Bundesliga

Vertrag bis 2021: Deshalb könnte Hütter bei Eintracht eine Ära prägen

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Adi Hütter hat in rund eineinhalb Jahren bei Eintracht Frankfurt bewiesen, verschiedene Situationen zufriedenstellend auflösen und aus Fehlern lernen zu können. Im Umfeld wird daher die Frage diskutiert: Sollten die Hessen den 2021 auslaufenden Vertrag verlängern? Die Antwort: Ja! Denn der Österreicher hat das Zeug dazu, eine Ära zu prägen.

Die Premier League ist aktuell wohl das A und O im europäischen Fußball: Die Stadien sind voll, der Fußball hochattraktiv, die Spieler Weltklasse und das finanzielle Potenzial riesengroß! Wenn ein Klub aus der englischen Eliteklasse anklopft, dann denken Trainer, Sportdirektoren und Profis genauesten über den nächsten Karriereschritt nach. Doch wird dieser dann auch automatisch vollzogen?

Hütter sagte Bremen ab

Dass Adi Hütter im Sommer 2018 bei Eintracht Frankfurt anheuerte, war auch der Konsequenz des Österreichers rund sieben Monate zuvor zu verdanken. Werder Bremen suchte nach der Entlassung von Alexander Nouri einen neuen Trainer und klopfte bei Young Boys Bern an. Der Topklub aus der Schweiz wollte den FC Basel unbedingt vom Thron verdrängen – und schaffte es im Frühjahr durch den ersten Titelgewinn seit 32 Jahren.

Die Mission war noch nicht beendet

Der ehemalige Profi erklärte einst, dass er Werder im Winter abgesagt habe, „weil es einfach nicht der richtige Zeitpunkt war, weil ich die Arbeit in Bern einfach auch fertigmachen wollte“. Der 50-Jährige bedauerte diese Entscheidung nicht: „Gottseidank habe ich das gemacht, weil Schweizer Meister zu werden als Außenseiter, war schon eine richtig tolle Sache.“ Ob Hütter der Eintracht ohne diesen Triumph zugesagt hätte? Eine eindeutige Antwort wird es darauf nicht geben können.

Eintracht kein Ausbildungsverein a la Salzburg

Sprich: Der ehemalige Profi verlässt einen Verein erst dann, wenn er spürt, dass eine Mission erfüllt ist und er nichts Größeres erreichen kann. So verließ Hütter RB Salzburg nach dem nationalen Doublesieg und einigen festsehenden Abgängen – etwa von Peter Gulacsi oder Stefan Ilsanker nach Leipzig – ganz konsequent und begründete: „Ich sehe mich in Zukunft nicht als Ausbildungstrainer.“ Natürlich, so werden Kritiker einwenden, ist die Eintracht in gewisser Art und Weise ebenfalls ein „Ausbildungsverein“. Der Vergleich hinkt dennoch, die Hessen konnten in den vergangenen unter anderem Ante Rebic oder Filip Kostic trotz attraktiver Angebote halten und Akteure auf dem Niveau von Martin Hinteregger, Kevin Trapp, Sebastian Rode, Andre Silva oder Bas Dost verpflichten.

Kaum attraktive Chef-Sessel in der Bundesliga frei

Welcher Klub lässt dem Trainer diese Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten? In der Bundesliga sitzen die Trainer bei Teams wie Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen oder Leipzig fest im Sattel. Der FC Bayern München – der möglicherweise dauerhaft auf Hans-Dieter Flick setzt – kann sich nach dem bitteren Ende von Niko Kovac einen erneuten Griff nach Frankfurt eher nicht erlauben. Und Borussia Dortmund? Noch ist Lucien Favre da und hat Kontrakt bis 2021. Hier könnte sich möglicherweise ein attraktiver deutscher Klub auf Trainersuche begeben.

Hütter könnte Ära in Frankfurt prägen

Und im Ausland? Hier stellt sich zunächst die Frage, ob der bislang nur im deutschsprachigen Raum trainierende Hütter ein Engagement in England, Frankreich, Italien oder Spanien überhaupt als für sich attraktiv bewertet. Zudem ist die Eintracht nicht mehr mit dem Klub von vor zehn Jahren zu vergleichen, ein Abgang aus der Mainmetropole schmerzt aus vielerlei Hinsicht: Das Umfeld stimmt, der Klub wächst sportlich und infrastrukturell und dennoch kann ein Coach vergleichsweise ruhig arbeiten. Für den gebürtigen, bescheidenen, aber sehr ehrgeizigen und erfolgshungrigen Hütter das optimale Umfeld für eine Ära, die auch über 2021 hinausreichen könnte.

Hütter hat eine starke Reaktion gezeigt

Der Coach hat in seinen rund 18 Monaten bei den Hessen nachgewiesen, welche Qualitäten in ihm schlummern. Er wich kurz nach seiner Ankunft in Frankfurt von der Idee der Viererkette ab und setzte auf das unter Vorgänger Kovac erprobte System mit Dreierkette. Die Akteure fühlten sich wohl und verpassten am Ende nur ganz knapp die Champions League und das Europa-League-Endspiel. Als Hütter nach nur einem Sieg aus zehn Pflichtspielen in der Kritik stand und erstmals von fussball.news nach der 2:4-Niederlage gegen den 1. FC Köln gefragt wurde, ob er sich Gedanken um seinen Job mache, zog er die richtigen Schlüsse. Ihm gelang es in der Vorbereitung in den USA die Viererkette einzustudieren, Kompaktheit herzustellen, Systemflexibilität einzuimpfen – und somit den Boden für zehn Bundesligapunkte, das Weiterkommen im DFB-Pokal und möglicherweise eine langfristige Zukunft in Frankfurt zu legen.

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