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Topeinkäufer Bobic hat die Eintracht-Transferpolitik auf ein neues Niveau gehoben

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Fredi Bobic hat sein Amt als Sportvorstand von Eintracht Frankfurt im Juni 2016 angetreten. Seitdem hat sich der hessische Traditionsverein gewaltig verändert. Nach über 100 Transfersbewegungen in dreieinhalb Jahren lässt sich sagen: in Sachen Neuverpflichtungen und Abgängen hat der Europameister von 1996 auf ein neues Niveau gehoben.

Der erste Transfer der Ära Fredi Bobic? Er sollte nach drei Jahren als Flop ablösefrei zu Greuther Fürth wechseln. Am 15. Juni 2016 unterschrieb der Schwede bei Eintracht Frankfurt und verließ Borussia Mönchengladbach zum Nulltarif. Der Angreifer scheiterte bei den Hessen aber nur deshalb, weil sich der Verein in kürzester Zeit rasant entwickelt hat.

Zehn von 44 Neuzugängen waren Toptransfers

44 Transfers hat Bobic seitdem getätigt und dabei rund 110 Millionen Euro für teils herausragende Neuzugänge investiert. Auf einer Skala von eins (Flop) bis zehn (Top) lassen sich rund die Hälfte im obersten Bereich (7-10) einstufen. Ante Rebic, Sebastien Haller, Luka Jovic, Martin Hinteregger, Kevin Trapp, Sebastian Rode, Kevin-Prince Boateng, Filip Kostic, Marius Wolf und Danny da Costa waren allesamt Verstärkungen auf allerhöchstem Niveau (10).

Wenige Flops bei der Eintracht

So richtig daneben lag Bobic zumeist nur bei den „Low-Budget-Transfers“. Max Besuschkow, Marijan Cavar, Andersson Ordonez (jeweils 1), Danny Blum (2) oder Leihgaben wie Guilermo Varela (2), Shani Tarashaj (2), Allan und „Chico“ Geraldes (je 1) konnten keine Spuren hinterlassen. Doch sobald der Sportvorstand Geld in die Hand nahm, steckte auch etwas dahinter. Chefscout Ben Manga und sein Team haben die Lücken stets füllen und die Umbrüche so meistesärn können. Jesus Vallejo, Omar Mascarell (beide 9), Boateng, Wolf, Rebic, Haller oder Jovic: Jahr für Jahr mussten Schlüsselspieler ersetzt und der Kader trotz Qualitätsverlust verstärkt werden.

Bobic mit Courage und Fantasie unterwegs

Doch Bobic fand Antworten. „In all diesen Transfers steckt sehr viel Vorarbeit. Vor allem braucht es aber ausreichend Phantasie, den Transfer bei dem ein oder anderen Spieler tatsächlich umzusetzen“, sagte der ehemalige Profi in einem Interview mit dem Focus. „Ich meine damit, dass es auch einen gewissen Mut braucht, sich gewisse Transfers vorstellen zu können“, konkretisierte der Sportvorstand. Während sich das Umfeld nach dem Verlust von Stammkräften in – überspitzt gesagt – Trauerstimmung befindet, versucht Bobic die Pläne zu realisieren. Das Ergebnis? Inzwischen kratzt auch die Eintracht bei Neuzugängen regelmäßig an der 10-Millionen-Marke.

Eintracht entwickelt nächste Topstars

Akteure wie Djibril Sow, Dominik Kohr, Bas Dost, Andre Silva oder das zuvor ausgeliehene Trio Trapp, Rode und Hinteregger wären vor vor drei Jahren noch unbezahlbar für die damals so klammen Hessen gewesen. Der Klub musste nach Klassenerhalt in der Relegation erst Überschüsse erzielen, damit überhaupt ein Transfer realisiert werden konnte. Heute klopfen Real Madrid, West Ham United oder der AC Mailand an, um die Topakteure der Eintracht zu locken. Mit Kostic steht der nächste Spieler auf den Listen größerer Klubs, bei gleichbleibender Entwicklung werden auch Goncalo Paciencia, Evan N’Dicka (je 9) und Almamy Toure (noch bei 7) Scouts auf die Tribüne locken.

Nicht jeder Neuzugang zündet sofort

Die Namen Paciencia, Toure oder auch aktuell Kohr zeigen allerdings auch: Geduld ist nötig! Nicht jeder Neuzugang zündet auf Anhieb, teilweise ist auch ein Umweg nötig. Daichi Kamada (inzwischen bei 7) etwa kam im Sommer 2017 aus Japan, fiel bei Kovac durch, wurde in die erste belgische Liga entliehen, wo er überzeugte – und kommt inzwischen regelmäßig in Frankfurt zum Einsatz. Der Vertrag läuft noch bis 2021, sollte eine Verlängerung scheitern, kann Bobic wohl auch hier ein Vielfaches der zu Beginn investierten Summe von 1,5 Millionen Euro erwirtschaften. Auch Akteure wie Lucas Torro (3-4) oder Simon Falette (5), die aktuelle keine Rolle mehr spielen, waren in besonderen Momenten wichtig und werden bei einem Verkauf noch Ablöse einbringen. Eine solche Quote haben nur die wenigsten Bundesligisten vorzuweisen.

Auch bei der Trainerentscheidung gelang ein Volltreffer

Die Werte des Klubs stehen auf dem Feld und steigern sich stetig. Ein weiterer Grund: die Trainerentscheidung! Auf Niko Kovac folgte mit Adi Hütter ein Coach, der zuvor in Österreich und der Schweiz Erfolg hatte. Bobic zeigte auch in dieser Hinsicht Courage und holte einen bis dato in Bundesligakreisen unbekannten Trainer, der das vorhandene System modifizierte und einzelne Spieler verbesserte. Die Frankfurter agieren nun offensiver, dominanter und variabler.

„Wohlfühloase“ inzwischen leistungsfördernd

Darüberhinaus wurde ein Begriff neu ausgelegt: Die familiäre Atmosphäre bei der Eintracht wird stets betont. Was vor Jahren noch als „Wohlfühloase“ negativ interpretiert wurde, ist inzwischen ein leistungsfördernder Erfolgsfaktor. Bei den Transfers wird auch auf „Grüppchenbildung“ geachtet: Ob Serben, Kroaten, Franzosen oder Portugiesen – alle haben mindestens einen Partner, mit dem sie auch in Muttersprache kommunizieren können. Und wenn nicht? Dann hilft Dolmetscher Stephane Gödde. Bobic hat an vielen Schrauben gedreht – der Erfolg der Eintracht gibt dem Sportvorstand, wie auch das Knacken der 200-Millionen-Umsatz-Marke zeigt, recht.

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