Bundesliga

Wie schlimm ist die finanzielle Lage beim HSV?

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Der Hamburger SV befindet sich in einer sportlich und finanziell prekären Lage. Die Aussage, ein Abstieg könne dem Bundesliga-Dino doch gut tun, gehört dringend auf den Prüfstand gestellt. Wie schlimm steht es tatsächlich um die Rothosen?

Finanzchef Frank Wettstein agiert seit dem Abgang von Vorstandschef Heribert Bruchhagen als Allein-Vorstand. Er hat somit nicht nur viel Verantwortung, sondern auch einen Koffer voller Probleme übernommen. Die Angst vor einem Lizenz-Entzug schwebt über dem Verein wie ein Damoklesschwert. Es wäre der „Worst Case“ und die Folge jahrelanger Misswirtschaft.

Hohe Verbindlichkeiten

Wie das in wirtschaftlichen Fragen hervorragende informierte Finance-Magazin berichtet, lasten auf dem HSV Finanzverbindlichkeiten von 80 Millionen Euro. Diese Zahl entspricht zwei Drittel des Gesamtumsatzes von 120 Millionen Euro. Immerhin: Sollte der Klub absteigen, würden demnach rund 20 Millionen Euro der Schulden entfallen. Die Rückzahlung einiger Darlehen waren an die Erreichung sportlicher Ziele gekoppelt. Bei einer mehrfachen Europacup-Teilnahme hätte der aktuelle Tabellen-17. Geld zurückzahlen müssen.

Kühne hält mehr als 20 Prozent der HSV-Anteile

Die Eigenkapitalquote (zur Erläuterung: Hierbei wird das Verhältnis von Eigenkapital zum Gesamtkapital betrachtet) lag dank zahlreicher Kapitalerhöhung bei 23,4 Prozent. Der Wert klingt stabil, verdeckt aber die extreme Abghängigkeit von Investor Klaus-Michael Kühne, der inzwischen mehr als 20 Prozent an den HSV-Anteilen hält.

„Nur“ 24,9 Prozent der Anteile dürfen verkauft werden

Wie hoch dieser Wert ist, belegt folgende Zahl: Die für eine Veräußerung genehmigten 24,9 Prozent der Anteile an der HSV Fußball-AG hat der Klub damit fast vollständig verkauft. Wie geht es weiter, wenn dieser Prozentsatz überschritten wird? Beim Anhang würde dies möglicherweise Protestwellen auslösen, selbst wenn dadurch ein drohender Lizenzentzug verhindert werden könne. Wie viel „Kühne“ kann sich der Hamburger SV noch erlauben? Eine Emanzipierung ist in der aktuell so angespannten Lage nicht möglich.

DFL-Deadline im Nacken des Traditionsklubs

Gelingt es den Verantwortlichen der Rothosen, die Auflagen der DFL bis zur Deadline am 23. Mai zu erfüllen? Wettstein muss bis dahin nachweisen, wie die finanziellen Lücken – vor allem bei Abstieg –  geschlossen werden sollen. Kein Faktor stellen dabei die Business-Seats und Logen da: Bis Ende März hatten wohl 40 Prozent der VIP-Kunden ihre Plätze gekündigt. Die Zahl wollte der Verein aber nicht bestätigen. Bei einem erstmaligen Abgang in die Zweite Liga würden die Hanseaten auch nicht mehr an den Unmengen an TV-Geldern partizipieren und laut der Wochenzeitung Die Zeit 15 Millionen Euro weniger kassieren – ein herber Nackenschlag.

Transferfenster noch geschlossen

Bis zum 23. Mai kann der HSV noch kein Geld aus Verkäufen erlösen. Das Fenster ist noch geschlossen und erst ab 1. Juli geöffnet. Zudem: Bei Abstieg müssen 30-40 Millionen Euro sind nur sehr schwer einzunehmen. Zu enttäuschend verlief die Saison, möglicherweise greifen Ausstiegsklauseln bei vermeintlichen Stars wie Andre Hahn, Filip Kostic oder Bobby Wood. Jann-Fiete Arp wäre für den FC Bayern München, der deutsche Rekordmeister will das Juwel des HSV verpflichten, für rund acht Millionen Euro zu haben. Andere Akteure wie Kyriakos Papadopoulos, Walace, Mergim Mavraj oder Gotoku Sakai liegen marktwerttechnisch im Keller.

Wie kommt der Klub kurzfristig an frisches Geld?

Was sind also die Lösungsvorschläge, um kurzfristig an frisches Geld zu kommen? Möglicherweise wird – so die Zeit – der Vertrag mit Vermarkter Legardere, der dem HSV Sponsoren besorgt und dafür Prämien kassiert, verlängert. Weiter wird über eine Bürgschaft der Stadt Hamburg, weitere Fan-Anleihen oder den schrittweisen Verkauf des Volksparkstadions nachgedacht. Die Kassen wären einmalig gefüllt, danach aber würden erneut hohe Kosten auf den klub zukommen.

Muss Kühne erneut überzeugt werden?

Ist eine Einigung mit Kühne somit die letzte Chance für den Verein? Der Milliardär werden Wettstein und Präsident Bernd Hoffmann mit einem guten Konzept überzeugen müssen. Kühne hat über 100 Millionen Euro in den HSV gepumpt und dafür zu wenig zurückbekommen. Doch aktuell fehlt dem Klub alles: Geld, ein Konzept und eine starke Führung. Quo vadis, HSV?

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