Bundesliga

„Wir wollen rot-weiße Trikots!“ Warum der FC Bayern im Konflikt mit den Fans schnell handeln sollte

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Seit Wochen hat der FC Bayern Ärger mit seinen leidenschaftlichsten Fans – die Vereinsführung wirkt dabei sehr passiv, was bald zu einem größeren Konflikt führen könnte.

„Wir wollen rot-weiße Trikots!“, singen die Fans des FC Bayern seit Wochen – ganz gleich, ob es ein Heim- oder ein Auswärtsspiel ist. Zuerst waren es nur kleine Plakate und Banner in der Südkurve, die darauf aufmerksam machten, dass der deutsche Rekordmeister doch bitte nicht wahlweise in grauen, mintgrünen oder mit blau-Ansatz designten Trikots und Hosen auflaufen sollte. Der besagte Fan-Song bezieht sich auf eine legendäre Meisterfeier-Darbietung von Ex-Profi Sammy Kuffour in den 1990er Jahren: Auch damals liefen die Münchner zeitweise nicht in roten oder rot-weißen Trikots auf – es nervte Fans und Profis, weshalb die Münchner Führung der Forderung bald nachgab und neue Trikots präsentierte.

Konflikt dehnt sich aus

20 Jahre später stört es bislang offenbar keinen Profi des FC Bayern, in einem Trikot ohne Rot aufzulaufen – die Fans dagegen umso mehr. Selbst bei ihren Auswärtsreisen posten die Supporter große Banner mit der Aufschritt: „Die Clubfarben sind Rot und Weiß!“ Den vorläufigen Höhepunkt gab es zuletzt beim Gastspiel in Mainz: Auf einem Banner in Trikotform, der fast über den kompletten Fan-Block gespannt war, stand: „§ 1 – Die Clubfarben sind unantastbar!“ Eine Anspielung auf die Pressekonferenz des FC Bayern zuletzt, bei der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gegenüber großer Kritik der Medien Artikel 1 des Grundgesetzes anführte , wonach die Würde des Menschen unantastbar sei – aber auch ein Bezug zu der eigenen Satzung des Vereins. In Paragraph 1 des FC Bayern München e.V. wird festgehalten, dass die „Clubfarben Rot und Weiß sind“.

Protest statt Support?

Der Protest der Fans dürfte in den kommenden Wochen sich noch steigern und immer lauter werden, wenn sich die Führung des FC Bayern weiter zu diesem Thema ausschweigt. Argumentativ sind Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß wohl im Hintertreffen, doch würden sie ein Versprechen abgeben, bei künftigen Trikots wieder mehr auf die festgelegten Vereinsfarben (und weniger auf den Kommerz) zu achten, wäre der Konflikt mit den Fans wohl schnell beigelegt. So droht aber die Gefahr, dass das Trikot-Thema alles andere überlagert und auch die Unterstützung für die nicht gerade in Top-Verfassung spielenden Münchner Profis geringer werden könnte. Zumal die Profis froh sein können, dass sie beim Thema Farben (noch) ihre Ruhe vor den Fans haben, obwohl rund die Hälfte der Stammspieler meist blaue Fußballschuhe trägt – Blau ist eben auch die Farbe des ungeliebten Lokalrivalen 1860 München.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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