Bundesliga

Was beim FC Bayern schief läuft (6): Kein FCB-Star zählt mehr zu den Top 30 der Welt

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Der FC Bayern ist deutscher Meister und Pokalsieger, dennoch weist der Klub in vielen Bereichen große Probleme auf. fussball.news legt in einer 13-teiligen Serie dar, was bei den Roten strukturell schief läuft. In Teil 6 geht es um die individuelle Qualität der FC-Bayern-Stars

Beim FC Bayern spielen insgesamt die besten Spieler aus Deutschland und die besten Spieler der Bundesliga. Dieser Aussage dürften seit über 20 Jahren viele Fußballfans und Experten zustimmen. Da der FC Bayern aber seit den 2010er-Jahren den Anspruch hat, regelmäßig den Titel in der Champions League zu gewinnen, ist die bedeutendere Frage eine andere: Spielen beim FC Bayern die besten Spieler der Welt?

Bayern vs. Real und Chelsea

Zu Beginn des neuen Jahrtausends argumentierte die Führung des FC Bayern sinngemäß, der Klub könne sich viele internationale Stars finanziell nicht leisten, gegen Real Madrid mit seiner verachtenswerten Schuldenpolitik und gegen den FC Chelsea mit Mäzen Roman Abramowitsch sei es schwer anzukommen. Der FC Bayern wolle und könne diese irre Preisspirale nicht mitmachen. Ohnehin, so lautete ein weiteres Argument der Münchner, versuche der FC Bayern mit mannschaftlicher Geschlossenheit, großer Leidenschaft und taktischer Raffinesse Star-Truppen wie Real Madrid oder den FC Barcelona zu bezwingen. Als 2014 Deutschland Weltmeister wurde – der FC Bayern stellte sieben Profis im DFB-Kader –, konnten sich die Münchner damit rühmen, kaum internationale Stars verpflichten zu müssen: Man habe die Stars und Weltmeister ja bereits unter Vertrag!

Umbruch wurde zu spät angegangen

Doch in den vergangenen Jahren haben die Münchner einen Erneuerungsprozess verpasst. Bis zur vergangenen Saison setzten die Roten noch zum Großteil auf die Helden von 2014 – doch viele von ihnen wirken in die Jahre gekommen. Das ist eine unschöne Ausdrucksweise, präziser bedeutet es: Torwart Manuel Neuer ist verletzungsanfälliger geworden, die Tricks von Thomas Müller sind bei Gegenspielern hinlänglich bekannt und Abwehrspieler wie Jerome Boateng und Mats Hummels gelten als relativ langsam, weil eine Generation an neuen Top-Angreifern wie Dortmunds Jadon Sancho offenbar einen eingebauten Turbo Boost besitzen. Ja selbst die FC-Bayern-Stars sind mittlerweile der Meinung, dass sie mehr individuelle Qualität im Team brauchen. Die Frage ist aber, ob jenen Stars bewusst ist, dass sie selbst nicht mehr zu den besten 30 Spielern der Welt zählen?

Welche Statistiken führen zu nachhaltigen Erkenntnissen?

Fußball ist natürlich eine sehr subjektive Angelegenheit, weshalb man über Urteile schnell diskutieren und streiten kann. Zwar sind die Datenzugänge im Fußball auch für Fans größer geworden, doch im Grunde lässt sich fast jede Statistik so hinbiegen, wie es in ein Argumentationsschema gut passt. Es bedarf demnach zahlreicher Statistiken, die so nachhaltig wie möglich sind, um zu einem wirklich präzisen Urteil zu kommen. Der Ballon d‘Or und die FIFA Weltfußballerwahl gelten, wenn es um die individuelle Qualität von Spielern geht, als die bedeutendsten Auszeichnungen im Fußball. Die Organisatoren sind dabei auch nicht vor jeder manipulativen Wertung gefeit – etwa wenn Bundestrainer Joachim Löw regelmäßig drei deutsche Spieler für die besten Profis der Welt hält (kein Messi! kein Ronaldo!) -, aber in Summe kommt dabei schon ein relativ nahes Bild über die aktuelle Lage im Weltfußball heraus. Der FC Bayern spielt mit seinen Akteuren dabei kaum eine Rolle mehr, wie ein Blick auf die letzten drei Jahre zeigt:

Ballon d‘Or und FIFA Weltfußballerwahl: Bayern-Stars aktuell ohne Chance

Beim Ballon d‘Or, wo derzeit 176 Journalisten aus 176 Ländern nach einem Punktesystem die besten Spieler wählen, stand unter den besten 30 Spielern im Jahr 2018 kein einziger Profi des FC Bayern. 2017 waren immerhin noch zwei Bayern-Spieler in den Top 30: Stürmer Robert Lewandowski wurde Neunter, Verteidiger Mats Hummels 27. Im Jahr 2016 waren es vier Akteure: Mittelfeldspieler Arturo Vidal wurde 14., Lewandowski 16. und Angreifer Thomas Müller sowie Torwart Manuel Neuer teilten sich Rang 20.

Ein Blick zur FIFA-Weltfußballer-Wahl: Im Wesentlichen stimmberechtigt sind alle Nationaltrainer, Nationalmannschaftskapitäne und ein Medienvertreter pro Land. Alle wählen jeweils ihre Top-Drei-Fußballer, woraus das Ranking entsteht. Später kommt es noch zu einer Endauswahl. Das Ergebnis der letzten drei Jahre aus Münchner Sicht:

2016 gelangten Robert Lewandowski (12.) und Manuel Neuer (16.) in die Top 20.
2017 stieß zu Lewandowski (16.) und Neuer (19.) noch Vidal hinzu (21.).
2018 wurde für die Endauswahl nur eine Top 10 benannt. Dort war kein Profi des FC Bayern vertreten.

Auch beim „Fußballer des Jahres“ gehen die Bayern-Stars leer aus

Wer nun diese beiden Wahlinstitutionen für dubios hält, der kann eine Stufe tiefer gehen. Bei der Wahl zum Fußballer des Jahres in Deutschland gewann die vergangenen zwei Jahre kein Akteur des FC Bayern den Titel. 2017 erhielt Verteidiger Philipp Lahm zu seinem Karriereende die Auszeichnung. Allerdings war die Wahl der Sportjournalisten eher eine Auszeichnung für Lahms Lebensleistung als Fußballer, weniger für den damaligen Leistungsstand des Bayern-Kapitäns. Gerne werden auch Marktwerte von Spielern angeführt. Dazu ein Blick auf transfermarkt.de: Unter den wertvollsten 40 Spielern der Welt ist kein Akteur des FC Bayern vertreten. Auf Platz 44 folgt Zugang Lucas Hernandez, auf Platz 48 Verteidiger Joshua Kimmich. Sein Marktwert beträgt 70 Millionen Euro.

Bayern biegt kaum mehr Rückstände um

Auch in den Spieldaten lassen sich Statistiken finden, die auf einen Rückgang der individuellen Qualität deuten. Gerät beispielsweise eine Mannschaft in Rückstand, sind es oft Spieler mit hoher individueller Qualität, die in einer Partie vorangehen und das Spiel mit Toren oder Vorlagen noch drehen. Der FC Bayern nun lag in der Bundesligasaison 2018/19 acht Mal in Rückstand – nur zwei dieser Partien konnte er noch mit einem Sieg abschließen. Natürlich kann man hier auch dem Trainer Vorwürfe machen, der vielleicht im In-Game-Coaching noch seine Schwächen besitzt, aber nur zwei Siege aus acht Rückständen werfen auf Spieler und Coach zugleich ein schlechtes Licht. Zum Vergleich: 2017/18 gerieten die Münchner zehn Mal in Rückstand, siegten davon noch sechs Mal. 2015/16 lag Bayern sechs Mal in Rückstand und siegte noch vier Mal.

Lewandowski – der beste Mittelstürmer der Welt?

Die Münchner Führung hat in den vergangenen Jahren ein Wording gefunden, um den Status als Top-Drei-Team in Europa zumindest sprachlich aufrechtzuerhalten. So ist eben Manuel Neuer „einer der besten Torhüter der Welt“, Robert Lewandowski „der beste Mittelstürmer der Welt“, Joshua Kimmich „einer der besten Außenverteidiger der Welt“ und Niklas Süle „der beste deutsche Innenverteidiger“. Die Münchner Klubführung geht also nicht nach der individuellen Klasse der Spieler insgesamt, sondern sie hätte es gerne nach Positionen aufgeteilt. So wird es natürlich auch mit dem Nachweis schwieriger, ob der FC Bayern noch genügend indidividuelle Qualität im Team besitzt. Beispielsweise spielt Weltmeister Kylian Mbappe oft Mittelstürmer, aber er wird in Paris auch einige Mal auf den Flügeln eingesetzt, was für Lewandowski Fremdland ist. Mbappe verfügt über eine bessere Technik als Lewandowski, er ist deutlich schneller und kann auch mit Ball Sturmläufe über das ganze Feld anführen. Dazu hat er auch noch die bessere Zukunftsperspektive. Aber Mbappe ist eben kein klassischer Mittelstürmer wie Lewandowski, weshalb die Münchner ohne Widerspruch ihren besten Feldspieler verbal glorifizieren können.

FIFA-Weltelf ohne Bayern-Stars

Die Liste ließe sich nun lange fortführen, zur Hilfe genommen sei wieder eine FIFA-Wahl. Seit 2005 wählt die FIFPro, die internationale Gewerkschaft der Profifußballer, die Weltelf. Seit 2009 wird die Weltelf gemeinsam mit der FIFA ausgewählt. In der Weltelf des Jahres fehlten 2017 und 2018 Spieler des FC Bayern. 2016 und 2015 wurde nur Manuel Neuer in die Weltelf gewählt. Folglich hat der FC Bayern auch nach Positionen gesehen nicht die individuelle Qualität, die es für ein Top-Drei-Team in Europa bräuchte. In zwei der vergangenen drei Jahre hat der FC Bayern das Halbfinale der Champions League verfehlt. Daran trugen nicht nur die Coaches Ancelotti und Kovac schuld, es lag insbesondere an der mangelnden individuellen Qualität bei den Startelfspielern und den Ergänzungsspielern. Will der FC Bayern noch ernsthaft in der Champions League konkurrenzfähig sein, heißt es nun bis zum Transferschluss am 2. September: kaufen, kaufen, kaufen!

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

3 Comments

  1. Christian

    05.08.2019 at 16:58

    Oh wow, selten so viel Quatsch in einem Artikel gelesen

  2. Fynn T

    05.08.2019 at 20:04

    Warum @Christian? Der Autor hat meiner Meinung nach Recht.

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