Bundesliga

Spitzengruppe im Visier: Deshalb muss Eintracht die Top 6 angreifen

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Länderspielpausen sind derzeit willkommene Erholungsphasen für die Spieler von Eintracht Frankfurt. Anfang Oktober hat das Team von Trainer Adi Hütter bereits 16 (!) Pflichtspiele absolvieren müssen. Wie lassen sich die Hessen im Vergleich zum Vorjahr einordnen? Der Traditionsklub hat die Spitzengruppe im Blick – und muss die erneute Teilnahme am internationalen Wettbewerb auch als Ziel vorgeben.

Der Start in die Saison war zwar nicht überragend, doch als ordentlich kann dieser durchaus bezeichnet werden. Die erste DFB-Pokalrunde hat Eintracht Frankfurt im Gegensatz zur Vorsaison diesmal erfolgreich bestritten, in der Europa League trennt die Hessen nach Ochsentour in den Qualifikationsrunden aktuell in der Gruppenphase nur das schlechtere Torverhältnis von dem Tabellenzweiten Standard Lüttich und in der Bundesliga konnten bislang elf von 21 Zählern gesammelt werden. Nach dem Unentschieden gegen Werder Bremen (2:2) sagte Adi Hütter: „Bei einem Sieg hätte ich von einem Topstart gesprochen!“ Den gab es zwar nicht. Es lässt sich aber festhalten: insgesamt befindet sich Eintracht Frankfurt auf dem richtigen Weg. Doch wo führt dieser „richtige Weg“ hin? Dazu gleich mehr. Zunächst blicken wir zurück.

So war der Stand vor einem Jahr

Zehn Punkte, ein Torverhältnis von 12:11, in der Europa League mit zwei Siegen Tabellenführer und im DFB-Pokal gegen den SSV Ulm bereits frühzeitig ausgeschieden lautete die Bilanz nach sieben Spieltagen der Saison 2018/19. Das Top-Sturmtrio Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic hatte acht Treffer auf dem Konto – und damit ebenso viele wie aktuell auch Bas Dost, Goncalo Paciencia und Andre Silva. In der oberen Hälfte lagen die Teams ebenfalls eng beieinander, absetzen konnte sich zu dieser Phase damals wie heute noch niemand.

Chancenverwertung ist schwächer geworden

Deutlich nach unten zeigt der Trend aktuell bei der Chancenverwertung. In der vergangenen Saison bedeuteten zwölf von 28 verwerteten Möglichkeiten eine überragende Quote von 42,9 Prozent – die nur noch Borussia Dortmund überbieten könnte. Ein Jahr später stehen bei 44 Chancen nur elf Treffer – 25 Prozent reichen derzeit nur für Rang 13! Sprich: Das Team ist insgesamt jetzt schon eingespielter und weiter, doch es fehlt an Kaltschnäuzigkeit und Effizienz – die große Stärke der „Büffelherde“, wie sie zeitweise genannt wurde. Zudem fehlt in der Offensive noch ein Akteur mit dem Antritt und Verve eines Rebic, das neue Trio Dost, Paciencia und Silva steht nicht für den gelegentlich benötigten Konterfußball. Hier sollte, falls sich im Winter ein Türchen öffnet, ein schnellerer Spieler in den Blick genommen werden.

Aber: Mehr Breite im Kader und ein deutlich erfahrener Hütter

Der Kader der Eintracht hat dennoch an Qualität hinzugewonnen. Mit Dost und Silva kamen zwei hochrangig Angreifer, das Mittelfeld wurde durch Rückkehrer Daichi Kamada und die beiden Neuzugänge Djibril Sow und Dominik Kohr deutlich verstärkt, zudem bietet Erik Durm Rotationsmöglichkeiten auf den Außenbahnen. Bei Almamy Toure ging der Plan, ihn schon im vergangenen Winter vom AS Monaco zu holen und Stück für Stück heranzuführen, auf. Gegen Werder war der Abwehrmann der stärkste Frankfurter, selten zuvor hat ein Innenverteidiger der Hessen so viel Drang nach vorne entwickelt. Hütter ist zudem das zweite Jahr bei den Hessen, seine Idee einem Großteil des Teams daher schon bekannt. Mit geschickten Wechseln und Umstellungen kann der Österreich dafür sorgen, dass am Ende die Puste noch reicht. Nicht zu vergessen: Die neue Planungssicherheit durch die Langzeitverträge der Neuzugänge. Die Eintracht hat eine Basis geschaffen, auf der sich aufbauen lässt.

Top 10 als Ziel – diese Vereinsvorgabe reicht nicht!

Vorstand Axel Hellmann hatte im Sommer das Ziel ausgerufen, die Frankfurter unter den Top 10 der Bundesliga etablieren zu wollen. Doch lässt sich diese Vorgabe angesichts der explosionsartigen Entwicklung noch aufrecht erhalten? In diesem Jahr knackte die Eintracht die 200-Millionen-Umsatzmarke, der Lizenzspieleretat beträgt inzwischen rund 66 Millionen Euro und in der TV-Geld-Tabelle belegt der Klub Rang acht. Kein Verein in der Bundesliga hat sich in den vergangenen drei Jahren so entwickelt, der Fast-Absteiger nimmt in dieser Spielzeit zum zweiten Mal in Folge an der Europa League teil. Wirtschaftsunternehmen, die Fußballverein inzwischen sind, wollen weiter wachsen. Klar ist daher: Ein erneutes Verpassen des internationalen Wettbewerbs wäre ein Rückschlag auf dem angepeilten dauerhaften Weg in die Spitzengruppe. Der Klub befindet sich auf der Überholspur, sowohl national als auch global ist das Interesse am Traditionsverein rasant gewachsen. Umso wichtiger wird es in den kommenden Wochen und Monaten sein, in Duellen gegen Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach Akzente zu setzen und die eigenen Ambitionen zu unterstreichen. Wie groß der Ehrgeiz ist, zeigt sich vor allem an Hütter, der bei Fragen nach der Tabellensituation stets nach oben schaut und nach dem Remis gegen Bremen sagte: „Mit 13 Punkten hätten wir uns den oberen Tabellenplätzen angenähert.“ Es wird das große Ziel sein, diese wieder zu erreichen.

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