Bundesliga

Warum die „Liebeserklärung“ von Wagner an den FC Bayern nur eine Momentaufnahme ist

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Sandro Wagner hadert mit seinen geringen Einsatzzeiten beim FC Bayern, dennoch will er dem deutschen Rekordmeister die Treue halten. Doch wie nachhaltig sind die Aussagen des Münchner Ersatzstürmers?

Sandro Wagner spielte beim 2:1-Pokalsieg gegen Viertligist Rödinghausen über 90 Minuten durch und erzielte das zwischenzeitliche 1:0. Nach der Partie stellte sich der 30-Jährige den Fragen der Medien. Zu seinen zwei Kernaussagen zählten: „Wir haben jetzt November, es war erst mein zweites Spiel von Anfang an. Das ist natürlich nicht das, was ich mir vorstelle.“ Und: „Ich wusste ja, was auf mich zukommt bei Bayern. Ich habe meinen Vertrag in vollem Bewusstsein hier für zweieinhalb Jahre unterschrieben und das ziehe ich auch durch. Ich bin ein Typ, der Gas gibt. Seit Sommer gebe ich sogar noch mehr Gas, weil ich einfach die letzten Jahre meiner Karriere nochmal Vollgas geben will. Ich fühle mich wohl in München. Jedes Mal, wenn ich an die Säbener Straße komme, weiß ich, wofür ich das mache. Das ist mein Verein, schon seit Kindesbeinen an. Deswegen habe ich keine anderen Gedanken, (den Klub zu verlassen; Anm. d. Red.).“ Seine Antworten werden von zahlreichen Berichterstattern sehr positiv interpretiert: Wagner komme zwar derzeit kaum zum Einsatz, doch er hege keinen Wechselwunsch und wolle dem FC Bayern treu bleiben. Die Bild-Zeitung titulierte die Aussagen von Wagner als „Liebeserklärung“ an die Münchner.

104 Einsatzminuten – von 810 möglichen!

Doch die reale Gefechtslage ist eine andere: Sandro Wagner kommt deutlich weniger unter Trainer Niko Kovac zum Einsatz, als es noch unter Vorgänger-Coach Jupp Heynckes der Fall war. Wagner sagte zwar nun erneut: Als er sich im Januar zu einem Wechsel von Hoffenheim zum FC Bayern entschlossen habe, sei ihm seine Rolle im Münchner Team klar gewesen – damit meint er aber eben sicher nicht die aktuelle Rolle als Dauer-Ersatzspieler und teilweise „Tribünenhocker“. Er meint genau jene Rolle, die er unter Heynckes als Backup von Star-Stürmer Robert Lewandowski inne hatte. In der Rückrunde 2017/18 kam Wagner in nahezu jedem Spiel in der zweiten Halbzeit zum Einsatz, teilweise startete er sogar von Beginn an. Bei Kovac ist Wagner nahezu gar nicht gefragt, in der Bundesliga spielte Wagner erst 104 von 810 möglichen Minuten!

Warum setzt Kovac nicht auf Wagner?

Warum Niko Kovac den Spielertyp Wagner kaum einsetzt, lässt sich nur vermuten. Wagner ist ein sehr guter Abschlussstürmer und kann Teamkollegen emotional mitreißen. Schnelligkeit, Dribblings, technische Raffinesse und ein flexibles Positionsspiel zählen dagegen nicht zu den herausragenden Stärken von Wagner. Für ihn könnte es nun noch schwerer unter der Leitung von Kovac werden: Den Transfergerüchten nach sucht der FC Bayern bereits einen neuen Mittelstürmer als Lewandowski-Backup. Für Wagner hieße das, bald womöglich nur noch Mittelstürmer Nummer drei im Kader des FCB zu sein. Aller Erfahrung nach wird sich der als „Heißsporn“ bekannte Wagner auf Dauer kaum damit begnügen, im Schnitt nur jedes dritte Spiel relativ kurz zum Einsatz zu kommen. Zwar hat Wagner noch einen Trumpf in der Hand: Seine Berateragentur wird von Michael Rummenigge geleitet, dem Bruder von FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Man kann davon ausgehen, dass sich die früheren Profi-Spieler bald über die sportliche Lage von Wagner austauschen werden. Doch am Ende dürfte es wohl nur eine Entscheidung geben: Sollte Niko Kovac sich trotz bislang durchwachsener Leistungen als Coach beim FC Bayern halten, dürfte Wagner voraussichtlich im Sommer 2019 nochmal einen neuen Klub suchen. Dass sich der ehemalige Nationalspieler noch eine Saison hauptsächlich zwischen Ersatzbank und Tribüne rotieren lässt, ist dagegen kaum vorstellbar – „Liebeserklärung“ hin- oder her.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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