Bundesliga

Vom Typ Bernat bis zum Typ Rebic: Diese drei Spielercharaktere fehlen dem FC Bayern!

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Der FC Bayern hat beim VfL Wolfsburg und bei AEK Athen zwei Pflichtsiege eingefahren. Zahlreiche Experten konnten aber dennoch viele Kritikpunkte am Spiel der Münchner ausmachen. Übergeordnet wird deutlich: Der deutsche Rekordmeister leidet unter einem großen Strukturproblem.

Über die (schwindende) Qualität einzelner Spieler beim FC Bayern wurde in den vergangenen Wochen viel geschrieben. Den härtesten Treffer landete wohl Tobias Escher, der zu den führenden Taktikexperten unter den deutschen Journalisten zählt. Er beschrieb für Spiegel Online, warum Verteidiger Mats Hummels höchsten Ansprüchen (derzeit) nicht mehr genügt. Über die (Nicht-)Einkaufspolitik des FC Bayern wurden ebenfalls zahlreiche Analysen verfasst – der Tenor war eindeutig: Ein Klub, der sich zu den Top Drei in Europa zählt, kann nicht nur einen Spieler in der Sommer-Transferperiode (ablösefrei) hinzuholen. Über die verfehlte Rotation von Trainer Niko Kovac existieren auch schon genügend Kommentare. Anschaulich beschrieb der frühere FC-Bayern-Star Paul Breitner zuletzt in Blickpunkt Sport das Problem: Zu viel Rotation nage am Selbstvertrauen der etablierten Profis, eine Mannschaft könne sich nicht einspielen, es fehle in der Folge das „blinde Verständnis“ auf dem Platz und die Spieler würden auf Spielsituationen eher reagieren als agieren. Breitners Empfehlung: maximal zwei Spieler pro Partie tauschen. Es ist aber noch ein übergeordnetes Problem beim FC Bayern auszumachen: Von möglichen Missstimmungen im Kader abgesehen, wirkt die Hierarchie in der Mannschaft nicht ausgefeilt, was mitunter an der fehlenden Bandbreite an Spielertypen im Kader des deutschen Rekordmeisters liegen könnte.

Spielertyp 1: Bernat – der smarte Ergänzungsspieler

Zuletzt stritt sich FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß mit Sky-Reporter Uli Köhler, ob Juan Bernat, der im Sommer nach Paris verkauft wurde, nun dem FC Bayern noch hätte helfen können. Die Qualität von Bernat mag umstritten sein, doch der Spanier füllte eine wichtige Rolle im Team aus. Er konnte mindestens auf vier Positionen eingesetzt werden und akzeptierte seine Rolle als Ergänzungsspieler beim FCB. Er zeigte sich stets smart und mannschaftsdienlich. Der Typ „smarter Ergänzungsspieler“ ist bei den Münchnern, anders als in den Jahren 2012 bis 2016, kaum mehr zu finden. Denn wer von den Stars des FC Bayern nicht zum Einsatz kommt, wirkt bockig – und da zahlreiche Interna an die Öffentlichkeit dringen, scheint es mit der Ära der smarten Ergänzungsspieler vorbei zu sein.

Spielertyp 2: Boateng – der Mittelfeldchef

Viel schlimmer wirkt sich aber ein anderes Problem für die Münchner aus: Sie besitzen keinen Chef im Mittelfeld. Der letzte Mittelfeldakteur, der zielgerichtet für alle Mannschaftsteile strukturierte und effiziente Kommandos allen Akteuren auf dem Platz geben konnte, lautete Xabi Alonso (Karriereende 2017). Zuvor machte das Mittelfeld-Duo Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger die Ansagen im Team. Bei einem Mittelfeldchef geht es nicht nur um seine fußballerischen Fähigkeiten, es geht auch um die emotionale Führung. Nicht jeder Experte hält einen Mittelfeldchef noch für zeitgemäß, Trainer Niko Kovac aber gewiss. Bei seinem Ex-Klub Eintracht Frankfurt betonte er regelmäßig, wie wichtig ihm ein Führungsspieler dieser Qualität sei. So holte er 2017/18 Kevin-Prince Boateng nach Frankfurt – Boateng war quasi der vierte Co-Trainer der Frankfurter, der verlängerte Arm von Kovac auf dem Spielfeld, der emotionale Leader und der geniale Passgeber und Torjäger zugleich im Team der SGE. Bei Bayern München fehlt Kovac noch ein Prince, wenngleich Leon Goretzka alle Qualitäten mitbringen würde, um dieser Rolle bald gerecht zu werden. Doch Kovac selbst, so scheint es, hat sich noch gar nicht auf die Suche nach einem Chef im Mittelfeld begeben.

Spielertyp 3: Rebic – der schnelle Angreifer mit Torgarantie

Und auch in der Offensive hat der FC Bayern ein Problem: Er verfügt über schnelle Angreifer wie Kingsley Coman oder Serge Gnabry – und er besitzt abschlussstarke Stürmer wie Robert Lewandowski. Doch ein pfeilschneller Angreifer mit quasi einer eingebauten Torgarantie – dieser Spielertypus ist in München kaum mehr zu finden, zumal die Routiniers Arjen Robben und Franck Ribery an Tempo, Kondition und Torgefahr im Laufe der Zeit eingebüßt haben. So dürfte Kovac wiederum wehmütig an seinen Frankfurter Spieler Ante Rebic zurückdenken, der weiterhin mit High-Speed die Gegenspieler überläuft und sehr zuverlässig Tore erzielt.

Generell gibt es aber im Profi-Fußball selten unlösbare Probleme. „Smarte Ergänzungsspieler“ kann der FC Bayern in der Winterpause verpflichten, ein Mittelfeldchef muss nur aus dem bereits vorhandenen Spieler-Reservoir auserkoren und gefördert werden – und Ante Rebic selbst könnte bereits zur Saison 2019/20 für eine Summe von unter 50 Millionen Euro verpflichtet werden.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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