Bundesliga

Wintertransfers, Flexibilität, Tempo: An diesen Stellschrauben müssen Bobic und Hütter drehen

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Die Formkurve  von Eintracht Frankfurt kannte seit dem 5:1-Sieg gegen den FC Bayern München nur noch eine Richtung: nämlich nach unten. Sportvorstand Fredi Bobic wird nach zehn Pflichtspielen mit nur einem Punkt dennoch weiter an Trainer Adi Hütter festhalten. Doch die beiden Verantwortlichen müssen eine schwierige Phase meistern und die richtigen Schlüsse bei der Analyse ziehen.

Als die letzten rund 95 Minuten beim SC Paderborn gespielt waren und die Spieler von Eintracht Frankfurt erschöpft vor dem Fanblock standen, erkannte man viel Leere in den Gesichtern. Die vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen, in sieben Bundesligapartien gab es nur noch ein Remis und in der Europa League rettete ein Sieg gegen Arsenal (2:1) das Weiterkommen ins Sechzehntelfinale. Umgerechnet holten die Hessen somit nur noch vier (!) von 30 möglichen Punkten. Fredi Bobic hält trotz dieser Negativserie an Adi Hütter fest. Liefern und an Stellschrauben drehen – so viel ist sicher – müssen beide.

1.) Das Team muss im Winter verstärkt werden

Wofür steht das Spiel der Eintracht nach dem Ende der Hinrunde der aktuell laufenden Spielzeit? Diese Frage lässt sich kaum beantworten. Während die Gegner sehr leicht zu eigenen Toren kommen, müssen die Frankfurter hart für jeden ihrer Treffer arbeiten. Der Schritt, sich spielerisch weiterzuentwickeln und die Kontrahenten so unter Druck zu setzen, ist bislang nicht gelungen. Doch einen Plan B gibt es nicht, weil einzig Filip Kostic die Elemente Tempo und Wucht verbindet. Die Gegner haben sich darauf eingestellt und schaffen es regelmäßig, die Eintracht in ihren Bemühungen zu stoppen. Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic hatten Eigenschaften, die alles abgedeckt haben und in Europa in dieser Zusammensetzung wohl einmalig waren. 57 Treffer in Europa League und Bundesliga waren die Folge. Bas Dost, Goncalo Paciencia und Andre Silva können diese Lücke nach sehr ordentlichem Start nicht mehr schließen, zwei Stürmertore in den vergangenen zehn Pflichtspielen und 19 insgesamt sind deutlich zu wenig!

„Wenn wir im Januar die Möglichkeit haben – und alle Parameter stimmen – werden wir im Winter was machen“, sagte Bobic nach Abpfiff der Partie in Paderborn. Er fügte zwar an, dies sei „kein Muss“, doch die Worte müssen wohl als Poker verstanden werden. Geschwindigkeit und Torgefahr für die Offensive sollten ganz oben auf der Liste stehen, zudem könnte sich zu geeigneten Konditionen auch noch die Leihe oder der Kauf eines Innenverteidigers anbieten. Damit die Eintracht wieder Pressing spielen und alternativ auch Konter fahren kann, braucht Hütter mindestens zwei und im Optimalfall drei neue Akteure.

2.) Die Mannschaft muss flexibler werden

Der Trainer der Hessen überraschte gegen die Ostwestfalen mit der Viererkette – nachdem er diese auf Nachfrage von fussball.news vor rund zwei Wochen noch ausgeschlossen hatte. „Wir haben sie einmal trainiert“, verwies Hütter auf das Abschlusstraining am Vortag. Dementsprechend unsicher wirkten die Akteure, zu groß waren die Lücken in der Kette, Kompaktheit konnte nicht hergestellt werden. Hütter wollte den Gegentreffer zum 0:1 von Abdelhamid Sabiri nicht auf das System schieben: „Das geht so nicht und hat nichts mit Dreier- oder Viererkette zu tun.“ Dennoch muss sich der Österreicher den Vorwurf gefallen lassen, seiner Mannschaft zu wenig Flexibilität eingeimpft zu haben. Das Spiel ist ausrechenbar, die kurzfristige Umstellung wirkte hektisch und ließe sich mit „Aktionismus“ beschreiben. Auch das Thema Laufleistung gehört auf die Agenda, durchschnittlich 113,77 Kilometer bedeuten in diesem Ranking Platz 14. Hütter verwies auf die Winterpause: „Mit Kevin Trapp, Martin Hinteregger, David Abraham und Sebastian Rode kommen Führungsspieler Retour. Wir können taktisch arbeiten. Das gibt mir Zuversicht für die Rückrunde.“ Er steht in der Pflicht, Lösungen zu finden und die bislang wohl größte „Challenge“ in seiner Trainerkarriere zu meistern.

3.) Die Verantwortlichen müssen aus Fehlern lernen

Einnahmen in Höhe von rund 90 bis 100 Millionen Euro sind ein Segen – aber auch eine Herausforderung. Die Manager anderer Klubs oder Berater der Spieler wussten um diese Einnahmen und schraubten dementsprechend ihre finanziellen Erwartungen nach oben, zudem war bekannt: Eintracht benötigt neue Stürmer! Die Poker wurden härter und die elementare Frage lauteten: Wie weit geht der Klub in Sachen Ablöse und Gehalt? Max Kruse etwa wechselte ablösefrei in die Türkei zu Fenerbahce Istanbul, obwohl sich die Frankfurter „intensiv“ um ihn bemühten. Am Ende scheiterte ein ablösefreier Wechsel aber an den Forderungen des Spielers. Dabei hätte Kruse in vielerlei Hinsicht geholfen: Als flexibler, technisch starker und torgefährlicher Führungsspieler. Zudem wurden im Angriff falsche Entschlüsse getroffen: Dost und Silva sind auf ihre Art und Weise gute Spieler, sie bringen aber nicht die für das Pressing und Konterspiel dringend benötigte Komponente Tempo mit und hatten ferner mit körperlichen Problemen zu kämpfen. Da auch Paciencia seine Stärken im Strafraum hat und vor allem dann aufblüht, wenn die Eintracht dominiert, fiel das Stilmittel langer Ball in engen Situationen vollständig weg. Konnten in der vergangenen Spielzeit Jovic oder Rebic aus dem Nichts Gefahr erzeugen, ist das Team dazu in dieser Spielzeit kaum in der Lage. Die Folge: Selbst individuell schwächer besetzte Team können Druck aufbauen und mit mehreren Spielern in der Frankfurter Hälfte Druck ausüben. Die Angst, ausgekontert und überrannt zu werden, ist weg.

Es wurden also Fehler gemacht in der Kaderplanung und diese sind auch auf die fehlende Erfahrung im Umgang mit dieser erstmals so hohen Summe zurückzuführen. Die Eintracht konnte auf dem Transfermarkt nicht mehr als „Underdog“ agieren und hat die zuvor so erfolgreiche Scouting-Linie verlassen. Mit Ausnahme von Dejan Joveljic – der in der Hinrunde noch keine Rolle gespielt hat – gab es keine typischen Transfers a la Ben Manga. Die Frankfurter müssen aber wieder genau dahin kommen und ihren Stil finden. Immerhin: Der Ernst der Lage ist erkannt. Bobic sagte deutlich: „Wir sind im unteren Tabellendrittel. Da müssen wir uns jetzt erst mal raus kämpfen und den Kampf annehmen. Reden hilft nicht.“

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