Bundesliga

Was beim FC Bayern schief läuft – Teil 1

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Der FC Bayern ist deutscher Meister und Pokalsieger, dennoch weist der Klub in vielen Bereichen große Probleme auf. fussball.news legt in einer 13-teiligen Serie dar, was bei den Roten strukturell schief läuft. Teil 1 handelt von der Saison 2018/19.

Die Fans des FC Bayern feierten Trainer Niko Kovac am Ende der Saison 2018/19 frenetisch. Schließlich hatte der Kroate die Mannschaft nach einer turbulenten Spielzeit doch noch zum Gewinn der deutschen Meisterschaft und zum Triumph im DFB-Pokal geführt. So schien für kurze Zeit die vermeintlich heile FC-Bayern-Welt wieder in Ordnung, zumal das beschämende Aus im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Liverpool für viele Supporter rückblickend nur wie ein Betriebsunfall wirkte. Immerhin holte der FC Liverpool den Champions-League-Pokal! Doch die Funktionäre und Fans des FC Bayern sollten sich vom Double-Gewinn nicht blenden lassen. Die Saison 2018/19 endete den Titeln nach erfolgreich, allerdings ist diese Spielzeit als eine der drei schwächsten Bundesligarunden des FC Bayern im neuen Jahrtausend zu bewerten. Dafür sind drei wesentliche Ursachen auszumachen:

  • Trainerwahl

Für die Saison 2018/19 suchte der FC Bayern einen neuen Trainer. Die Hauptversion der langwierigen Suche lautete: Präsident Uli Hoeneß habe darauf gesetzt, dass Star-Coach Jupp Heynckes doch noch ein weiteres Vertragsjahr in München dranhängen würde. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge habe hingegen von Beginn an für Dortmund-Coach Thomas Tuchel als neuen Münchner Trainer votiert. Hoeneß verspekulierte sich bei Heynckes. Der Triple-Gewinner von 2013 ging wieder in Rente. Allerdings suchte Hoeneß daraufhin intensiv nach einer Alternative zum Kandidaten Thomas Tuchel. Der zeitweise in München lebende Tuchel spürte offenbar die Skepsis und unterschrieb einen Vertrag bei Frankreichs Top-Klub Paris Saint-Germain. Als Kompromisslösung – und quasi als Kandidat Nummer drei – fiel dann die Wahl auf Eintracht Frankfurts Niko Kovac.

Doch einige Details dieser sehr geläufigen Version fehlen wohl. Sie würden noch mehr verdeutlichen, wie kurios die Trainersuche in München abgelaufen sein muss. Ralph Hasenhüttl, damals Trainer von RB Leipzig, berichtete beispielsweise im ZDF offenherzig über eine Anfrage des FC Bayern. Zudem gab es werthaltige Nachrichten aus dem Ausland, die versicherten, dass die Münchner sich auch mit internationalen Star-Trainern wie Mauricio Pochettino (Tottenham Hotspur) beschäftigen würden. Kurzum: Niko Kovac war im Bestfall Trainer-Kandidat Nummer drei beim FC Bayern. Wahrscheinlich war er aber eher die sechste oder siebte Option.

Das Münchner Trainercasting ließ Zweifel an der Entschlossenheit und Kompetenz der FC-Bayern-Führung aufkommen – und Niko Kovac hatte noch nicht mal in München seinen Dienst angetreten, als ihn zahlreiche Berichterstatter und Blogger scharf kritisierten und seine Fachlichkeit für einen Top-Klub anzweifelten.

  • Die Transferpolitik

Im Sommer 2018 holte der FC Bayern mit Leon Goretzka von Schalke 04 einen etablierten Profifußballer neu zum Kader hinzu. EINEN Spieler!

Seit Beginn der 1990er Jahre hat es sich der FC Bayern nie erlaubt, nur EINEN Spieler zu verpflichten. Schließlich zeichnet den Verein aus, dass er jede Saison mit neuen Spielern den Konkurrenzkampf im Team anfacht und die Leistungsgrenzen seiner Profis ausreizt. In seltenen Fällen holten die Münchner „nur“ drei Spieler, etwa nach dem Gewinn des historischen Triples aus Meisterschaft, Pokal und Champions League im Jahr 2013. Aber in der Saison 2017/18 sprang nur ein Titel heraus. Dennoch brachten es die Verantwortlichen auf nur eine Neuverpflichtung und sprachen gleichzeitig davon, mit diesem Kader die Champions League gewinnen zu können. Erst im Herbst 2018, als den Münchnern eine komplett titellose Saison drohte, führte die Klubführung mehrfach an, man habe für verdiente Spieler wie die Flügelstürmer Arjen Robben und Franck Ribery keine neue Konkurrenz verpflichten wollen.

Der wahre Grund für das aufschiebende Verhalten der Bayern-Führung dürfte jedoch eher darin zu finden sein, dass sie 2018 keine hohen, aber marktüblichen Ablösesummen und Gehälter für Top-Spieler bezahlen wollten. Präsident Uli Hoeneß drückte es im Laufe der Saison verharmlosend so aus: Man wolle ein Jahr das Geld sparen, um dann im Sommer 2019 richtig auf dem Transfermarkt anzugreifen.

Die Folge der fahrlässigen Transferpolitik: Der Kader des FC Bayern büßte deutlich an Qualität ein. Für Trainer Niko Kovac war es Fluch und Segen zugleich: Einerseits erschwerte es ihm die Arbeit. Er konnte mit diesem Kader wohl unmöglich die Champions League gewinnen und konstant begeisternden Fußball liefern. Andererseits lenkte Kovac von eigenen Versäumnissen ab, wenn er etwa im Frühjahr 2019 des Öfteren die Qualität seiner Spieler infrage stellte.

  • Die überschätzten Stars

Die Profis des FC Bayern ließen jedoch die Kovac-Kritik nicht auf sich sitzen. Mehrfach in der Saison steckten einige Stars mit ihren Beratern Interna aus der Kabine an die Öffentlichkeit durch, die vor allem Niko Kovac in einem schlechten Licht darstellten. Das Problem zahlreicher Bayern-Stars: Sie wähnten sich auf einem ähnlichen Leistungsniveau wie zwischen den sehr erfolgreichen Jahren 2012 bis 2016. Zahlreiche Statistiken und eine enttäuschende Performance bei der Weltmeisterschaft 2018 waren aber Belege dafür, dass diese Bayern-Mannschaft schon 2018 neue Impulse benötigt hätte. So holte Kovac besonders seine Defensivspieler vom hohen Ross herunter, was aber besonders den Weltmeistern Jerome Boateng und Mats Hummels zusetzte. Einige Spieler des FC Bayern sahen sich auch als Machtfaktor innerhalb des Klubs an. Sie durften über die Auswahl der Trainer zeitweise mitbestimmen – beziehungsweise sorgten sie laut Aussage von Präsident Uli Hoeneß im Herbst 2017 auch dafür, dass Trainer Carlo Ancelotti entlassen wurde. Der Münchner Trainer als Punching-Ball der Spieler? – eine explosive Situation!

Bleibt die Frage:

  • Warum konnte Bayern München trotzdem das nationale Double gewinnen?

In erster Linie waren es externe Faktoren: Der nationalen Konkurrenz fehlten in der Rückrunde 2018/19 Erfahrung und starke Nerven für den Titelkampf. Borussia Dortmund gab einen Neun-Punkte-Vorsprung leichtfertig aus der Hand. Im DFB-Pokal-Finale ließ RB Leipzig beste Großchancen gegen die Bayern aus.

Positiv aus Münchner Sicht: Präsident Uli Hoeneß warb Vereins-intern um große Unterstützung für Niko Kovac. Und: Die Mannschaft legte ein professionelles Verhalten an den Tag. Im Vergleich zu einigen Beispielen aus der Vergangenheit (1995/96 – Otto Rehhagel) spielten selbst die Kovac-Kritiker innerhalb des Teams nicht bewusst gegen den Trainer. Trotz aller Probleme wollten die Spieler Titel gewinnen – und auf nationaler Ebene stellten die Münchner zumindest der individuellen Qualität nach noch das beste Team.

Doch wenn der FC Bayern nicht die richtigen Schlüsse aus der Saison 2018/19 zieht, könnte auch auf nationaler Ebene bald Ernüchterung vorherrschen. Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach befinden sich in Lauerstellung auf den Meistertitel 2020!

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

3 Comments

  1. Relppe

    27.06.2019 at 15:42

    dieses negative Geschreibe kotzt einen an, das was man hier lesen kann weiß jeder Bayern Verantwortliche und jeder Bayern Anhänger wenn er ein bisschen Ahnung hat, Fehler und Negatives zu entdecken und darüber noch zuschreiben ist dumm und primitiv, Tatsache ist das Bayern München die erfolgreichsten Jahre aller Zeiten hinter sich hat, vor der Zukunft lässt sich auch niemand blenden, es ist immer alles möglich, wenn ich Dortmund Fan wäre müsste ich mich nur aufregen, was dort von Verantwortlichen für Fehler gemacht werden!!

  2. Eik

    28.06.2019 at 09:31

    Es ist richtig die Verantwortlichen beim FCB zu hinterfragen. Mit Hummels geben wir unseren besten Abwehrspieler direkt zum BVB, eine Strategie ist nicht zu erkennen, das viel gelobte Jugendzentrum zeigt keine Ergebnisse. Dazu ein Präsident, der vor laufender Kamera Millionen an Marktwerten vernichtet (Boateng) und nicht einmal die neuen Spieler kennt. Unsere Führungsmannschaft ist eindeutig überfordert.

  3. Ritchie Barufke

    01.07.2019 at 23:53

    Tja lieber Herr Michel, ich dachte immer das sich Fussballnews als einen unabhängigen Fußballportal präsentieren wollte. Wurde leider nichts daraus. Auf dem Bayernbashingzug aufzuspringen um mehr Leser bzw Klicks zu generieren ist nur Schäbig. Es unterscheidet euch nicht mehr von Bild-Kicker-Sport1. Da kann ich gleich wieder bei den 3 bleiben. Viel Erfolg wünsche ich euch. Ich bin bei dieser Art von Klickbaiting weg.

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