Bundesliga

Schur von N’Dicka „tief beeindruckt“

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Evan N’Dicka hat seine tolle Entwicklung bei Eintracht Frankfurt auch gegen den VfB Stuttgart (3:0) bestätigt. Der Innenverteidiger räumte stark ab und schaffte erstmals den Sprung in die Elf des Tages des kicker. Eintracht-Legende Alexander Schur fand in kleiner Runde am Rande Trainings am Montag unter anderem gegenüber fussball.news lobende Worte für den 19-Jährigen.

Als sich Carlos Salcedo am zweiten Spieltag gegen Werder Bremen (1:2) schwer verletzte und schnell klar wurde, dass er monatelang ausfallen würde, wurde Evan N’Dicka nach elf Minuten eingewechselt. Gleich vorweg: Es waren die bislang einzigen Bundesligaminuten, die er in dieser Spielzeit verpasste. Simon Falette trainierte zu diesem Zeitpunkt noch gesondert und Marco Russ hatte musste sich unter Trainer Adi Hütter erst rankämpfen. „Evan ist da etwas reingerutscht und wurde in einer neu formierten Mannschaft ins kalte Wasser geworfen“, stellte Alexander Schur fest.

Knackpunktpartie gegen Dortmund

Doch der Franzose, der in der Woche zuvor schon den angeschlagenen Kapitän David Abraham sehr solide gegen den SC Freiburg (2:0) vertrat, nutzte die Gunst der Stunde und ließ sich nicht mehr verdrängen. Dabei gab es einen Knackpunkt: Die Partie bei Borussia Dortmund (1:3). Der so gelassen auftretende und cool wirkende N’Dicka zahlte im ausverkauften Signal-Iduna-Park vor über 80.000 Zuschauern Lehrgeld, er war in einer insgesamt schwach auftretenden Mannschaft ein Unsicherheitsfaktor. Hütter sagte später, dass er mit diesem Auftritt nicht einverstanden war und Redebedarf bestanden habe.

Erfahrung von Hasebe und Abraham hilfreich

Drei Faktoren haben dann für einen Umschwung gesorgt. N’Dicka ist fleissig, er hat die Analysen genauestens verfolgt und seine Schlüsse daraus gezogen. Noch wichtiger aber war die taktische Umstellung von Vierer- auf Dreierkette. Mit Makoto Hasebe im Rücken gewann der Linksfuß an Sicherheit und Orientierung auf dem Feld. Hasebe und Abraham sind es, die ihn führen, lenken und ihm Ratschläge mitgeben: „Sie haben immer einen Tipp und sagen mir, wie ich mich positionieren soll.“ Er lerne viel von ihnen und versuche umzusetzen, was sie ihm schon im Training erklären. Und dann war da noch der Führungstreffer im „Schlüsselspiel“ gegen Hannover 96 (4:1), der einem Befreiungsschlag gleichkam – sowohl einem persönlichen, als auch einem mannschaftlichen.

Schur beeindruckt von N’Dicka

„Er strahlt Souveränität und keine Nervosität aus. Das beeindruckt mich“, lobte Schur das stabile Auftreten N’Dickas. Der ehemalige Profi, der sich spätestens mit seinem Treffer zum 6:3 im Aufstiegsendspiel gegen den SSV Reutlingen in die Herzen der Fans köpfte, warnte allerdings: „Es ist bei so jungen Spielern oft normal, dass es anfangs bergauf geht. Spannend wird es bei Wellenbewegungen. Wie kommt er dann aus dem Tief raus?“ Derzeit agiere N’Dicka noch mit einer gesunden „Naivität und Leidenschaft. Aber irgendwann ist das alles Alltag“, erklärte Schur.

Hohes Tempo im Training

Doch aktuell scheinen er und die Mitspieler weit entfernt zu sein vor einem Einbruch. Hütter hat auch bei der vormittäglichen Trainingseinheit am Montag – mit 17 Feldspielern und vier Torhütern, während Lucas Torro, Marco Russ, Deji Beyreuther, Simon Falette und Gelson Fernandes individuell übten – eine hochmotiviert und konzentriert arbeitende Mannschaft vorgefunden: Einer kurzen und knackigen Koordinations- und Sprinteinheit folgten Spielformen – kurze, präzise Passstaffetten, Doppelpässe – und das in höchstem Tempo. Es war zu spüren, dass alle vor Selbstvertrauen aufgrund der aktuellen Serie mit 19 von 21 möglichen Zählern aus den vergangenen sieben Pflichtspielen strotzen. Beim Abschlussspiel auf engstem Raum musste das Torhüterquartett Kevin Trapp, Frederik Rönnow, Jan Zimmermann und Felix Wiedwald daher auch häufig hinter sich greifen.

Handschrift von Hütter wird immer besser erkennbar

Die Handschrift von Hütter wird dabei immer deutlicher erkennbar. Er baut das von Ex-Coach Niko Kovac auf sicheres (vor allem Defensiv stabiles) Fundament gebrachte „Eintracht-Haus“ weiter aus und fördert einzelne Spieler, wie etwa N’Dicka. „Es tut Hütter gut, dass er diese Potenzial erkennt und die Entwicklung begleitet“, sagte Schur weiter. Ein Ende ist noch nicht in Sicht, der trotz aller Lobeshymnen sehr bescheiden auftretende N’Dicka will die nächsten Schritte gehen: „Meine Fortschritte erarbeite ich mir Training und versuche es dann im Spiel auf den Platz zu bringen. Jedes Spiel hilft mir, mich weiterzuentwickeln.“ Dabei stehen vor allem noch der immer besser werdende Offensivpass und das Zweikampfverhalten (51 Prozent der Duelle gewonnen/Ligaschnitt für Innenverteidiger liegt bei 57 Prozent) im Blickpunkt.

Nationalmannschaft ein Thema?

Ob er dann auch in Zukunft den Sprung von der U20- in die A-Nationalmannschaft anstrebe? „Alles zu seiner Zeit“, wollte er sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Sollte es eine Nominierung geben, „dann werde ich auch dort versuchen, meinen Job zu machen. Aber das ist Zukunftsmusik, ich werde alles auf mich zukommen lassen.“

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