Bundesliga

Schweglers Generalabrechnung nach Debakel

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Aus Frankfurter berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Frust pur bei Hannover 96 nach der 1:4-Auswärtsniederlage gegen Eintracht Frankfurt. Pirmin Schwegler nahm nach dem Schlusspfiff kein Blatt vor den Mund und sprach alle Defizite schonungslos vor den Journalisten an.

Reporter: „Pirmin Schwegler, das war ein gebrauchter Tag. Woran lag es?“
Schwegler: „Natürlich haben wir uns viel vorgenommen. Vielleicht verkrampft man dann. Wir haben davor natürlich angesprochen, dass wir nicht verkrampfen wollen. Generell haben wir viel gesprochen, aber davon konnten wir vieles nicht umsetzen. Das ist eine schwierige Situation und das Ergebnis ist natürlich sehr enttäuschend.“

Reporter: „Die Mannschaft hat sich nach den ersten beiden Spielen gelobt. Seitdem kam kein Punkt mehr dazu. Hat sich das Team überschätzt?“
Schwegler: „Ich glaube nicht. Richtig ist, dass wir eine Leistungskrise haben. Am Anfang war es eine Ergebniskrise, dann kommt irgendwann auch der mentale Aspekt dazu. Man sollte aber keinem den Kopf abreißen. Natürlich ist es momentan viel Stückwerk, das summiert sich dann. Die Situation ist eine, die keiner von uns haben wollte!“

Reporter: „Sie sagen, dass man keinem den „Kopf abreißen“ sollte. Warum nicht? Häufig wird in einer Krise so reagiert.“
Schwegler: „Wir haben schon viel angesprochen und wenn man die Jungs sieht – da will jeder. Da ist keiner, an dem die Situation spurlos vorbeigeht, aber der Rucksack ist schwer. Man versucht zu unterstützen, aber es fehlt immer etwas. Es ist eine schwierige Situation, aber man darf jetzt nicht einzelnen Spielern den Kopf abreißen. Der einzige richtige Weg ist, wenn wir als Mannschaft rauskommen und nicht auf Spielern herumhacken.“

Reporter: „Im Spiel nach vorne lief kaum etwas zusammen, es fehlte an Struktur. Merkt man frühzeitig, dass nichts geht?“
Schwegler: „Das fand ich anfangs überhaupt nicht. Ich will der Eintracht nicht zu nahe treten, aber sie hat kein Feuerwerk abgebrannt. Die Tore kamen dann aber zu einfach. Das ist fatal in der Situation, Du versuchst gut zu stehen und kriegst so einfache Gegentore. Danach musst du noch mehr aufwenden, das kostet enorm Energie.“

Reporter: „Die Grundausrichtung war sehr defensiv. War das zu ängstlich?“
Schwegler: „Im Nachhinein lässt sich das einfach sagen, wenn es in die Hose ging. Wir haben in der Formation auch schon tolle Spiele absolviert im letzten Jahr, daran würde ich es definitiv nicht festmachen. Nicht immer ist das System entscheidend. Es geht darum, wie man die Aufgaben ausfüllt und wie gut die Spieler drauf sind.“

Reporter: „Diese Leichtigkeit der ersten beiden Spiele – wo ist die hin?“
Schwegler: „Die Englische Woche war alles anderes als zufriedenstellend. Es war eine beschissene Woche. Jeder, der in der Situation ist, kennt es: Dann versucht man, noch mehr zu investieren, die Beine werden schwer und die Spiele hart. Ich habe solche Situationen schon häufiger erlebt und was nicht hilft, ist es, die Schuld dann beim Einzelnen zu suchen. Jeder muss erst vor der eigenen Haustür kehren. Ich suche nach meinen Fehlern und stecke in der Verantwortung. Dem werde auch ich derzeit nicht gerecht, wenn es nicht läuft. Wir werden uns dem Schicksal aber nicht ergeben.“

Reporter: „Ein Lichtblick war Florent Muslija. Was sagen Sie zu seinem Tor?“
Schwegler: „Das hat er sich verdient! Er kam gut an in seinen ersten Tage und hat sich den Einsatz mit Trainingsleistungen verdient. Ich freue mich für den Jungen, das brauchen wir für die nächsten Wochen, dann werden wir uns verbessern.“

Reporter: „Schauen Sie auf die Tabelle?“
Schwegler: „Das ist momentan sekundär, aber es sagt auch etwas aus. Wir haben vieles nicht richtig gemacht und müssen einen gemeinsamen Weg aus der Krise finden.“

Reporter: „Wie haben Sie die Unterstützung der Fans wahrgenommen?“
Schwegler: „Das war in Ordnung. Man kann verstehen, dass sie enttäuscht waren. Ich hoffe, dass wir die  Unterstützung weiter bekommen, das haben unsere Jungs verdient, keiner will etwas Böses. Wir brauchen einen Befreiungsschlag und den werden wir suchen und hoffentlich finden.“

Reporter: „Was ist diese Woche vor dem Stuttgartspiel wichtig?
Schwegler: „Wir haben von ihrem Spiel ein paar Szenen gesehen: Es muss nicht immer schön sein, manchmal langt es auch dreckig. Der Befreiungsschlag wird kommen und er wird dann umso schöner sein. Wir werden alles investieren, das werde ich versprechen.“

Reporter: „Die Rückkehr nach Frankfurt für Sie persönlich immer mit Emotionen verbunden. Wie war es diesmal – unabhängig vom Ergebnis?“
Schwegler: „Das rückt natürlich in den Hintergrund, die Enttäuschung und der Frust sind riesig. Es war aber eine besondere Zeit und ich habe dort besondere Menschen kennengelernt. Deshalb ist es immer wieder schön, herzukommen – aber natürlich nicht mit dem Ergebnis am Ende.“

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