Es steht sinnbildlich für den bisherigen Saisonverlauf von Kevin Möhwald: Während der vergangenen Länderspielpause zeigte sich die Sommerneuerwerbung Werder Bremens auf Instagram in voller Trainingsmontur, wirkte bei der zu sehenden Ballannahme hochkonzentriert. Die Bremer Social-Media-Abteilung ließ das Bild nicht unkommentiert, schrieb: „Lach doch mal.“ Eine nicht ganz unwesentliche Bemerkung, schließlich hatte Möhwald am Weserdeich bislang wenig Grund zur Freude.

Verpflichtung schon im Mai

Bereits im Mai verkündete der SV Werder die Verpflichtung des gebürtigen Erfurters, dessen Werdegang laut Aussage von Sportgeschäftsführer Frank Baumann bereits seit einigen Jahren verfolgt wurde. Beim 1. FC Nürnberg, bei dem sich Möhwald schnell zum Leistungsträger aufschwang, nahmen sie ihm den Wechsel nicht wirklich übel. Zu viel hatte er für den Club geleistet, zu sympathisch war sein Auftreten während seiner drei Jahre am Valznerweiher. Mitte Mai verkündete Werder in einer Mitteilung, Möhwald bis 2021 an den Verein gebunden zu haben – schon wenige Wochen später folgte der erste Rückschlag.

Zwei Verletzungen als Rückschlag

Die vielen Feierstunden ob des Nürnberger Aufstiegs hinter sich gelassen, stand für Kevin Möhwald eine neue, große Herausforderung bevor. Schließlich musste er sich bei einem Klub durchsetzen, der sich selbst die Bürde auferlegte, in dieser Saison die Qualifikation für den Europacup zu realisieren. Welche Szenarien gleich zu Beginn eintrafen, war gänzlich undankbar: Ein Muskelfaserriss im Oberschenkel (27. Juli) machte Möhwalds Vorfreude einen dicken Strich durch die Rechnung. Erst Ende August war für ihn das erstmalige Absolvieren der Mannschaftseinheiten möglich. Der nächste Rückschlag ließ aber nicht lange auf sich warten: eine Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk setzte Möhwald erneut außer Gefecht.

Klaassen und Sahin kamen

Doch schon bevor Werders Neuzugang ins Bremer Lazarett überging, sorgte nochmals der 27. Juli für weiteres Bauchgrummeln. An jenem Tag gelang dem SVW mit der Verpflichtung von Davy Klaassen der erste Transfercoup des zurückliegenden Sommers. Als am Deadline Day (31. August) auch noch Nuri Sahin folgte, wusste Möhwald, dass er sich mächtig ins Zeug legen müsse, um am Weserdeich auf regelmäßige Einsatzminuten zu kommen. Es folgte das Szenario, mit dem einige der Gelehrten bereits gerechnet hatten: Der ehemalige Nürnberger kam bisher auf lediglich fünf Kurzeinsätze, sechsmal schaffte er es nicht mal in das Bremer 18er-Aufgebot.

Kohfeldts Mutmacher

Im zentralen Mittelfeld ist die Achse Klaassen/Maximilian Eggestein gesetzt, Möhwald nimmt nur die Rolle des Edelreservisten ein. „Kevin Möhwald ist, wie schon die ganze Saison, ein Kandidat für den Kader“, sagte Florian Kohfeldt vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg – quasi als Mutmacher für seinen bis dato zum Großteil als Tribünengast fungierenden Neuzugang. In den zwei Spielen zuvor reichte es wiederholt nicht für ein Mandat im Spieltagsaufgebot. Kohfeldt schob nach, dass Möhwald jede Woche „sehr starke Leistungen im Training“ bringe und bisher „harte“ Kaderentscheidungen hinnehmen musste.

Kein Klagen, kein Motzen

Gegen Freiburg stand Kevin Möhwald zwar wieder mal im Kader. Letztlich schmorte der 25-Jährige aber über die vollen 90 Minuten auf der Bank. ‚Pommes‘, wie er aufgrund seiner Vorliebe für die meist frittierten Kartoffelstücke genannt wird, gibt sich aber mitnichten auf. Möhwald ist keiner, der für Unruhe sorgt; das wird er auch in Zukunft nicht tun, weil es schlicht seinem Wesen widerspricht. Bislang ist sein Übergang in den hohen Norden als frustvolle Unternehmung zu werten. Letzten Endes wird es auch an Kohfeldt liegen, in welcher Art und Weise er Möhwalds durchaus prekäre Situation zu moderieren. Denn nur Durchhalteparolen wird sich der Thüringer auf Dauer nicht zufriedengeben.

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