Borussia Dortmund

Warum Roman Bürki bislang Dortmunds Spieler der Saison ist

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Borussia Dortmund hat sich am Samstag dank einer furiosen Aufholjagd beim 4:2-Sieg bei Bayer Leverkusen an die Spitze der Bundesliga-Tabelle gesetzt. Ein Blick auf das Tableau legt nahe, daran sei der starke Angriff hauptverantwortlich. Immerhin haben die Schwarzgelben 19 Treffer erzielt, mindestens sieben mehr als jedes andere Team. Doch dieser Eindruck ist unvollständig. Tatsächlich ist Torhüter Roman Bürki bisher der stärkste Akteur des BVB.

Fünf Gegentore und zwei Zu-Null-Spiele sind nach sechs Spieltagen dabei keine sonderlich bemerkenswerte Bilanz. Auch wenn nur Mainz 05 (vier Gegentore) und der FC Bayern (ebenfalls fünf) ähnliche Werte aufweisen. Individuell hat der Schweizer starke, aber nicht außerirdisch gute Statistiken zu bieten. So hat Bürki laut Daten des Internetportals Ligainsider bisher über 70 Prozent der Torschüsse auf seinen Kasten pariert, liegt damit unter den Top-Fünf Torhütern der Liga. Zudem vereitelte er starke 60 Prozent der Großchancen, nur Peter Gulacsi von RB Leipzig liegt hier vor ihm. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf die Bundesliga: In der Champions League beim FC Brügge ermöglichte Bürki seiner schwachen Mannschaft einen spät errungenen Auftaktsieg, weil er seinen Kasten sauber hielt.

Er hat die innere Ruhe gefunden

Beim 27-Jährigen geht es in dieser Saison aber nicht nur um die reinen Zahlen, sondern vielmehr um die Art und Weise. Um die Selbstverständlichkeit, die er an den Tag legt. Bürki scheint seine innere Ruhe gefunden zu haben und strahlt eine bisher unbekannte Souveränität und Sicherheit aus. Das färbt auch auf den Rest der Mannschaft ab, wenngleich seine teilweise sehr jungen Vorderleute noch immer für den ein oder anderen Lapsus gut sind. Im Wissen, dass hinter ihnen jemand steht, der in der Lage ist, Außergewöhnliches zu leisten. Dafür holte er sich am 1. Spieltag seltenes Sonderlob von der mächtigen Südtribüne des Westfalenstadions ab.

Er ermöglicht wichtige Aufhol-Siege

Gegen RB Leipzig hatte trotz eines eindeutig klingenden Endstands von 4:1 vor allem seine Leistung einen dreifachen Punkterfolg erst möglich gemacht. Gegen die Sachsen musste er nach einer halben Minute hinter sich greifen, vereitelte ein ums andere mal im Alleingang weitere Gegentore. Ähnliches galt für die Aufholjagd in Leverkusen. Ohne die herausragende Form von Bürki hätten Julian Brandt oder Kai Havertz in der Viertelstunde nach der Pause das dritte und vermutlich entscheidende Tor für die Gastgeber erzielt. Stattdessen hielt der Schweizer sein Team im Spiel, die nach dem 7:0 gegen den 1.FC Nürnberg erneut herausragend aufspielende Offensive bestellte den Rest. Es ist das Los des Torhüters, dass sein Beitrag im Vergleich entweder zu geringe Würdigung erfahren oder gleich ganz in Vergessenheit geraten wird.

Er etabliert einen neuen Leistungsstandard

Bei Bürki kommt dabei erschwerend hinzu, dass eine gewisse Grundskepsis gegenüber seinen Leistungshochs nur schwer abzuschütteln ist. Starke Phasen hatte er auch in den drei bisherigen Spielzeiten als Nr.1 beim BVB. Häufig streute er dann aber auch Partien ein, in denen er schwer erklärliche Fehler machte und sich selbst seines Selbstvertrauens beraubte. Doch es gibt Anzeichen, dass dieses Jahr aus einem Leistungshoch schlicht ein neuer Leistungsstandard werden kann. Die Auftritte des WM-Teilnehmers sind derart beeindruckend, dass entsprechende Hoffnungen bei den Fans nahe liegen. So fehlerfrei und absolut souverän wie zu Saisonbeginn hat er selbst in besten Phasen der Vorjahre nur selten gewirkt.

Er ist unumstrittener denn je

Gründe dafür sind allenfalls zu erahnen. Dem durchaus zu seiner Sensibilität stehendem Schweizer dürfte gut tun, dass mit Marwin Hitz eine klar als Nr. 2 geholte Ersatzlösung im Kader steht. In den Vorjahren war Klub-Legende Roman Weidenfeller sein Schattenmann. Auch wenn der zum Karriereende hin leistungstechnisch keine echte Alternative zu Bürki darstellte, war Weidenfeller wegen seiner Verdienste für den Verein viel mehr als ein normaler Ersatzkeeper. Es mag auch helfen, dass der 27-Jährige von seinem Ex-Mitspieler die Rückennummer 1 übernommen hat. Oder, dass in Lucien Favre ein Landsmann der neue Cheftrainer ist. Vielleicht sind es auch neue Akzente im Torwarttraining von Matthias Kleinsteiber, der das Amt von Kult-Keeper Teddy de Beer übernommen hat. Was immer Bürki auch dabei geholfen hat, die nächste Stufe zu zünden: Es spricht aktuell nichts dagegen, dass er das neue Niveau auch dauerhaft zeigen kann. Im Kampf um die Saisonziele hätte der BVB so aus den eigenen Reihen eine große Verstärkung zu verzeichnen.

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