Bundesliga

Trotz Goretzka-Transfer: Deshalb sollte Bayern Vidal halten

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Arturo Vidal ist öffentlich beim FC Bayern München seit seiner 2015 vollzogenen Rückkehr in die Bundesliga umstritten. Der Chilene polarisiert mit seinem Auftreten auf dem Feld, die Spielweise ist hart und geht dann und wann über die Grenze hinaus. Zudem führte der 30-Jährige nicht immer ein skandalfreies Leben. Mit dem ablösefreien Wechsel von Leon Goretzka, der den FC Schalke 04 verlässt, läuft dessen Zeit beim deutschen Meister anscheinend ab. Wirklich? 

Ob der Mitarbeiter der Medienabteilung bei einem abgesetzten Tweet wirklich gerne auf Arturo Vidal verlinkt, ist fraglich. Dies liegt natürlich nicht an der Person selbst, sondern an dem – nennen wir es mal an einen Teenager erinnernden – Twitternamen „kingarturo23“. Vor allem ein auf seriös und internationales Renommee achtender Verein wie der FC Bayern München hätte dem im Mai 2013 beigetretenen Südamerikaner zu einem anderen Erkennungsnamen geraten.

Vidals Skandalakte hat ein paar Kapitel

Nebenbei ist der 30-Jährige beileibe kein Kind von Traurigkeit. Alkoholeskapaden, eine Schlägerei vor einem Nachtclub oder eine etwas ausufernde Party bei der Nationalmannschaft: Der Mittelfeldspieler ließ es dann und wann über die Maßen hinaus krachen, seine Vita ist diesbezüglich nicht blütenweiß. Die einen empfinden dieses Verhalten als skandalös und eines Bayern-Profis unwürdig, andere verweisen hingegen auf menschliche Fehler, die passieren könnten. Die Wahrheit liegt hier wohl in der Mitte, eine objektive Einschätzung verbittet sich von dieser Stelle aus.

Starke statistische Werte

Lassen wir daher Zahlen sprechen: Vidal hat in seinen drei Jahren bei den Bayern in 78 Bundesligapartien zwölf Treffer erzielt und 14 vorbereitet. Er war als zumeist defensiv eingesetzter Mittelfeldspieler somit alle drei Begegnungen an einem Treffer beteiligt – ein starker Wert. Insgesamt kommt der Chilene auf 22 Tore und 18 Assists in 121 Pflichtspielen. Die vor drei Jahren investierten 37 Millionen Euro haben sich ausgezahlt für einen Akteur, der eine besondere kämpferische Note ins Spiel bringt und zudem in die gefährlichen Räume stößt. Eine Zweikampfquote von 51 Prozent und eine Passgenauigkeit von 89 Prozent untermauern seine Stärken.

Der „Hitzkopf“, den das Aus gegen Real noch schmerzt

Freilich ist da auch der Hitzkopf Vidal, der etwa im Viertelfinale gegen Real Madrid im vergangenen Jahr durch seinen Platzverweis beim Stand von 2:1 für die Münchener im Bernabeu-Stadion den Anfang vom Ende einleitete. Zudem vergab er im Hinspiel beim Stand von 1:0 (er hatte getroffen) den möglicherweise vorentscheidenden Elfmeter kurz vor dem Pausenpfiff. Vidal wollte die Schuld daher nicht alleine auf sich nehmen, er gab aber im kicker zu: „Mich und uns alle schmerzt dieses Aus gegen Real einfach. Wir waren mindestens gleichwertig, auch in Unterzahl, am Ende hatten wir in der Summe einfach Pech.“

Mental stark und selbstbewusst

Vidal ist allerdings kein Akteur, der sich davon unterkriegen lässt. Im Gegenteil: Er verkraftet Rückschläge, wie auch unter Trainer Jupp Heynckes, als dieser ihn öffentlich ermahnte und zu besserem Training aufforderte: „Das war eine schwierige Phase.“ Er hatte ein gutes Verhältnis zu Vorgänger Carlo Ancelotti, zudem traf ihn das Aus in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Danach aber ging es zügig bergauf bei ihm und schon jetzt ist klar: Die wichtigen Partien wird Heynckes nicht ohne den Kämpfer bestreiten.

Kampfansage an Goretzka

Doch wie geht es nach dem Sommer weiter? Vidal wird sich nicht so einfach aus München verdrängen lassen. Er fühlt sich mit seiner Familie wohl, sein an Diabetes erkrankter Sohn Alonso wird in der bayerischen Landeshauptstadt bestens betreut und der Vertrag läuft noch bis 2019. Dem Transfer von Goretzka begegnet er kämpferisch: „Sie können heute nur sagen, dass Goretzka zu Bayern kommt – aber Sie können nicht sagen, ob, wie und wo er dann spielt.“ Der Nationalspieler bringe zwar eine gewisse Klasse mit, „aber wir müssen das erst mal abwarten.“

Vidal verweist auf seine vergangenen drei Jahre

Vidal hingegen will sich vor allem auf sich selbst konzentrieren und glaubt dabei nicht, dass er sich noch für einen neuen Kontrakt empfehlen müsste: „Ich habe in den vergangenen drei Jahren gezeigt, wer ich bin. Ob ich bleibe oder verlängere, hängt von den Leuten hier im Klub ab.“ Er will in Deutschland, seiner „Wiege“ bleiben und hat ferner eine hohe Identifikation mit dem Verein. Hier sei er gewachsen und zur Weltklasse herangereift. Die Bayern sollten und müssen sich daher gut überlegen, ob sie beim Umbau der Elf bereits auf einen Spieler dieser Klasse verzichten können. Vidal könnte auch potenzielle Konkurrenten verstärken, er ist topfit und noch für mehrere Jahre fähig, auf hohem Niveau zu agieren.

Kann Bayern auf ihn verzichten?

Zudem stellt sich die Frage: Wie fit bleibt Thiago? Und kann Goretzka sofort und ohne Eingewöhnungszeit einschlagen? Welche Ideen verfolgt der neue Trainer, falls es einen geben sollte und Heynckes wirklich aufhört? Mit Vidal wäre eine Kraft da, die Sicherheit und hohe Klasse bietet.

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