Bundesliga

Schwerste Rückrunde seit acht Jahren? Die Revanche-Gelüste der Bayern-Gegner

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In Zeiten von Pep Guardiola lief alles fast schon mechanisch ab: Der FC Bayern war in jeder Bundesligapartie sich schon im Vorfeld des Sieges sicher, während die Gegner scheinbar klaglos meist eine hohe Niederlage in Kauf nahmen. Doch spätestens in der Saison 2019/20 wirkt vieles anders.

Die Münchner wollen in der Rückrunde ihren Rückstand von vier Zählern auf Tabellenführer RB Leipzig gutmachen. Allerdings sehen zahlreiche Gegner die Schwächen des FC Bayern und rechnen sich in den Duellen mit dem deutschen Rekordmeister Punktgewinne aus. Vielmehr noch: In dieser Rückrunde dürfte die emotionale Komponente eine große Bedeutung erlangen. Denn bei vielen Teams und Protagonisten dürfte sich die Hoffnung auf Punkte gegen den FC Bayern mit innerlichen Revanchegelüste mixen – für die Bayern die wohl größte Herausforderung der letzten acht Jahre. Denn letztmals verloren sie das Titelrennen 2012, als sie gegenüber Borussia Dortmund in der Rückrunde elf Zähler(!) weniger holten.

Gibt es Genugtuung für Klinsmann?

Die erste Herausforderung 2020 wartet bereits am Sonntag auf den FC Bayern: Hertha BSC Berlin unter Führung von Ex-Coach Jürgen Klinsmann. Der frühere Bundestrainer machte durchaus schwere Fehler als Trainer des FC Bayern in der Saison 2008/09, dennoch war der Umgang der Vereinsführung, der Führungsspieler und der lokalen Medien mit Klinsmann fragwürdig. Teilweise wurde Klinsmann verspottet und übergangen, im April 2009 folgte die Entlassung – und Manager Uli Hoeneß und Führungsspieler Philipp Lahm traten gegen den Ex-Coach trotzdem noch öffentlich nach. Man darf vermuten, dass es für Klinsmann eine große Genugtuung darstellen würde, wenn er nun mit einem Sieg gegen die Münchner den Meisterschaftskampf vorzeitig für den FC Bayern beenden könnte.

Glückt Werner ein Treffer in München?

Klinsmann ist allerdings nicht der einzige Protagonist, der mit den Bayern noch eine Rechnung offen hat. Vier Spieltage später reist RB Leipzig nach München. Deren Top-Spieler Timo Werner wurde vom FC Bayern zunächst fast schon zu einem Wechsel nach München überredet, dann aber eiskalt fallen gelassen – und nun wurde ihm gerade öffentlich nochmal eine Demütigung verpasst. Tenor: Werner passe nicht ins Bayern-System. Was das übersetzt bedeutet? Einer der besten deutschen Spieler ist angeblich nicht flexibel genug, um sich an neue Gegebenheiten in einem Top-Klub anzupassen. Könnte es eine größere Motivation für Timo Werner geben, als die Müncher mit Toren aus dem Meisterrennen zu kicken?

Bayern reist am 28. Spieltag nach Dortmund

Revanchegelüste dürfte auch Borussia Dortmund besitzen. Zuletzt musste der BVB zwei Mal eine Klatsche in München hinnehmen und verspielte vergangene Saison neun Punkte Vorsprung auf den FC Bayern – die Meisterschaft ging erneut nach München. Am 28. Spieltag empfängt Borussia Dortmund den FC Bayern im heimischen Signal-Iduna-Park. Mit dem neuen Mittelstürmer Erling Haaland und dem Ex-Bayern-Profi Mats Hummels erwartet den Titelverteidiger eine weitere große Herausforderung.

Zahlreiche Hürden meistern

Nicht zu vergessen: Der FC Bayern hat in der Hinrunde zuletzt knappe, glückliche Siege gegen defensiv stabil stehende Teams wie den SC Freiburg und VfL Wolfsburg eingefahren. Auch diese beiden Kontrahenten werden in der Rückrunde auf Revanche sinnen – und anders als in den Jahren zuvor, scheinen sich die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga angeglichen zu haben. Der FC Bayern muss deshalb nicht nur qualitativ zurück zu seiner alten Stärke  finden, auch emotional wird es zahlreiche Hürden zu meistern geben.

About Daniel Michel

Daniel Michel gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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