Bundesliga

Skifahren statt Trainingslager? Bayern-Boss Hainer reist nicht mit nach Katar

on

Herbert Hainer ist seit wenigen Wochen Präsident des FC Bayern. Auf einen „Antrittsbesuch“ in Doha verzichtet er.

Anfang Januar reist der FC Bayern erneut ins Trainingslager nach Doha. Der Event gilt weiter als umstritten. Während die Münchner Führung betont, dass sich die Menschenrechtslage und damit auch die Arbeitsbedingungen in Katar über die Jahre „nachweislich“ verbessert haben, halten Kritiker und zum Teil auch die eigenen Fans entgegen, dass der WM-Gastgeber von 2022 noch weit von demokratischen und humanen Standards entfernt liegt und es deshalb nicht „Bayern-like“ sei, mit Katar Geschäfte zu tätigen beziehungsweise mit einem Trainingslager in Doha das Regime indirekt aufzuwerten.

„Da müssen die hin, die Fußballspielen können“ 

Der neue Präsident des FC Bayern, Herbert Hainer, scheint sich dieser Debatte entziehen zu wollen. In der Abendzeitung verriet er en passent, dass er nicht mit der Mannschaft nach Doha reise. Auf die sinngemäße Frage, ob er in den Weihnachtsferien noch Skifahren gehe, antwortete Hainer: „Das machen wir nicht mehr während der Weihnachtszeit. Das haben wir früher gemacht, als die Kinder schulpflichtig waren. Aber heute kann ich mir den Luxus erlauben, erst nach Heilig Drei König Skifahren zu gehen, weil ich nicht mehr mit den Schulferien planen muss.“ Der Reporter hakte nach: „Sie fahren nicht mit ins Trainingslager des FC Bayern nach Doha?“ Hainer erwiderte: „Nein. Da müssen die hin, die Fußballspielen können.“ Nochmalige Nachfrage: „Keine Lust, den Spielern beim Training zuzuschauen?“ Hainer betonte: „Ich sehe die ja von meinem Büro aus, da muss ich nicht extra nach Doha fliegen.“

Was Hainer in Katar bewirken könnte

Man darf davon ausgehen, dass Hainer, ehemaliger Chef des Adidas-Konzerns, sich der heiklen Thematik um das Trainingslager in Katar bewusst ist. In seiner Antrittsrede als Klubchef hatte Hainer betont, er wolle das soziale Engagement des FC Bayern ausweiten. Von einem neuen Präsidenten, der einen der größten Fußballvereine der Welt anführt, kann man erwarten, dass er bei einem wichtigen Geschäftspartner auch persönlich vorstellig wird, zumal ihm die Profi-Abteilung der FC-Bayern-Frauen untersteht, welche demnächst ebenfalls ein Trainingsalager in Katar abhält. Hainer besitzt zudem mit seiner diplomatischen und rhetorischen Erfahrung beste Voraussetzungen, um direkt in Katar die Menschenrechtslage anzuprangern.

Offenbar hat sich der Bayern-Boss, was sein gutes Recht ist, eine andere Strategie zurechtgelegt. Um offenbar nicht in ein polarisierendes Thema hineinzugeraten und sich als neuer Klubchef gleich zwischen den Fronten aufreiben zu müssen, schiebt er zeitgleich ein scheinbar gewöhnliches Thema nach vorne: Freizeit und Ski-Fahren. Ob dieses Verhalten „Bayern-like“ ist?

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.