Bundesliga

Stendera: Wochen der Wahrheit im November

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Marc Stendera hat sich in den vergangenen Wochen Schritt für Schritt an die Mannschaft herangekämpft und wurde in der Bundesliga zweimal direkt zum Wiederanpfiff eingewechselt – als defensiver Mittelfeldspieler. Der 22-Jährige überzeugte sowohl gegen Fortuna Düsseldorf (7:1) als auch gegen den VfB Stuttgart (3:0) mit solider Leistung. Doch reicht das für den eigentlich gewünschten langfristigen Verbleib bei den Hessen?

Wenn der Flieger der Frankfurter Eintracht in Richtung Zypern zum vierten Gruppenspiel der Europa Leaguebei Apollon Limassol abhebt, dann könnte vor allem mit Blick auf das zentrale Mittelfeld etwas Platz im Kader vorherrschen. Lucas Torro und Gelson Fernandes trainierten am Montag individuell, ob sie bis Donnerstag tatsächlich fit werden, ist fraglich.

Stendera hat sich in den Vordergrund gespielt

In den vergangenen Wochen ist eine Alternative herangereift, die vor einigen Wochen noch als abgeschrieben galt: Marc Stendera hat seine Einwechslungen genutzt und Akzente gesetzt. Er ist der einzige Akteur aus der Ende August aufgelösten „Trainingsgruppe 2“, der sich offenbar nachhaltig für mehr Einsatzzeiten anbieten und als ernsthafte Alternative herauskristallisieren konnte.

Schwieriger Sommer

Rückblick: Wer Stendera Anfang Juli auf dem Trainingsplatz sah, zeigte sich überrascht. Das Eigengewächs der Hessen, ob seiner „Pummeligkeit“ immer etwas in der Kritik stehend, hatte den Urlaub genutzt, die Ernähung umgestellt, sich fit gehalten und dadurch rund fünf bis sechs Kilogramm abgenommen. Das Eigengewächs, unter Ex-Coach Niko Kovac ohne jegliche Einsatzchance, wollte die Gunst der Stunde nutzen und sich bei Hütter anbieten. Die ersten Gehversuche wirkten vielversprechend, im ersten Trainingslager in den USA sagte er dem hr-sport noch ganz entspannt: „Ich werde einfach Gas geben.“

Aussortiert vor dem zweiten Trainingslager

Stendera konnte Beobachter durchaus von sich überzeugen, dennoch wurde er kurz vor dem zweiten Trainingslager in Gais aussortiert und durfte nicht mitreisen. Es war eine Entscheidung, die offenbar weniger vom Trainer, sondern vielmehr von der sportlichen Leitung getroffen wurde. Nach Informationen von fussball.news soll Trainer Adi Hütter von Stenderas Fähigkeiten durchaus angetan gewesen sein und sich immer wieder nach seinem Zustand erkundigt haben. Dennoch wollten die Frankfurter einen Verkauf erzwingen, schließlich zählt der bis 2020 unter Vertrag stehende gebürtige Kasseler zu den Topverdienern im Kader – er konnte aber vor allem verletzungsbedingt zu selten seine Qualität unter Beweis stellen.

Mainz dementierte ernsthaftes Interesse

Doch ein Engagement bei einem anderen Verein kam nicht zustande. Vor allem zwei Bundesligakonkurrenten und ein englischer Klub sollen Kontakt aufgebaut und sich verstärkt um ihn bemüht haben. Mainz 05 dementierte zwar im August auf Nachfrage von fussball.news ein konkretes Interesse, einen intensiveren Kontakt zu den Rheinhessen gab es aber durchaus.

Was passiert, wenn alle fit sind?

Inzwischen hat sich der Mittelfeldmann zurückgekämpft und steht regelmäßig im Kader. Allerdings stellt sich die Frage: Hilft dies Stendera, der im kommenden Monat seinen 23. Geburstag feiert, tatsächlich weiter? Er ist aktuell fit und schmerzfrei, sein Ziel müsste jedoch mindestens 20 Startelfeinsätze bei einem Klub sein. Ob ihm Hütter diese Einsatzzeiten bieten kann, wenn alle Akteure fit sind?

Knackpunktmonat November

Der November mit vier Pflichtspielen wird daher richtungsweisend! Stendera wird genauesten beobachten und erkennen müssen, ob er reelle Chancen hat, sich weiterzuentwickeln. Gespräche mit der sportlichen Leitung sollen im Dezember folgen, spätestens dann müssen die Karten komplett offen auf den Tisch gelegt werden.

Diese drei Optionen stehen zur Debatte

Option 1: Stendera wird – inzwischen wieder mit einem guten Marktwert ausgestattet – direkt verkauft.

Option 2: Die Eintracht verlängert den Vertrag und leiht ihn für anderthalb Jahre aus.

Option 3: Er hinterlässt bei seinen weiteren Einsätzen einen so nachhaltigen Eindruck, dass Hütter regelmäßig auf ihn setzt. Ein Leihgeschäft für ein halbes Jahr gilt hingegen als keine vorstellbare Option für Stendera, so die Informationen von fussball.news.

Setzt er sich durch – oder kommt im Winter ein neuer Spieler?

Die Eintracht wird genauestens abwägen müssen, wie sie verfährt. Die Leihgeschäfts von Allan Souza und „Chico“ Geraldes – hierbei allerdings verletzungsbedingt – haben die Qualität im Zentrum nicht erhöhen können. Mit Stendera steht ein Akteur im Kader, dem zwar das höchste Tempo wohl fehlt, der dafür aber spielerische Klasse, Passgenauigkeit und Biss in den Ring wirft. Braucht es im Winter tatsächlich einen neuen Mann, über den auf der Stendera-Position offenbar intensiv nachgedacht wird? Oder können sich die SGE-Bosse mit Stendera einigen und damit ein Zeichen setzen mit Blick auf die Förderung von Eigengewächsen? Der November – er wird der entscheidende für Stendera.

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