Borussia Dortmund

Warum die Rückwärtsgewandtheit von Watzke nichts Gutes für den BVB heißt

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Borussia Dortmund ist angeschlagen in die Länderspielpause gegangen. Nach drei Remis am Stück rutschte der BVB in der Bundesliga-Tabelle auf Rang acht ab. Mehr noch als die ausbleibenden Ergebnisse gibt die Art der Auftritte zu denken. Eine aufkeimende Trainerdiskussion versucht der Klub noch abzuwehren. Doch Hans-Joachim Watzke erweist den Protagonisten einen Bärendienst.

Ein Kommentar von fussball.news-Redakteur Lars Pollmann

Mit pathetischen Worten trauert der Geschäftsführer der Schwarzgelben in einer Vorabveröffentlichung der Bild-Zeitung aus seinem Buch ‚Echte Liebe. Ein Leben mit dem BVB‘ (C. Bertelsmann) der gemeinsamen Zeit mit Jürgen Klopp hinterher. Er beschreibt die inhaltlich alternativlose Trennung mit dem Erfolgstrainer in einer Art und Weise, die den Leser beinahe vermuten lässt, Klopp habe seinerzeit nicht etwa die Trainerbank verlassen, sondern sei aus dem Leben geschieden. Immer wenn er „dieses wiehernde Lachen von Jürgen gehört habe“, schreibt Watzke, habe er gewusst, dass „alles in Ordnung“ sei. „Aber das gibt es jetzt nicht mehr.“

Mehr als eine ‚Liebeserklärung‘

Bei so viel Männerfreundschaft mag dem ein oder anderen Fan des BVB das Herz aufgehen. Jedoch lassen andere Sätze von Watzke noch tiefer blicken. „So einen Trainer, das war mir klar, würden wir nie mehr wieder bekommen“, schreibt der 60-Jährige etwa. „Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn wir die gesamte Mannschaft ausgetauscht hätten und nicht den Trainer“, außerdem. Es sind diese Worte, die aus einer harmlosen ‚Liebeserklärung‘ an Klopp ein Thema machen, das innerhalb des Vereins durchaus für Aufruhr sorgen kann.

Ein Schlag ins Gesicht für die Nachfolger von Klopp

Mit seinen Sätzen zeigt Watzke eine Rückwärtsgewandheit, die Borussia Dortmund schon länger in so mancher Beziehung lähmt. Wäre das Erbe auf der Trainerbank nicht bereits schwer genug gewesen, liefert der leitende Angestellte der Schwarzgelben nun eine Begründung nach, warum es mit Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger und womöglich demnächst auch Lucien Favre nicht in ähnliche Sphären ging wie mit Lichtgestalt Klopp. Keiner von ihnen war gut genug, um bei Watzke dieses Standing zu erreichen.

Watzke vermisst mehr als nur seinen Freund

Nun ist das Binnenverhältnis zwischen Geschäftsführer und Trainer nicht das alles entscheidende Kriterium, jedoch lässt sich daraus etwas ableiten. Wenn Watzke noch beinahe viereinhalb Jahre nach dem Abschied den Menschen Jürgen Klopp vermisst, ist der Schritt nicht weit, die gesamte Klopp-Ära zu vermissen. Mit ‚Rock ’n‘ Roll-Fußball, mit jungen Wilden auf dem Platz und einem Berserker an der Seitenlinie, der die Jubelsäge kultivierte und von Tag eins in Dortmund nicht nur Cheftrainer, sondern Menschenfänger und Kultfigur war.

Ständiger Vergleich wird niemandem gerecht

Der analytische Grundgedanke von Watzke ist dabei gar nicht falsch, einen zweiten Trainer wie Jürgen Klopp wird Borussia Dortmund wohl kaum finden. Das Problem ist dabei bloß, dass der Klub dann auch nicht ständig den Vergleich anstellen sollte. Den wird der Geschäftsführer mit seinen Worten, die in keinem direkten zeitlichen Zusammenhang mit der aktuellen Lage geschrieben wurden, nicht explizit hergestellt wollen haben. Jedoch muss dem Medienprofi Hans-Joachim Watzke klar gewesen sein, welche Außenwirkung sie erzeugen können.

Was sagt es über den Rückhalt für Favre aus?

Schlimmer noch aber wäre, wenn die Sehnsucht nach Klopp Probleme in ihrer Innenwirkung erzeugen sollten. Wenn etwa der ohnehin als sensibel geltende Favre ob des ständigen Vergleichs mit dem Übervater der BVB-Trainer die Rückendeckung vermisst. Oder auch, wenn sich Spieler fragen, warum Watzke im Nachhinein womöglich lieber „die gesamte Mannschaft ausgetauscht“ hätte, weil man, anders als den Traum-Trainer „gute Spieler wieder bekommen würde“. Immerhin stehen mit Mats Hummels, Lukasz Piszczek, Marco Reus und Marcel Schmelzer für den mannschaftlichen Zusammenhalt wichtige Akteure im Kader, die den Abschied von Klopp unmittelbar miterlebt haben.

Watzke hätte besser nach dem eigenen Abschied geschrieben

Dass die Worte von Watzke einen unmittelbaren Effekt auf die sportlichen Darbietungen von Borussia Dortmund haben werden, ist wohl eher auszuschließen. Und doch zeugen sie von einer Rückwärtsgewandtheit, die ein leitender Angestellter eines ambitionierten Fußballklubs, der gleichzeitig ein ambitioniertes Wirtschaftsunternehmen ist, nicht an den Tag legen sollte. Hans-Joachim Watzke schreibt wie ein Fußballliebhaber, der keine operative Aufgabe mehr trägt. Womöglich wäre es besser gewesen, er hätte das Buch erst geschrieben, wenn diese Konstellation auch tatsächlich eingetreten ist.

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