Bundesliga

„Habe mich im mentalen Bereich verbessert“: Sow zieht Fazit

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Djibril Sow hat ein für ihn bewegendes erstes Jahr bei Eintracht Frankfurt erlebt. Der Schweizer konnte im Endspurt wieder andeuten, welches Potenzial in ihm schlummert. Sow blickt durchaus zufrieden zurück und sieht vor allem einen Entwicklungsschritt.

Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Es lief die 71. Minute im Duell zwischen dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt, als Djibril Sow seine große Stärke zeigte. Der Schweizer gab den Ball weiter auf die rechten Außenbahn zu Danny da Costa, startete in die Tiefe durch Richtung Grundlinie, brachte das Leder nach Doppelpass scharf rein und fand Bas Dost, der am zweiten Pfosten völlig freistehend nur noch einschieben musste. Es sind Aktionen wie diese, die den 23-Jährigen weiter nach vorne bringen und ihn Selbstvertrauen tanken lassen. „Wenn man spielt, dann will man der Mannschaft natürlich helfen und ich bin froh, dass ich das auch mit dieser Vorlage tun konnte“, sagte Sow gegenüber fussball.news.

Hütter lobt starken Auftritt von Sow

Es wirkte wie eine Erlösung für den Nationalspieler, der nach dem Re-Start in Köln zum dritten Mal in der Startelf stand. Trainer Adi Hütter fand lobende Worte für seinen Schützling: „Djibril ist ein sehr guter Spieler, der gute Leistungen gezeigt hat. Er musste viel Kritik einstecken, aber das Tor von Bas Dost hat er ideal vorbereitet. Ich freue mich für ihn, er hat seine Aufstellung verdient gehabt.“

Rückschlag im Sommer mit schwerer Verletzung

Möglicherweise hätte Sow noch häufiger an seine Leistungsgrenze kommen können, doch kurz nach seiner Ankunft im vergangenen Sommer für den Sockelbetrag von rund neun Millionen Euro von Young Boys Bern verletzte er sich zunächst schwer und fiel wegen eines Sehneneinrisses wochenlang aus. Es war ein Schock für Hütter, der ihn als Schlüsselspieler für sein System eingeplant hatte. Und es war ein Rückschlag für Sow, dem eben diese elementar wichtige Vorbereitung fehlte. „Ich bin einer, der auf dem Platz gerne die Sau rauslässt, sehr dynamisch agiert und der Mannschaft über eine große Laufbereitschaft helfen möchte“, stellte sich Sow nach dem Wechsel vor. Dafür benötigt es vollständige Fitness, Vertauen in den eigenen Körper und komplette Bindung zur Mannschaft – eben das, was in den Wochen vor einer Spielzeit aufgebaut wird. Und exakt diese Komponenten von Sow sind es, die Hütter schätzt und benötigt für seinen auf Tempo, Wucht und schnelles, schnörkelloses Umschaltspiel angelegten Stil.

Sow zählt zu den laufstärksten Spielern der Bundesliga

Doch Sow, der neben einem Treffer noch fünf Vorlagen in 39 Pflichtspielen beisteuern konnte, holte die körperlichen Rückstände weitestgehend auf und überzeugte mit seiner Laufleistung, durchschnittlich 12,4 Kilometer bedeuten Top 5 in der Bundesliga. Auch die Passquote ist mit knapp 85 Prozent ordentlich, dafür herrscht bei einer Zweikampfquote von 49,3 Prozent weiter Luft nach oben. Dennoch waren er und Sebastian Rode nach der Winterpause, als Hütter im Trainingslager in den USA das System auf Viererkette umstellte, mit ihrem Fleiß und unermüdlichen Einsatz wichtig dafür, dass Kompaktheit hergestellt wurde und sieben Punkte aus den ersten drei Partien des Jahres 2020 geholt werden konnten. Zwischenzeitlich aber schien Sow in gewisser Weise dann doch die Puste etwas auszugehen, erst gegen Hertha BSC (4:1) und Köln zeigte er sich in der vergangenen Woche wieder formverbessert.

„Werde das Jahr für mich analysieren“

Obwohl ihm noch die Konstanz fehlte, blickt Sow insgesamt zufrieden auf sein erstes richtiges Jahr (von 2015 bis 2017 drei Einsätze für Borussia Mönchengladbach) in der Bundesliga zurück: „Ich stand 18mal in der Startelf – das ist positiv.“ Eine endgültige Einordnung will er in der kurzen Sommerpause, die mit der Fortsetzung der Europa League Anfang August beendet wird, vornehmen: „Nach der Saison werde ich das Jahr für mich analysieren. Ich denke, dass ich mich in diesem Jahr im mentalen Bereich entwickeln konnte.“ Vor allem gegen Köln wurde dies deutlich, als Sow auch nach Fehlern nicht den Kopf hängen ließ, mutig blieb und sich mit dem Assist zum Punktgewinn belohnte.

Sow fühlt sich sehr wohl in der „sehr familiären Mannschaft“

Sollte sich der am liebsten auf der Achterposition agierende Sow in diesem psychischen Bereich weiterentwickeln, noch stabiler und selbstbewusster werden, dann könnte im zweiten Jahr bei der Eintracht der endgültige Durchbruch folgen. Am Umfeld jedenfalls wird es nicht scheitern: „Ich fühle mich sehr wohl hier, weil wir eine sehr familiäre Mannschaft haben und uns alle untereinander sehr gut verstehen. Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden und schätze die Professionalität des Vereins. Das gilt auch für die Stadt.“

Gute Atmosphäre, aber keine „Wohlfühloase“

Es ist diese Atmosphäre, die angenehm, aber nicht mehr vergleichbar mit der früher harsch kritisierten „Wohlfühloase“ ist. Doch Werte wie Zusammenhalt, Integration und Teamgeist werden bei den Hessen groß geschrieben und gelebt. Sow lobte dies: „In Frankfurt ist mir sehr viel menschliche Wärme begegnet.“

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