Bundesliga

Statistik: Warum die Profis von Schalke 04 ein Konditionsproblem aufweisen

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Schalke 04 zählt in Sachen Laufleistung zu den schwächsten Teams der Bundesliga. Warum Trainer Domenico Tedesco diesen Fakt nicht ignorieren sollte:

Es existieren unfassbar viele Statistiken über Fußballteams. Oftmals werden die Daten in Berichten wahllos gemixt, um das Formtief einer Mannschaft vermeintlich tiefgründig aufzuschlüsseln. Wie verhält es sich nun bei Schalke 04? Das Thema Laufleistung wirft einen Schatten auf die vielseits gelobte Trainingsarbeit von S04-Coach Domenico Tedesco: Die Schalker belegen derzeit mit rund 1250 zurückgelegten Kilometern in elf Bundesliga-Partien Rang 16 in dieser Kategorie. Zeigt die schwache Laufleistung, dass die Schalker Profis vom Erfolg aus der vergangenen Saison (Platz zwei) verwöhnt sind und nun nicht mehr alles aus sich herausholen? Oder sollte diese Statistik ignoriert werden, da die Laufleistung eines Teams selten über die Stärken und Schwächen einer Bundesliga-Mannschaft Aufschluss gibt?

Taktikwechsel bei Bayern München

Man blicke dabei nur auf Bayern München, das in den vergangenen Jahren regelmäßig zu den drei schwächsten Teams der Liga in Sachen Laufleistung zählte. Wobei es sich bei Bayern München so verhält: Die Star-Truppe war zumeist in Ballbesitz und ließ die Gegner rennen und rennen und rennen….Unter dem neuen Trainer Niko Kovac hat der FC Bayern aber eine taktische Umstellung vollzogen. Besonders in Auswärtsspielen setzen die Münchner zeitweise auf Rückzug in die eigene Hälfte und Pressing, weshalb sie in dieser Saison Platz neun in der Lauftabelle belegen. Fakt ist: Die Münchner Stars laufen pro Partie über zwei Kilometer mehr als die Spieler vom „Arbeiterklub“ Schalke 04.

„Laufwunder“ SC Freiburg

Der SC Freiburg wiederum gilt als eines der besten deutschen Teams in Sachen Laufleistung. Unter Trainer Christian Streich wird bewusst darauf gesetzt, strategisch viel (und intelligent) zu laufen, um indidviduelle Schwächen gegenüber den Top-Teams auszugleichen. So sind die Freiburger Akteure in dieser Saison bereits über 60 Kilometer mehr als die Schalker gelaufen. Die Breisgauer kommen auf 119,4 Kilometer pro Spiel – die Schalker nur auf 113,7 Kilometer.

Differenz von zwei Kilometer pro Spiel

Weitere Statistiken geben Aufschluss, dass die Schalker wohl ein echtes Fitnessproblem besitzen! In der vergangenen Saison liefen die Königsblauen noch 115,7 Kilometer pro Partie – also genau zwei Kilometer mehr pro Spiel als 2018/19. Ist der deutliche Unterschied zum Beispiel wie beim FC Bayern mit einer taktischen Umstellung von Tedesco zu erklären? Wohl kaum. Die Änderungen von Tedesco liegen eher im Promillebereich – so spielt Schalke häufiger mit einer Vierer- statt Dreier-Kette in der Abwehr. Doch der Spielstil an sich ähnelt stark dem aus der vergangenen Saison. Nur ist die Effizienz in Verteidigung und Angriff nachhaltig verloren gegangen. Zudem hat es Schalke mit Manager Christian Heidel auch verpasst, auf dem Transfermarkt einen Top-Stürmer zu verpflichten. So wäre nun die strategische Steigerung der Laufleistung eine Option, um häufiger der Konkurrenz die Stirn zu bieten. Doch selbst wenn die Schalker mehr laufen wollten, sie scheinen nicht die Kondition dafür zu haben, wie weitere Fakten nahelegen:

Schalke….

  • …lag in dieser Saison sieben Mal in Rückstand – und konnte aus keiner dieser Partien noch einen Punkt retten. Nur Hannover und Düsseldorf errangen ebenfalls nach einem Rückstand bislang keinen Punkt mehr.
  • …stellt mit acht Toren (gemeinsam mit Stuttgart) die schwächste Offensive der Liga. Besonders auffällig aber: Nur Mainz (6) und Stuttgart (6) trafen in der 2. Halbzeit noch seltener als Schalke (7). Dabei gewinnen oftmals in dieser Saison jene Top-Teams eine Partie, die in der 2. Halbzeit das Spieltempo noch verschärfen.
  • …hat in der Bundesliga nach Wolfsburg (25) die meisten Gelben Karten kassiert (24). Auch wenn manche Schiedsrichter-Entscheidung umstritten gewesen sein mag, die hohe Anzahl an Gelben Karten spricht dafür, dass die Schalker Spieler oftmals einen Tick zu spät in den Zweikampf kommen.

Katastrophale 2. Halbzeit in Frankfurt

Sehr deutlich ist das Konditionsproblem der Schalker zuletzt bei der 0:3-Niederlage bei Eintracht Frankfurt geworden. Ab der 61. Minute kassierten die Westfalen alle drei Gegentore, mit einer Laufleistung von 107,06 Kilometer lieferten die Königsblauen die schwächste Laufperformance des 11. Spieltags ab. Das Konditionsproblem der Schalker ist aber kein neues Phänomen in der Bundesliga. Es ist bei vielen Teams festzustellen, die mit der (neuen) Dreifachbelastung aus Liga, DFB-Pokal und Europacup nicht optimal umgehen können. Sei es, weil sie ihren Kader in der Spitze und Breite nicht top aufgestellt haben, sei es, weil sie im Trainingsprogramm keine wesentlichen Änderungen vorgenommen haben. Bei Schalke kommt fataler Weise hinzu, dass Manager Christian Heidel und Trainer Domenico Tedesco in Sachen Dreifachbelastung Rookies sind.

Schalker Mittelmaß?

Schalke, so hat es fussball.news bereits analysiert, wird in dieser Saison nicht absteigen. Aber es gibt der Statistik und Erfahrung nach auch nahezu keine Chance mehr für den S04, sich über die Bundesliga für den Europacup zu qualifizieren. Einzig ein Pokaltriumph könnte helfen. Und ausgerechnet hier hat sich vergangene Saison gezeigt: Man muss in der 2. Halbzeit das Tempo verschärfen. Wenn also „Taktikfreak“ Domenico Tedesco nach Auswegen aus der sportlichen Krise sucht, lautet eine naheliegende Antwort: Die nächsten Wochen sollte vor allem viel Kondition gebolzt werden.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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