Bundesliga

Mögliche Kovac-Nachfolge: Warum Hasenhüttl Wenger noch überflügeln kann

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Die führenden Sportmedien sind sich einig: Niko Kovac wird nicht mehr lange Trainer des FC Bayern sein. Wenn es um die Nachfolgefrage geht, wird nun Arsene Wenger als Favorit genannt.

Die Vorzüge von Arsene Wenger liegen auf der Hand: Der 69-Jährige hat rund 22 Jahre Arsenal London konstant in den Top Vier der Premier League gehalten. Der Erfolgscoach wurde mit den Gunners drei Mal Meister, er holte 2002 das nationale Triple und 2004 das Double. Den Umgang mit mehreren Wettbewerben ist er gewohnt, mit Arsenal war er 2000 im UEFA-Cup-Finale und 2006 im Champions-League-Endspiel. Wenger förderte eine Vielzahl von Talenten und pflegte gleichzeitig mit zahlreichen Top-Stars einen sehr guten Umgang. Er verschaffte unter anderem dem heutigen FC-Bayern-Profi Serge Gnabry sein Debüt in der Premier League, er kam aber auch bestens mit Weltmeistern wie Patrick Vieira aus. Der Franzose ist im Elsass mehrsprachig aufgewachsen, die deutsche und die französische Bayern-Spieler-Fraktion könnte er in ihrer Muttersprache motivieren. Die Wenger-Teams überzeugten in der Regel mit Tempo-Fußball, eine taktische Handschrift war klar erkennbar. Mir einer Verpflichtung von Wenger würde der FC Bayern in seine traditionelle Linie zurückkehren, große Star-Trainer zu verpflichten. Die Münchner hatten ohnehin im Laufe der Jahre öfter mal erwägt, Wenger an die Säbener Straße zu locken.

Das Minimalziel des FC Bayern

Das Minimalziel, dass der FC Bayern so nicht öffentlich ausspricht, lautet Qualifikation zur Champions League. Unter Niko Kovac erscheint selbst eine Top-Vier-Platzierung nur schwer möglich, mit Arsene Wenger sollten die Top Vier dagegen ein sehr realistisches Ziel sein. Dennoch gibt es Gefahren mit Wenger: Vor wenigen Tagen berichtete Sport1, dass einzelne Profis des FC-Bayern einer möglichen Verpflichtung von Wenger skeptisch gegenüberstehen würden. Ohne Nennung von Gründen dürfte naheliegend sein: Wenger musste zahlreiche heftige Niederlagen gegen den FC Bayern in der Champions League einstecken, aus Münchner Sicht erschien die von Wenger vorgegebene Arsenal-Taktik sehr einfältig. Zudem verpasste Wenger mit Arsenal zuletzt zwei Mal die Champions-League-Qualifikation und wirkte nicht mehr in der Lage, sein Team neu zu motivieren. Doch wer will dem 69-Jährigen dies nach 22 Jahren bei Arsenal übel nehmen? Seine hohe Qualität ist unbestritten.

Hasenhüttl war bereits Kandidat

Allerdings gibt es (leise) Zweifel an Wenger, die nun Ralph Hasenhüttl zurück ins Trainer-Rennen holen könnten. Denn was zahlreiche Berichtersttatter vergessen: Als der FC Bayern für 2018/19 einen neuen Trainer suchte, war einer der ersten Coaches, der angefragt wurde, Ralph Hasenhüttl. Der Österreicher erklärte dies sinngemäß selbst im ZDF Sportstudio. Allerdings lehnte er weiterführende Gespräche mit den Klub-Bossen mit der Begründung ab, er sei noch nicht reif genug, um Bayern München zu führen. Für den 51-jährigen Hasenhüttl sprechen jedoch auch einige Faktoren, um die voraussichtliche Kovac-Nachfolge anzutreten. Hasenhüttl spielte einst für die FC-Bayern-Amateure, auf dem Weg zu seiner Trainer-Karriere half ihm Präsident Uli Hoeneß Medienberichten zufolge relativ schnell dabei, einen der begehrten Ausbildungsplätze zur DFB-Trainerlizenz zu erhalten. Hasenhüttl kennt die deutsche Ligen bestens, er diente sich über Unterhaching, Aalen und Ingolstadt in die erste Bundesliga hoch. Vor zwei Jahren formte er RB Leipzig zum ärgsten Verfolger von Serienmeister Bayern München, sein Team begeisterte mit frühem Pressing und starken Aktionen in der Offensive. Bemerkenswert, denn zuvor galt Hasenhüttl eher als Defensivstratege. Hasenhüttl, gebürtig im österreichischen Graz, ist in der Region München beheimatet, zuletzt wurde der Österreicher mehrfach in der Isarmetropole gesehen. Sei es auf dem Oktoberfest, sei es beim Frühstück in der Münchner Innenstadt. Hasenhüttl gilt als „Kumpeltyp“ und „Star-Versteher“ zugleich, so könnte er die Risse zwischen Spieler und Trainer beim FC Bayern schnell kitten und das so bedeutende „Mia-san-Mia-Gefühl“ des Klubs schnell wieder beleben.

Zidane bleibt Wunschgedanke

Wenger und Hasenhüttl sind derzeit ohne Job und wären umgehend verfügbar. Der einst geäußerte Wunsch von FC-Bayern-Legende Oliver Kahn, Zinedine Zidane als Coach für die Roten zu gewinnen, dürfte dagegen noch kaum realisierbar sein, ließ der Ex-Real-Madrid-Coach doch über seine Berater verlauten, bis Sommer 2019 Urlaub machen zu wollen. Allerdings: Ein spanischer Journalist behauptete zuletzt, Zidane wäre vom FC Bayern bereits vor dem 2:3 bei Borussia Dortmund kontaktiert worden.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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