Borussia Dortmund

Warum der neue Vertrag von Piszczek die BVB-Pläne nicht verändern sollte

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Lukasz Piszczek hat es doch nochmal getan. Der polnische Routinier hat sein geplantes Karriereende um ein Jahr nach hinten verschoben und bei Borussia Dortmund bis 2021 verlängert. In unsicheren Zeiten ist das für den BVB eine positive Nachricht. Jedoch keine, die die Pläne nachhaltig verändern sollte.

Über den BVB berichtet fussball.news-Redakteur Lars Pollmann

Die Unterschrift des in zwei Wochen 35-Jährigen kam am Mittwoch nicht ganz überraschend. Seit längerer Zeit hatte sich angedeutet, dass Dortmund den Routinier durchaus noch brauchen kann und er sich selbst nicht zum alten Eisen zählen muss. Seit der Systemumstellung auf eine Dreierkette setzt Lucien Favre vornehmlich auf Piszczek als halbrechten Innenverteidiger. Es ist eine läuferisch weniger anspruchsvolle Position, die die Karriere so manchen Außenverteidigers verlängert hat. Mit seiner Erfahrung, Intelligenz und Kopfballstärke kann der Ex-Nationalspieler in dieser Rolle durchaus noch einiges bewegen.

Piszczek sollte in Teilzeitrolle schlüpfen

Allerdings sollte es der Anspruch des BVB sein, dass Piszczek bis zu seinem (voraussichtlichen) Karriereende der kommenden Spielzeit mehr und mehr in eine Teilzeitrolle schlüpft. Wenn der 34-Jährige auch die künftige Saison als vollwertiger Stammspieler verbringt, ist das womöglich weniger ein Zeichen seiner Qualität, als das eines gewissen Versäumnisses des Klubs oder einer anhaltenden Fehlentwicklung bei den Konkurrenten. Manuel Akanji und Leonardo Balerdi sollten den Routinier im Laufe der kommenden zwölf Monate verdrängen können, wenn sie ihre Befähigung für einen Verein vom Niveau des BVB nachweisen wollen.

Can dürfte im Mittelfeld bleiben

Denkbar ist dabei freilich auch, dass weitere Konkurrenz hinzukommt. Von außen, wenn Dortmund einen neuen rechtsfüßigen Innenverteidiger holen sollte, oder aber von innen, wenn Emre Can diese Position in sein Repertoire aufnehmen sollte. Der Nationalspieler kam im Winter von Juventus Turin laut Medienberichten unter der Maßgabe, in der Abwehr aufzulaufen. Dort meine er, sich am ehesten für einen Stammplatz im DFB-Team empfehlen zu können, hieß es. Nach den ersten Monaten beim BVB scheint die Bedeutung von Can im Mittelfeld aber bereits so groß, dass eine Abbeorderung in die Abwehrkette unwahrscheinlich erscheint.

Akanji kommt aus anhaltender Formkrise

Der Fokus dürfte also neben Akanji und Balerdi auf den Transfermarkt führen. Der wird freilich von der Coronakrise gezeichnet sein. Inwieweit Dortmund, das sich auf keine erheblichen Einnahmen einstellen dürfte, sofern Jadon Sancho dem Klub erhalten bleibt, als Einkäufer auftreten kann, sei dahingestellt. Grundsätzlich bleibt die Position des halbrechten Innenverteidigers eine potenzielle Baustelle. In den unsicheren Corona-Zeiten könnte der Klub freilich mehr oder weniger notgedrungen auf das vorhandene Personal setzen. Sollte Akanji daher der designierte Stammspieler in der Post-Piszczek-Ära sein, bleibt zu hoffen, dass seine starke Leistung im Revierderby am Samstag der erste Schritt aus einer anhaltenden Schwächeperiode war.

Hakimi-Verbleib scheint utopisch

Mit dem Schweizer und Balerdi gibt es immerhin hochpreisige Alternativen in der Innenverteidigung. Auf Piszczeks vormaliger Position als Außenverteidiger stellt sich die Lage komplizierter dar. Eine Weiterverpflichtung von Achraf Hakimi muss inzwischen als wenig wahrscheinlich gelten. Die Leihgabe wird entweder zu Real Madrid zurückkehren, um dort zu spielen. Oder, um für gutes Geld an einen Drittverein verkauft zu werden. Bei den zu erwartenden Ablöse-Sphären ist der BVB mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in der Lage, seinen Hut in den Ring zu werfen. Die momentan für kommende Saison vertraglich gebundenen Ersatzkandidaten sind Mateu Morey, Felix Passlack, Jeremy Toljan und Marius Wolf.

Würde Favre Morey vertrauen?

Der Spanier wartet weiterhin auf sein Debüt in einem Pflichtspiel, die drei anderen sind derzeit als Leihspieler bei Fortuna Sittard, US Sassuolo und Hertha BSC aktiv. Am ehesten ist wohl Morey zuzutrauen, die Hakimi-Lücke behelfsmäßig zu schließen. In der Saison-Vorbereitung hinterließ das Produkt der Akademie des FC Barcelona einen hervorragenden Eindruck, ehe er sich schwerer an der Schulter verletzte. Dass er seither nie eine Chance bekommen hat, lässt aber unwahrscheinlich erscheinen, dass Favre bei Morey das nötige Vertrauen aufbringen würde, wenn es gegen Spitzenmannschaft um die sprichwörtliche Wurst geht.

Meunier-Gerüchte verstummt

Der BVB muss dann der Versuchung widerstehen, Piszczek wieder nach außen zu beordern. Der Pole ist schlichtweg nicht mehr in der Lage, diese Position dauerhaft zu bekleiden. Trotz seiner Verlängerung ist klar: Hinten rechts muss Dortmund im Sommer aktiv werden. Gerüchte um eine womöglich schon feststehende Verpflichtung von Thomas Meunier sind zuletzt deutlich seltener geworden. Der belgische Nationalspieler kann Paris Saint-Germain ablösefrei verlassen, hat aber womöglich zahlungsfreudigere Alternativen als den BVB. Andere Namen sind bisher nicht durchgesickert. Irgendeinen Pfeil sollten und dürften die Chefs aber zwingend im Köcher haben. Daran ändert auch die Verlängerung mit Piszczek nichts.

About Lars Pollmann

Lars Pollmann begann sein Autorendasein als englischsprachiger Blogger (Bleacher Report, Yellowwallpod). Seit 2018 zählt er zur Redaktion von fussball.news. Seine Leidenschaft gehört darüber hinaus dem italienischen Fußball (vor allem Inter Mailand) sowie dem Radsport.

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