Nationalmannschaft

Dortmunds Stadion nicht ausverkauft? 4 Gründe für die Zuschauermisere der Nationalelf

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Die deutsche Nationalmannschaft spielt am Mittwochabend gegen die Auswahl aus Argentinien. Ein Klassiker könnte man meinen, der die Massen bewegt. Doch Fehlanzeige. Bislang wurden nur 41000 Tickets (66099 Fassungsvermögen) für das Spiel in Dortmund verkauft. Doch warum herrscht Zurückhaltung, wenn es um die DFB-Elf geht? Mögliche Ansätze:

1. Die sportliche Misere

Nach dem WM-Dekabel 2018, als die Mannschaft von Joachim Löw bereits in der Vorrunde ausgeschieden war, zögerte der DFB-Coach den Umbruch hinaus. Die Folge war unter anderem der Abstieg mit nur zwei Punkten in vier Spielen aus der UEFA Nations League. Niederlagen gegen die Niederlande (0:3) und Frankreich (1:2) und zwei Unentschieden gegen die gleichen Gegner (0:0 gegen Frankreich, 2:2 gegen die Niederlande) waren am Ende zu wenig, um die Klasse in der Liga A zu halten. Über die Aufstockung der Ligen konnte Deutschland dennoch die Klasse halten, sportlich missfielen die Auftritte aber vielen Fans. In der EM-Qualifikation liegt das Nationalteam aktuell mit zwölf Punkten aus fünf Spielen im Soll, zuletzt setzte es aber eine 2:3-Niederlage gegen die Niederlande, die bei einem Spiel weniger mit den Nordiren und Deutschland (beide punktgleich) gleichziehen könnten.

2. Die teuren Ticketpreise

Eine Nationalelf für alle? Von wegen! Bei Ticketpreisen ab 25 Euro aufwärts für ein Freundschaftsspiel bleiben viele Zuschauer schlichtweg fern. Die teuerste Kategorie kostet für das Spiel gegen Argentinien 100 Euro! Selbst Kinder bis einschließlich sechs Jahren müssen in jeder Kategorie zehn Euro zahlen. In diversen Bundesligastadien erhalten diese freien Eintritt. Zum Vergleich: Die englische Nationalmannschaft spielt Mitte November in der EM-Qualifikation gegen Montenegro im Wembley Stadion. Die Eintrittskarten in der Kategorie 1 kosten dort umgerechnet rund 72 Euro.

3. Die Absagenflut

Auf deutscher Seite muss Jogi Löw aktuell diverse Absagen verkraften. Dem Bundestrainer fehlt faktisch eine komplette Elf. Mit Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Matthias Ginter (Mönchengladbach), Nico Schulz (Borussia Dortmund), Thilo Kehrer (Paris St. Germain) und Jonas Hector (1. FC Köln) eine komplette Defensivreihe. Dazu gesellen sich Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt), Leroy Sane (Manchester City), Leon Goretzka (FC Bayern), Toni Kroos (Real Madrid) und Julian Draxler (Paris St. Germain). Vor allem die Mittelfeldspieler sind allesamt (potenzielle) Leistungsträger. Auch Timo Werner (RB Leipzig) und IIkay Gündogan (Manchester City) drohen gegen die Argentinier auszufallen. Die Folge: Mit Suat Serdar (FC Schalke), Robin Koch (SC Freiburg) und Nadiem Amiri (Bayer Leverkusen) stehen drei neue Spieler vor ihrem Debüt für Deutschland. Zudem wurde auch Sebastian Rudy (TSG Hoffenheim) nachnominiert. Auf der anderen Seite sieht es aber kaum besser aus. Denn bei den Gästen fallen die Superstars Lionel Messi (FC Barcelona) und Angel di Maria (Paris St. Germain) aus. Folglich ist für die Zuschauer auch die Attraktivität der Partie deutlich gesunken.

4. Später Anstoß

In Nordrhein-Westfalen sind zwar erst in der folgenden Woche Schulferien, doch vor allem die späte Anstoßzeit (20:45 Uhr) dürfte es wohl vielen Familien mit Kindern schwermachen ins Stadion zu kommen. Da werden die angebotenen Tickets für Kinder unter sechs Jahren schon fast zu einer Farce. Nationalmannschaft für alle gilt auch hier nicht. Dabei hat der DFB in Sachen Terminierung bei Freundschaftsspielen alles in der eigenen Hand. Einen Grund für die späte Anstoßzeit gibt es folglich nicht, sie sorgt aber dennoch dafür, dass viele dem Spiel wohl fernbleiben werden.

About Benjamin Heinrich

Benjamin Heinrich, Jahrgang 1990, ist Mitglied im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) und zählt seit der Saison 2019/20 zum Autorenteam von fussball.news.

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