Champions League

Vier Gründe für Klopps vermeintlichen „Final-Fluch“

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Jürgen Klopp wird vollkommen zurecht als einer der besten Trainer der Welt erachtet. Am Samstagabend steht er zum zweiten mal in seiner Karriere mit Vereinen im Finale der Champions League, die kaum jemand zu den absoluten Favoriten in der Königsklasse gezählt hätte. Dem 50-Jährigen wird allerdings eine akute Endspiel-Schwäche angedichtet. fussball.news geht der Sache auf den Grund.

Die Zahlen scheinen eine eindeutige Sprache zu sprechen. Aus sieben Endspielen mit Borussia Dortmund und dem FC Liverpool holte der gebürtige Stuttgarter nur einen Titel. 2012 besiegte er mit dem BVB den FC Bayern im DFB-Pokalfinale. Bei den Niederlagen war alles dabei: Elfmeterschießen im Ligapokal 2016 gegen Manchester City, ein später K.O. in der Verlängerung des Pokalfinales 2014 gegen den FC Bayern, eine verdiente Pokal-Pleite gegen den VfL Wolfsburg. Woran liegt das?

Klopps Team ist meist der Underdog

Weder mit dem BVB noch mit den Reds ist Klopp je als eindeutiger Favorit in ein Finale gegangen. Klopps sechs bisherige Finals fanden gegen die Bayern (drei mal), die „Wölfe“, Man City und den FC Sevilla statt. Von Augenhöhe konnte vor den Begegnungen allenfalls bei Wolfsburg und den Andalusiern die Rede sein. Allerdings waren die Niedersachsen 2015 Vize-Meister geworden, während Dortmund mit Ach und Krach die Europa-League-Qualifikation hinbrachte. Sevilla wiederum hatte die Europa League bereits zweimal in Folge gewonnen, als Klopp 2016 mit Liverpool auf sie traf. Im Vakuum war eine Finalniederlage somit jeweils ein durchaus erwartbares Ergebnis.

Viel Pech mit Schiedsrichterentscheidungen

Niemand würde von einem Final-Fluch sprechen, wenn Klopp die Hälfte seiner Finals gewonnen hätte. Das hätte der Fall sein können, wenn seine Teams weniger Pech mit Schiedsrichterentscheidungen gehabt hätten. Beim Finale von Wembley konnte sich Bayerns Franck Ribery glücklich schätzen, nicht bereits nach 26 Minuten wegen eines Schlags gegen Robert Lewandowski vom Platz zu fliegen. Es ist freilich Spekulation, dass Dortmund das Spiel in Überzahl zwingend gewonnen hätte, aber der Franzose hätte zumindest nicht die Vorlage zu Arjen Robbens Siegtreffer in der 89. Minute geben können. Ein Jahr später wurde dem BVB im Pokalfinale gegen die Münchner ein klarer Treffer von Mats Hummels verweigert. Das Spiel verlor Dortmund in der Nachspielzeit.

Fehlende Cleverness

Es wäre gleichwohl zu billig, alles auf externe Faktoren zu schieben. Mit mehr Cleverness seiner Mannschaften wäre Klopps persönliche Titelsammlung deutlich größer. Es gehört nämlich auch zur Geschichte des Champions-League-Finals von 2013, dass Dortmund besonders in der ersten Halbzeit zahlreiche Torgelegenheiten ungenutzt ließ. Im Europa-League-Finale 2016 wiederum implodierte seine Mannschaft nach Halbzeitführung, verlor am Ende verdient mit 1:3. Das gleiche Ergebnis ereilte den BVB in Klopps letzten Spiel, auch gegen Wolfsburg verspielte sein Team eine Führung.

Mangelhaftes Standvermögen

Überhaupt hat der 50-Jährige des Öfteren wichtige Spiele spät verloren. Seine Mannschaften kommen gerade in Finals häufig wie aus der Pistole geschossen auf den Platz, ein Zeichen seiner einzigartigen Motivationsfähigkeiten. Allerdings schaffen sie es oft nicht, das Tempo über 90 oder 120 Minuten zu halten. Die oben genannten Faktoren spielen dabei eine Rolle, klar ist aber auch, dass seine Art, Fußball spielen zu lassen, über eine ganze Saison hinweg sehr kraftraubend ist. Das, was Klopp gerne als „Heavy-Metal-Fußball“ beschreibt, ist die große Stärke seiner Mannschaften. In Finalspielen war es aber vielleicht auch eine große Schwäche. Der Samstagabend in Kiew wird Aufschluss darüber geben, ob auch seine inzwischen recht breit aufgestellte Liverpooler Mannschaft dieses Schicksal teilen wird.

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