Bundesliga

Tischtuch zerschnitten? Da Costa wäre auch fit gegen Union außen vor gewesen

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Aus Frankfurt berichten die fussball.news-Reporter Christopher Michel und Benjamin Heinrich

Eintracht Frankfurt vermeldete kurz vor dem Duell gegen Union Berlin (1:2) den Ausfall von Danny da Costa aufgrund einer Zehenverletzung. Trainer Adi Hütter hätte aber auch im fitten Zustand nicht auf den Rheinländer gesetzt. Finden der Coach und da Costa noch einmal zusammen? Das ist nach aktuellem Stand zumindest fraglich!

„Eintracht-Wackelkandidat statt Nationalmannschaft“ titelte fussball.news Anfang Februar nach dem insgesamt enttäuschenden 1:1 bei Fortuna Düsseldorf. Danny da Costa durfte für Eintracht Frankfurt erstmals im Jahr 2020 von Beginn an ran – und zeigte am 20. Spieltag eine insgesamt unglückliche, verunsicherte Vorstellung. Das Selbstvertrauen der Vorsaison ist komplett weg, aus dem Immer-Spieler ist ein für Adi Hütter verzichtbarer Akteur geworden. Doch woran liegt es, dass der 26-Jährige in der Hierarchie aktuell hinter Almamy Toure und offenbar auch Erik Durm steht?

Hütter gibt zu: Da Costa hätte gegen Berlin auch fit nicht begonnen

Hütter gab nach der Niederlage gegen Union Berlin zu: „Danny hatte Fußprobleme. Da macht es keinen Sinn, dass er auf die Bank geht. Er hätte aber auch nicht von Beginn an gespielt.“ Rumms! Obwohl der Österreicher fünf Veränderungen an der Startelf vornahm, hätte da Costa in den Überlegungen des Trainers keine Rolle gespielt. Dass Hütter dies im Anschluss an die Partie sogar so deutlich machte, ist bezeichnend. Er hätte über eine mögliche Nominierung da Costas auch schweigen können, um diesen bewusst zu schützen.

Durm noch nicht bei Eintracht angekommen

Vorweg: Hütter leistet bei Eintracht Frankfurt seit rund 20 Monaten hervorragende Arbeit und zeigte zuletzt auch, dass er schwierige Situationen meistern kann. Doch die Personalie da Costa ist eine, die vor allem sportliche Fragen aufkommen lässt. Durm zeigte gegen Union erneut, dass er aktuell von der Form, die ihn zum Nationalspieler und WM-Teilnehmer 2014 aufsteigen ließ, weit entfernt ist. Ihm fehlen in seinen Aktionen Courage, Entschlossenheit, Kampfkraft und vor allem der nötige Wille. Mit Ausnahme einer guten Leistung in der ersten DFB-Pokal-Runde bei Waldhof Mannheim (5:3) seit seinem Wechsel zu den Hessen bislang wenig zustande. So richtig angekommen ist der frühere „Klopp-Schüler“ in Frankfurt bis heute nicht.

Abstimmungsprobleme vor dem Gegentor bezeichnend

Bezeichnend für dessen Leistung waren die Abstimmungsprobleme mit David Abraham und Kevin Trapp, die die Köpenicker zum Führungstreffer nutzten. Durm wirkte nicht nur in dieser Situation – in der ihn nicht (!) die Alleinschuld traf – isoliert. Keine riskanten Bälle, mangelhafte Kommunikation, einige technische Mängel und in den letzten Zügen auch die Fähigkeit, sich durchzusetzen und Flanken zu schlagen. Während da Costa in seinen 99 Pflichtspielen für die Hessen bei 24 Scorerpunkten neben seinen Stärken in der Defensive auch seine Offensivqualitäten häufiger bewiesen hat, sind diese bei Durm nur sporadisch zu erkennen. Dennoch konnte er da Costa schon in der Hinserie ab und an auf die Bank verdrängen.

Bei Mbabu-Transfer hätte da Costa wohl schon im Vorjahr schlechte Karten gehabt

Das Verhältnis zwischen da Costa und Frankfurts Coach ist und bleibt ein angespanntes. Bereits im vergangenen Jahr hätte der Pokalsieger von 2018 bei einem Transfer von Hütters Wunschspieler Kevin Mbabu höchstwahrscheinlich deutlich seltener gespielt. Die Kommunikation zwischen den beiden Protagonisten bewegt sich in der Nähe des Null-Punktes. Da Costa hat in diesen Wochen sein Selbstverständnis auf dem Feld verloren und sein feixendes, fröhliches Stimmungsbild gegen eine eher nachdenklich, ruhige Art eingetauscht. Es wundert nicht, dass die Gesamtsituation zu dem fehlerhaften – und zurecht auch kritisiertem Verhalten – in der Mauer vor dem Führungstreffer der Düsseldorfer geführt hat.

Das Selbstverständnis ist abhanden gekommen

Doch die Probleme liegen deutlich tiefer begründet, als in diesem verhältnismäßig kleinerem Patzer. Dass sich ein Spieler einmal in der Mauer wegdreht und den Ball dadurch unhaltbar abfälscht, passiert auch anderen Akteuren. Doch da Costa wird dieser Fehler offenbar übler genommen als anderen Spielern. Das nagt am Selbstvertrauen, weshalb seine Stärken der Vorsaison, als er nach vorne marschierte, auch aus der Tiefe kommend Eins-gegen-Eins-Situationen annahm und den Torabschluss suchte, nicht mehr zum Vorschein kommen. Der Leistungsabfall ist rapide, die Suche nach den Gründen dafür schwierig und gleichsam vielfältig.

Hütter-Lob nur selten

Auffällig war bereits im vergangenen Jahr: Lob für da Costa gab es von Hütter nur sehr spärlich. Auch die Tatsache, dass sich der gelernte Außenverteidiger nicht einfach auf den rechten offensiven Flügel verfrachten ließ und dies im Trainingslager in den USA auch klar ansprach, sorgte nicht für eine Verbesserung des Verhältnisses. Da Costa zählt zu den intelligenten Profis, die über den Tellerrand hinausblicken und eine Meinung auch klar formulieren können. Nicht jeder Mitspieler oder Trainer kommt damit möglicherweise klar.

Da Costa erklärt, warum er sich nicht als Flügelspieler sieht

Was fussball.news bereits andeutete, machte da Costa nun im Interview mit der Frankfurter Rundschau deutlich: „In der Dreierkette bin ich aus der Defensive mit Anlauf gekommen, es war ja nicht so, dass ich mit dem Rücken zum Spielfeld große Aktionen hatte oder aus dem Stand heraus ins Dribbling gegangen bin. Meine Stärken liegen eher in der Defensive, ich bin robust und zweikampfstark. Wenn ich mit Anlauf aus der Tiefe kommen kann, dann kann ich mich auch offensiv immer wieder einschalten.“ Er sieht sich deshalb auch klar als Rechtsverteidiger und die Umstellung auf Viererkette hätte ihm eigentlich zugute kommen können. Bei der 1:2-Niederlage gegen Union Berlin wurde zudem erneut deutlich: Trotz seiner vier Rückrunden-Treffer ist auch Timothy Chandler in dieser Rolle als Flügelspieler nicht die optimale Besetzung. Es fehlen die für diese Position so wichtigen Eigenschaften: Tempo aus dem Stand heraus, Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins und die bedingungslose Suche nach der Grundlinie für Flanken.

Vertrag bis 2022 ist so nur schwer zu erfüllen

Neben dieser Baustelle hat sich nun unnötigerweise eine ganz andere geöffnet. Ob da Costa seinen bis 2022 laufenden Vertrag in Frankfurt erfüllt, ist nach Informationen von fussball.news angesichts der aktuellen Situation nur schwer vorstellbar – obwohl er sich privat sehr wohlfühlt und von seinem Typ her ein Gesicht des Klubs werden könnte. Das Tischtuch zwischen ihm und Hütter ist allerdings so gut wie zerschnitten und wohl nur noch mit einer ganz offenen Aussprache zu kitten. Das so weite und kaum begründete Abrutschen in der internen Hierarchie vom Dauerspieler mit Nationalmannschaftsambitionen zum Rechtsverteidiger Nummer drei entspricht freilich nicht den Ambitionen da Costas.

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