Borussia Dortmund

Starker Einstand von Hakimi: Wachablösung rechts hinten beim BVB?

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Borussia Dortmund hat sich am Samstagabend nach einer furiosen Aufholjagd bei Bayer Leverkusen mit einem 4:2-Sieg an die Tabellenspitze der Bundesliga gesetzt. Das Team zeigte dabei 60 Minuten lang eine eher schwache Leistung, fiel zum Ende der Partie aber regelrecht über die Werkself her. Kaum jemand verkörperte den Wandel besser als Achraf Hakimi.

Der Marokkaner stand im zweiten Spiel in Serie in der Startelf. Beim lockeren 7:0 gegen den 1.FC Nürnberg unter der Woche hatte er bei seinem Debüt mit starker Leistung und einem Premieren-Treffer aufhorchen lassen. Gegen die Rheinländer war er vermutlich als Linksverteidiger vorgesehen. Marcel Schmelzer stand nicht im Aufgebot, sollte eine Pause erhalten. Doch am Spieltag fiel Stammrechtsverteidiger Lukasz Piszczek mit einer Muskelverhärtung aus. So blieb Hakimi rechts hinten, wo er gegen die ungleich stärkere Offensivabteilung der Gastgeber seinen ersten Härtetest in Schwarzgelb absolvierte.

60 Minuten Lehrgeld

Die längste Zeit wirkte es, als würde er ihn nicht bestehen können. Beim Führungstor rutschte er weg und ermöglichte Kai Havertz so, den Ball auf Vorlagengeber Lucas Alario zu leiten. Auch sonst wirkte der 19-Jährige nicht immer sattelfest. Nach vorne ging für Hakimi, wie für die gesamte Mannschaft, wenig. Die Erfahrung von Piszczek hätte dem BVB in diesen ersten 60 Minuten wohl gut getan. Doch das Feuerwerk, das das Team von Lucien Favre in der Schlussphase abbrannte, wäre ohne seinen jungen Herausforderer wohl nicht möglich gewesen.

Mit dem BVB erwacht auch Hakimi

Die Leihgabe von Real Madrid setzte im Sturmlauf der Dortmunder immer wieder um Sprint auf der rechten Außenbahn an und sorgte so dafür, dass sich Leverkusens Defensive nicht zu sehr ins Zentrum orientieren konnte. Mit Paco Alcacer hatte Hakimi nun einen potenziellen Abnehmer für Flanken, was ihn zu ermutigen schien. Ein ums andere mal schlug er gefährliche Bälle in die Mitte. Beim Anschlusstor von Jacob Bruun Larsen (65.) sorgte eine solche Flanke auf Kapitän Marco Reus für die eigentliche Torchance. Der Däne staubte nur noch ab. Beim Führungstor durch Alcacer (85.) sammelte der 19-Jährige mit einer herausragenden Flanke einen direkten Assist ein. Es fallen einem auf Anhieb außer Joshua Kimmich nur wenige Rechtsverteidiger in der Bundesliga ein, die regelmäßig solche Bälle spielen können.

Piszczek offensiv kein großer Faktor mehr

Von Lukasz Piszczek haben die Fans des BVB diese Aktionen jedenfalls zuletzt nur noch selten gesehen. Der Pole hat über die Jahre an Athletik massiv eingebüßt und verlegt sich dieser Tage vor allem auf sichere Pässe, wenn er im Offensivvortrag eingebunden wird. Mit Tempo ins letzte Drittel zu jagen, um von dort einen gefährlichen Ball vor das Tor zu bringen, das ist nicht mehr sein Spiel. Mit seiner Erfahrung bleibt er ein wichtiger Faktor, gerade auch in der Kabine. Nicht nur die Anhänger des Klubs, auch Mitspieler und Verantwortliche schätzen den Ex-Nationalspieler wegen seiner jahrelangen Verlässlichkeit. Aber rein sportlich ist die Frage schon nach zwei Einsätzen für Hakimi erlaubt: Deutet sich hier die Wachablösung an?

Schon vorbei am Platzhirsch?

Dagegen spricht, dass Favre den Marokkaner in den ersten Spielen gar nicht von der Kette ließ. Zu große taktische Bedenken, ist im Klub-Umfeld zu hören, seien dafür der Grund gewesen. Der Schweizer mag sich angesichts der ersten 60 Minuten im Spitzenspiel bei Leverkusen bestätigt gefühlt haben. Doch auch ihm wird nicht entgangen sein, was für einen wichtigen offensiven Beitrag Hakimi bereits jetzt zu leisten im Stande ist. Und ganz unerfahren ist der ja auch nicht. Immerhin hat er eine Weltmeisterschaft im Rücken und spielte vergangene Saison immerhin in insgesamt 17 Pfichtspielen für den Champions-League-Sieger. Dass die Leihgabe, die zunächst bis 2020 an Dortmund gebunden ist, sich bei seinem neuen Verein auf Dauer durchsetzen würde, ist deshalb nie eine sonderlich mutige Prognose gewesen. Dass er allerdings schon nach zwei Spielen an Piszczek vorbei gekommen sein könnte, hätten wohl die wenigsten Beobachter vermutet.

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