Bundesliga

Warnsignal nach der Niederlage gegen Bern: Diese Fehler benennt Hütter

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Obwohl Eintracht Frankfurt unter Trainer Adi Hütter in der vergangenen Saison von September bis April oftmals begeisternden Fußball gespielt hat, präsentierte sich die Defensive stabil. Doch in den letzten zehn Spielen der Vorsaison stand nur noch zweimal die Null! Im Test gegen Young Boys Bern kassierten die Hessen erneut fünf Gegentore. Wo ist sie hin, die Stabilität?

1:5 hieß es nach 90 Minuten im Testspiel gegen Young Boys Bern, die Frankfurter Eintracht wurde vom Schweizer Meister und Ex-Klub von Trainer Adi Hütter vor allem im zweiten Durchgang gnadenlos ausgekontert. Statt nach einem 0:2-Pausenrückstand eine gesunde Mischung aus Angriff und Verteidigung zu wählen und nicht permanent ins offene Messer zu laufen, ließen die Hessen im Umschaltspiel nach hinten jegliche Bereitschaft vermissen.

Fortsetzung der schwachen Serie

Es war eine Fortsetzung dessen, was sich bereits zum Ende der vergangenen Spielzeit andeutete. 1:3 gegen den FC Augsburg, 1:6 bei Bayer 04 Leverkusen, 1:5 beim FC Bayern München, zwischendrin ein bedenklicher Auftritt beim 0:2 gegen den FSV Mainz 05. Von den letzten zehn Pflichtspielen wurde nur noch das Viertelfinalrückspiel gegen Benfica Lissabon mit 2:0 siegreich gestaltet, auch gab es in der Bundesliga einzig gegen Hertha BSC eine Nullnummer. Doch mit Ausnahme der heroischen Partien gegen Lissabon und den FC Chelsea in der Europa League (1:1/1:1/3:4 n.E.) ging vieles von dem, was das Team lange ausgezeichnet hat, verloren. 10:23 Tore standen im Endspurt auf dem Konto, weshalb das Team noch innerhalb von sechs Wochen von Rang vier auf sieben abrutschte. Bereitet der Test gegen Bern als Anlass zur Sorge?

Richtige Einordnung nötige

Es ist dabei wichtig, die Partie richtig einzuordnen. Bern hat in der Vorbereitung früher losgelegt und ist bereits weiter als eine Eintracht-Mannschaft, die von Hütter kräftig durchgewürfelt wurde. Mit Marc Stendera, Marco Russ oder Tuta standen in der ersten Halbzeit Akteure in der Startelf, die gehen sollen oder aktuell nicht zur ersten Garde zählen. In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel der Hessen anfangs zwar besser, doch spätestens nach dem dritten Gegentor hingen die Köpfe. Das Trainingslager in der Schweiz ist anstrengend und die sehr kurze Vorbereitung – in zwei Wochen startet die Eintracht in der Europa-League-Qualifikation – eine Herausforderung.

Aber: Drei Dinge fallen auf

Aber: Warum wurde der wohl größte Test vor dem ersten Pflichtspiel so leichtfertig vergeben und nicht als Standortbestimmung angenommen? Weshalb fehlt die defensive Stabilität im lange Zeit so gut aufeinander abgestimmten System mit Dreierkette, zwei hochstehenden Flügelspielern und zwei Angreifern? Die Mängelliste ist noch lang, vor allem drei Dinge fallen auf.

Die schwache Passquote erneut ein Problem

„Wir hatten sehr viele einfache Ballverluste“, stellte Hütter nach Abpfiff korrekterweise fest. Bereits in der vergangenen Saison lag hier die große Schwäche der Hessen, 76 Prozent der angekommenen Pässe bedeuteten den 18. Platz (!) in diesem Ranking. Sichttbar wurde dies vor allem dann, wenn Sebastien Haller fehlte. Der Franzose kann lange Bälle festmachen und somit die diesen Mangel kaschieren. Doch sobald spielerische Lösungen gefragt werden, bekommt die Eintracht mit dieser Fehlerquote Problem. Im letzten Drittel rächt es sich dann, wenn dadurch vielversprechende Angriffe versanden oder durch leichte Fehler Räume zum Kontern eröffnet werden.

Spieler gehen nicht an die Grenze

„Kein einziger Spieler ist an seine Leistungsgrenze gekommen“, bemerkte der Coach ebenfalls. Tatsächlich kann insgesamt von einer mannschaftlichen Bankrotterklärung gesprochen werden. Freilich gab es vereinzelte Lichtblicke, wie den sehr engagiert agierenden Daichi Kamada, auch Filip Kostic kann ein Bemühen nicht abgesprochen werden, genausowenig Haller, dem sein erstes Eintracht-Tor erzielenden Dejan Joveljic und Dominik Kohr, der zu einigen beherzten Vorstößen ansetzte. Doch wenn von 21 eingesetzten Akteure nur eine Handvoll genannt werden, dann liegt noch einiges im Argen.

Hütters Spielidee gegen Bern nicht erkennbar

„Wir sind noch weit weg von dem, was ich mir vorstelle“, lautete somit das Fazit von Hütter. Eine bedenkliche Aussage, nachdem der ehemalige Profi in den ersten Tagen der Vorbereitung viel Zuversicht ausstrahlte. Das Team sei konditionell auf einem besseren Zustand als im vergangenen Sommer, wirke frischer und wisse inzwischen, was der Coach erwarte. Davon war zumindest in allen Bereichen gegen Bern nichts zu sehen. Fast immer rannten die Frankfurter hinterher, im Spiel nach vorne fehlten Ideen und Konzept und bei den Gegenstößen des Gegner die Diszplin, die Lücken zu schließen. Zu diesen Kritikpunkten gesellten sich individuelle Unzulänglichkeiten, die einem Mannschaftserfolg im Weg stehen.

Trotzdem gilt: Ruhe bewahren

Es gilt in den kommenden 14 Tagen, die Fehler deutlich zu reduzieren. Möglicherweise könnten weitere Transfers, die Verantwortlichen hoffen auf die Verpflichtung von Martin Hinteregger für die Innenverteidigung und Kevin Trapp für das Tor, dem Gerüst mehr Halt geben. Klar ist aber auch: Hektik und Unruhe sollten nach einer Testspielpleite gegen einen an diesem Tag auch starken Gegner, der sehr effektiv gespielt hat und hinten bei einigen brenzligen Situationen das nötige Glück hatte, nicht aufkommen.

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