Borussia Dortmund

Stagniert Pulisic? Das sagen die Zahlen

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Borussia Dortmund hat bisher eine herausragende Saison hingelegt. Die Schwarzgelben sind Tabellenführer in der Bundesliga und der Champions League, haben erst ein Pflichtspiel verloren. Einzelne Akteure scheinen allerdings hinter der Entwicklung der Mannschaft zurückzubleiben. Dazu gehört Christian Pulisic, der in den Augen zahlreicher Anhänger des Klubs stagniert.

Dem US-Amerikaner tut wohl vor allem der Vergleich mit Jadon Sancho nicht gut. Der Engländer ist rund eineinhalb Jahre jünger als Pulisic, steht aber aktuell in der Hackordnung klar vor dem 20-Jährigen. Die Ausnahmestellung des frischgebackenen Nationalspielers verzerrt auch die Erwartungen an seine Mitspieler. Weil es bei Sancho steil bergauf geht, auch Jacob Bruun Larsen einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, scheinen normale Schwankungen bei Pulisic schwerer ins Gewicht zu fallen.

105 Minuten pro Torbeteiligung

Dabei spielt der Flügelspieler rein statistisch seine erfolgreichste Saison für den BVB. Mit drei Toren und vier Vorlagen in allen Wettbewerben ist er im Schnitt etwa alle 105 Minuten an einem Treffer beteiligt. In der Vorsaison waren es noch über 253 Minuten pro Torbeteiligung. Auch in seiner ersten Spielzeit als Stammkraft war der Wert mit knapp 129 Minuten schlechter.  Eingedenk zweier muskulärer Verletzungen, die ihm insgesamt vier mögliche Einsätze nahmen (in denen der BVB insgesamt zehn Tore erzielte) sind die nackten Zahlen von Pulisic durchaus gut.

Umstellungen in seinem Spiel

Ein tieferer Blick auf die Daten zeigt, dass der Nationalspieler sein Spiel unter Neu-Trainer Lucien Favre geringfügig geändert hat. So sammelt er nach Angaben des Statistikanbieters WhoScored.com mehr sogenannte Key Passes als in den Vorjahren. Definiert werden sie als Anspiele, die unmittelbar zu einem Torschuss des Mitspielers führen. Das Portal führt für Pulisic 2,1 Key Passes pro 90 Minuten in der Bundesliga auf. Im Vorjahr waren es 1,2, in der Saison 2016/17 1,5 pro 90 Minuten. Auch die Gesamtzahl seiner Anspiele hat sich im Vergleich zur Vorsaison von 30,9 auf 41,6 pro 90 Minuten in der Bundesliga deutlich erhöht.

Sancho mit vergleichbaren Daten effektiver

Die Entwicklung seines Spiels geht allerdings augenscheinlich zulasten seiner Fähigkeiten im Eins gegen Eins. Zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere gelingen Pulisic weniger als 50 Prozent seiner Dribblings. Zudem verzeichnet er deutlich mehr Ballverluste als zuvor. Auch Sancho gewinnt knapp weniger als die Hälfte seiner Dribblings und verzeichnet vergleichbar viele Ballverluste. Allerdings ist der 18-Jährige nach vorne deutlich auffälliger und effektiver. Er braucht im bisherigen Saisonverlauf weniger als 66 Minuten für eine Torbeteiligung. Da verzeiht die Fanseele das ein oder andere Festrennen am Gegenspieler eher als bei Pulisic.

Fans mit Dollarzeichen in den Augen

Das könnte nicht zuletzt daran liegen, dass der US-Amerikaner seit Jahren als großes Heilsversprechen angepriesen wird. Der Hype um den Jungen aus Pennsylvania kannte zeitweise keine Grenzen, der Klub nutzte seine Popularität im Sommer gar für den Eintritt in den amerikanischen Markt. Dass es sich um einen seit Mitte September 20-Jährigen handelt, bei dem Leistungsschwankungen ganz normal sind, bleibt da bisweilen auf der Strecke. Bei einigen Anhängern geht das soweit, dass sie schon die Dollarzeichen in den Augen haben. Der Vertrag von Pulisic läuft 2020 aus, im Umfeld des BVB rechnen viele mit einem Wechsel in die Premier League.

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