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Bundesliga

Note 3? Warum Benjamin Pavard beim FC Bayern ein sportlich schweres Leben droht

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Weltmeister Benjamin Pavard gilt in Frankreich als Nationalheld. In Deutschland muss der Defensiv-Akteur des FC Bayern aber oftmals ungerechtfertigte Kritik aushalten. Das beweist eindrucksvoll das Spiel gegen RB Leipzig.

Als der VfB Stuttgart in der vergangenen Saison aus der Bundesliga abstieg, galt auch Benjamin Pavard als mitverantwortlich für die Misere. Hauptursache für den Abstieg der Stuttgarter war die Fehlplanung der VfB-Funktionäre. Doch wenn es um die Mitverantwortung der Spieler ging, geriet Pavard immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik. Sicherlich patzte auch der Franzose vor Gegentoren, aber zahlreiche statistische Daten belegten deutlich, dass Pavard im Regelfall noch mit zu den besten Stuttgartern zählte. Dennoch nahm er den Makel des Absteigers mit nach München und bereits bei seiner ersten Pressekonferenz sagte er selbst, es wäre für ihn besser gewesen, wäre er gleich nach der WM 2018 zum FC Bayern gekommen.

Fehler gegen Hertha?

Der sportliche Auftakt in München verlief für Pavard wiederum unglücklich. Beim Bundesligaspiel gegen Hertha BSC versuchte er nach einem Zusammenprall mit einem Herthaner taumelnd weiterzuspielen, dabei hob er das Abseits auf und der FC Bayern kassierte das zwischenzeitliche 1:2 (Endstand: 2:2). Manche Schiedsrichter hätten vor dem Gegentor auf Foul oder Schiedsrichterball entschieden, doch das Spielglück lag nicht auf Pavards Seite.

Pavard patzte gegen Mainz

Beim nächsten Heimspiel gegen Mainz 05 traf Pavard wiederum am Gegentor zum 0:1 eine Mitschuld. Zwar ließ David Alaba auf seiner Seite die Mainzer ungehindert flanken, doch am Ende hätte Pavard im Strafraum die Flanke abräumen müssen. Tat der 23-Jährige aber nicht, die Münchner gerieten in Rückstand. Als danach noch zwei Fehler von Pavard folgten, wurden erste Fans unruhig und münzten die (zunächst) schwache Bayern-Leistung auf den Franzosen. Pavard konnte dann jedoch mit einem Traumtor und einem weiteren Assist maßgeblich zum 6:1-Sieg des FC Bayern gegen Mainz beitragen. Es folgte eine diplomatisch unvorsichtige Aussage von Trainer Niko Kovac nach der Partie. Kovac räumte ein, darüber nachgedacht zu haben, Pavard aufgrund der Fehler  früh auszuwechseln. Vertrauen in einen Neuzugang sieht – zumindest der Rhetorik nach – anders aus.

Schwachpunkt in der FCB-Defensive?

Doch Kovac besitzt Vertrauen in seinen Schützling. So durfte Pavard am vergangenen Wochenende im Topspiel bei RB Leipzig wieder als rechter Außenverteidiger auflaufen. Im Vorfeld der Partie spekulierte die Bild-Zeitung darüber, ob RB-Coach Julian Nagelsmann Pavard als große Schwachstelle im Defensivverbund des FC Bayern ausgemacht habe und er seine Spieler bewusst Angriffe auf den Weltmeister trainieren lasse.

Note 3 für Pavard

Was passierte nun im Spiel gegen RB Leipzig? Wenn man sich die Berichte und Bewertungen nach der Partie (1:1) durchliest, kommt man fast ausschließlich zu dem Schluss, Pavard habe eine allenfalls durchschnittliche Leistung geboten. Bild, kicker und tz gaben Pavard die Note 3, auch bei den Portalen ran, Spox und Goal reichte es für Pavard nur zur 3. Die Süddeutsche Zeitung, die keine Noten für das Top-Spiel verteilt, urteilte in der Einzelkritik über Pavard: „Sammelte in der ersten Halbzeit alle Energie, um kurz nach dem Wiederanpfiff das 2:1 der Leipziger zu verhindern. Rutschte mit der Energie eines Kungfu-Kämpfers in einen Schuss von Halstenberg und kugelte sich danach so oft, als würde er mit jeder Umdrehung auf dem Rasen neue Energie sammeln. Flankte noch einmal gefährlich und hatte damit auch sein Interesse am Sieg unter Beweis gestellt.“ Reporter Patrick Strasser (Abendzeitung, Sportbuzzer) war in Leipzig vor Ort und bewertete Pavard mit einer 2. Seine Begründung: „Der Neuzugang vom VfB Stuttgart hat sich als Rechtsverteidiger unverzichtbar gemacht. Hält seine Position, spielt kein Harakiri, gutes Laufpensum und vor allem: sehr abgeklärtes Kopfballspiel, mit dem der französische Weltmeister einiges wegräumte.“

Wenn man auf die statistischen Daten des Top-Spiels blickt, nahm Pavard gegen RB Leipzig eine herausragende Stellung im Team des FC Bayern ein.

Laut bundesliga.de

…erbrachte Pavard unter den FC-Bayern-Spielern die zweitstäkste Laufleistung mit 11,45 Kilometern. Nur Joshua Kimmich rannte noch mehr (13,11 km).

…zog Pavard die meisten Sprints an (32!) – der Top-Wert der Partie.

…machte Pavard 80 intensive Läufe – Best-Wert unter den FC-Bayern-Spielern.

…gab Pavard die zweitmeisten Flanken ab (4). Nur sein Kollege auf der rechten Außenbahn, Kingsley Coman, flankte noch häufiger (7).

…besaß Pavard die meisten Ballkontakte im Spiel (121) – der Top-Wert unter allen eingesetzten Akteuren.

Laut kicker.de

…kamen 83 der 92 Pässe von Pavard beim Teamkollegen an, was eine Passquote von 90 Prozent bedeutete. Eine bessere Passquote hatten nur Joshua Kimmich, Serge Gnabry (jeweils 96%), Niklas Süle (91%) und Thiago (90%).

…gewann Pavard 75% seiner Zweikämpfe. Eine bessere Zweikampfquote wiesen nur Niklas Süle und Thomas Müller auf (jeweils 100%).

Top-Werte für Pavard

Zunächst ist also festzuhalten: Pavard hatte die meisten Ballkontakte, er war mit der sicherste Passgeber, er war einer der zweikampfstärksten Spieler und er war mit der lauffreudigste Akteur des FC Bayern. Zudem schlug er auch noch die zweitmeisten Flanken und verhinderte einen 1:2-Rückstand mit einer starken Rettungsaktion. Wenn man in wesentlichen Bereichen zu den Klassenbesten gehört, klingt das zunächst mal nach einer Note 1 oder 2. Zur Ehrenrettung für die Fußball-Notengeber sei gesagt: Die meisten der Notengeber können sich die statistischen Daten während des Spiels nicht ansehen oder eben erst deutlich nach Spielende, wenn die Noten redaktionell schon vergeben sein müssen. So bleibt meist nur der Blick auf das Live-Spiel – vor Ort oder im TV.  fussball.news war in der Red-Bull-Arena vor Ort und konnte das Spielgeschehen beobachten. Die Erkenntnisse über Pavard:

Pavard ohne Unsicherheit

In den ersten rund 15 Minuten sah es noch so aus, als ob die Leipziger es bewusst darauf anlegen würden, dass der Ball im Münchner Aufbauspiel zu Pavard gelangt, um ihn zu attackieren. Pavard wurde einige Mal von zwei Leipzigern umstellt, doch ihm unterliefen keine technischen Fehler und er fand stets eine Lösung, sich aus der Umklammerung des Gegners zu befreien. Schon bald bauten die Leipziger im 1. Durchgang deutlich ab und Bayern konnte im Spielaufbau nach Belieben agieren. Auch in dieser Phase ohne Druck suchten die Münchner Pavard als erste Anspielstation. Und: Wurde es in der 1. Halbzeit gefährlich, dann kam Leipzig über die Mitte oder die rechte Angriffsseite durch. Bei Pavard war in der Regel kein Durchkommen. In der Offensive wiederum leitete der Weltmeister die Angriffe über die rechte Bayernseite ein, er suchte den Kontakt mit Kimmich und seinem kongenialen Flügelpartner Kingsley Coman. Dabei lief Pavard regelmäßig die Außenbahn rauf und runter, was unter anderem seinen hohen Laufwert und seine zahlreichen Sprints erklärt.

Leipzig griff eher über rechts an

In der zweiten Halbzeit ließ die gesamte Bayern-Mannschaft nach, doch auch hier fiel auf: Meist kam Leipzig nicht über die linke Angriffsseite zum Zug. Die Gastgeber hatten ihr Angriffsspiel auf die Mitte und die rechte Angriffsseite verlegt. Dazu sei eine weitere Statistik eingefügt: Leipzig startete die meisten Anrgiffe über die rechte Seite, also dort, wo in der Abwehr Lucas Hernandez für die Münchner agierte. Umgekehrt wiederum griffen die Münchner mehrheitlich über ihre rechte Seite die Leipziger an. Pavard ist also definitiv ein Aktivposten des FC Bayern gewesen, es bleibt Interpretationssache, ob das nun eine Note 1 oder 2 sein mag. Eine Schulnote 3 wirkt aber nicht angemessen. Und hier sei die Frage gestellt: Wenn Pavard für so eine starke Leistung eine Schulnote drei erhält – welche Note bekommt er dann, wenn er mal ein bis zwei Fehler begeht?

Fußball-Weltmeister und Bundesliga-Absteiger

In Frankreich gilt Pavard als Nationalheld und zählt zu den beliebtesten Sportlern des Landes. Nahezu jedes Grundschulkind kann das Pavard-Lied singen („On a Benjamin Pavard“), die Begeisterung über seine Leistung bei der WM 2018 und sein sensationelles Tor im WM-Achtelfinale gegen Argentinien haben für Pavard eine nachhaltig positive Stimmung im 66-Millionen-Einwohnerland erzeugt. In Deutschland dagegen besitzt Pavard keine Lobby und kaum Unterstützer. Er muss sich die Anerkennung von Fans und Experten weiter hart erarbeiten – und selbst wenn er eine Partie nahezu ohne Fehler absolviert, ist ihm eine leistungsgerechte Beurteilung (bislang) nicht sicher. So muss Pavard gewarnt sein: In seinem ersten Jahr in München droht ihm ein schweres sportliches Leben.

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About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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