2. Bundesliga

Roundup: 96 und VfB mit Punkteteilung, HSV kann nicht mehr siegen, Bielefeld-Serie reißt

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Es war ein Aufeinandertreffen der Spitzenklubs des deutschen Unterhauses: fünf der obersten sieben Plätze gaben sich zeitgleich die Ehre. Der Samstag des 18. Zweitliga-Spieltags im Überblick.

Im Duell der Bundesliga-Absteiger trafen zwei enttäuschende Mannschaften aufeinander. Gastgeber Hannover 96 schien sich nach zuletzt zwei Siegen infolge unter Neu-Coach Kenan Kocak stabilisiert zu haben, verlor am letzten Spieltag jedoch gegen den VfL Bochum (1:2) und blieb somit im letzten Tabellendrittel. Auch der VfB Stuttgart konnte seine Fans mit zuletzt zehn Punkten aus den letzten sieben Partien nicht begeistern, doch mit einem Sieg war der Sprung auf Rang zwei möglich.

In der 5. Spielminute setzte Hannover das erste Ausrufezeichen der Partie: Marvin Ducksch bekam nach einem gut vorgetragenen die Chance auf den Abschluss im Strafraum, setzte den Ball aus wenigen Metern Torentfernung aber deutlich vorbei. Nur sieben Minuten später bekamen die 96er die nächste Gelegenheit und dieses Mal nutzte Ducksch sie. Stuttgarts Wataru Endo verlor den Ball am eigenen Sechzehner, Linton Maina nahm Fahrt auf und hatet im Strafraum die Übersicht für Ducksch, der mit links präzise ins lange Eck trifft – die verdiente 1:0-Führung, da sich der Treffer angebahnt hatte und die VfB-Abwehr einmal mehr nicht sattelfest wirkte. Die Niedersachsen ließen das Spiel im Anschluss jedoch etwas schleifen, sodass die Schwaben besser in die Partie kamen. Eine Druckphase konnte der VfB allerdings nicht entwickeln, zu unpräzise wurden die eigenen Angriffe vorgetragen. Einzig bei Hannoveraner Vorstößen wurde es gefährlich. Aufgrund deutlich besserer Zweikampf- und Torschuss-Werte gingen die 96er absolut verdient mit 1:0 in die Halbzeitpause. Der VfB hatte einiges aufzuarbeiten: defensiv lud man den Gegner immer wieder ein, offensiv griff nichts ineinander.

Und die Halbzeit-Maßnahmen von VfB-Trainer Tim Walter haben schlagartig gefruchtet, denn nach nur zwölf Sekunden erzielte der gerade eingewechselte Nicolas Gonzalez den Stuttgarter Ausgleichstreffer. Daniel Didavi hatte den Argentinier durch einen starken Steckpass im Strafraum bedient und somit beim schnellsten Joker-Treffer der Zweitligageschichte assistiert. Die Partie nahmen einen Verlauf, den man zuvor nicht hätte voraussagen können. In der 62. Minute trug der VfB einen Angriff über die linke Seite vor, schlug den Ball in Person von Gonzalez in die Strafraummitte, wo Silas Wamangituka präzise ins linke Toreck einschob – plötzlich führte Stuttgart mit 2:1. Die Partie war nun absolut offen, da Hannover nicht aufsteckte und Stuttgart durch seine Führung merklich selbstbewusster auftrat. Dementsprechend verdient fiel der Hannoveraner Ausgleichstreffer in der 74. Minute. Edgar Prib hatte rechts zu viel Platz, ging einen Schritt nach innen und überraschte VfB-Torhüter Fabian Bredlow im kurzen Eck. Da sehen Abwehr und Schlussmann der Schwaben zu schläfrig aus. Es blieb eine hitzige Partie, Chancen auf beiden Seiten, ein Treffer wollte aber nicht mehr fallen, sodass es mit 2:2 zu Ende ging.

Mit der Punkteteilung können beide Teams wenig anfangen. Hannover 96 verpasst es, sich von den unteren Rängen zu lösen und der VfB Stuttgart überwintert lediglich auf dem Relegationsrang.

HSV verspielt zweimalige Führung

Recht ordentlich läuft es aktuell bei den Darmstädter „Lilien“, die zuletzt nur einmal in fünf Partien verloren hatten und dem VfB Stuttgart am vergangenen Spieltag einen Punkt (1:1) abtrotzen. Die Hessen empfingen den Hamburger SV, der seit Anfang November nur einmal gewann und aus den letzten drei Partien lediglich einen Zähler holte.

Die Anfangsphase wurde zwar vom HSV kontrolliert, der aus seinem vielen Ballbesitz zunächst nicht viel anzufangen wusste. In der 17. Minute war es dann jedoch soweit: Khaled Narey schlug den Ball, völlig alleingelassen von den Darmstädter Verteidigern, von rechts in den Strafraum, den Mittelstürmer Lukas Hinterseer zur durchaus verdienten Gästeführung einköpfte. Bis dahin hatten die „Lilien“ zwar offensiv noch keine Szenen verbucht, doch den Strafraum sauber gehalten. Nun waren die Hausherren gezwungen, mehr in ihre Angriffsbemühungen zu investieren. Und so kam es auch: Darmstadt wurde deutlich mutiger und arbeitete tatkräftig am Ausgleichstreffer, ohne jedoch zwingende Chancen herauszuspielen. Zwingend wurde es in der 32. Minute und dann klingelte es sofort: Fabian Holland wurde bei seiner Hereingabe kaum gestört und konnte dadurch präzise nach innen auf Serdar Dursun legen, der den verdienten Treffer zum 1:1 erzielte. Ein sehr einfacher Angriff über insgesamt drei Stationen, den der HSV besser hätte verteidigen müssen. Darmstadt belohnte sich damit für die seit Minuten anhaltende Druckphase. Darauffolgend versuchte der HSV, wieder in die Spur zurückzufinden, doch war die Spielkontrolle abhanden gekommen. Was in solchen Momenten helfen kann, ist ein Standard, so auch in der 45. Minute: HSV-Linksverteidiger Tim Leibold schlug einen Freistoß an den Pfosten, den Abpraller nutzte Bakary Jatta gedankenschnell zur erneuten Führung.

In der 57. Minute glich Darmstadt erneut durch Angreifer Dursun aus. Der Türke stand nach einem von HSV-Torhüter Daniel Heuer Fernandes parierten Distanzschuss goldrichtig und musste nur noch einschieben. Ein durchaus verdienter Treffer, da Darmstadt nach wie vor um eine ausgeglichene Partie bemüht war und die Hamburger nicht mehr gefährlich vor das Tor kamen. Zwar bemühten sich die Hanseaten um mehr Spielkontrolle und den entscheidenden Treffer, doch kamen sie nicht durch das Darmstädter Abwehrbollwerk durch. Und auch hier hätte ein ruhender Ball beinahe Abhilfe geleistet, doch der Treffer von Rick van Drongelen (78. Minute) nach HSV-Eckball wurde nach der VAR-Prüfung zurückgenommen. Der zurückgenommene Treffer und die darauffolgenden Diskussionen der Hamburger ließen zunächst keinen Rhythmus mehr aufkommen, doch der HSV baute wieder Druck auf und drängte in der Schlussphase auf die drei Punkte. Vergebens, die Partie endete mit 2:2. Ein für den HSV bitteres Ergebnis, doch war es aufgrund der mutigen Vorstellung der Darmstädter durchaus verdient.

Mit dem Heimpunkt bleibt der SV Darmstadt zum dritten Mal infolge ungeschlagen und sammelt weiter gemächlich seine Punkte für den Nichtabstieg. Die Hamburger bauen ihre Negativ-Serie mit dem 2:2 aus, überwintern aber zumindest auf Rang zwei.

Bielefeld scheitert an St. Paulis Effizienz

Der FC St. Pauli wollte den guten Eindruck vom jüngsten Auftritt gegen Wehen Wiesbaden, das man überzeugend mit 3:1 schlagen konnte, gegen Arminia Bielefeld bestätigen und vor der Winterpause noch auf einen Nicht-Abstiegsplatz klettern. Die Gäste aus Ostwestfalen rangierten weiterhin an der Tabellenspitze, konnten in den letzten vier Spielen allerdings nur einmal gewinnen und wollten daher wieder zurück in die Erfolgsspur.

Doch der FC St. Pauli hatte etwas dagegen. Nach nur drei Minuten gingen die Gastgeber durch Mittelstürmer Henk Veerman in Führung. Der großgewachsene Niederländer nickte die Hereingabe von Waldemar Sobota zum 1:0 ein. Die Arminia ließ sich von dem frühen Gegentreffer aber nicht irritieren, spielte mutig nach vorne und wurde in der vierten Minute beinahe dafür belohnt, doch Fabian Klos schob den Ball nach Hartherz-Flanke knapp am Tor vorbei. Von ruhigem Abtasten konnte keine Rede sein, beide Teams spielten aggressiv und munter auf. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, da St. Pauli sich nach dem Führungstreffer nicht nur auf das Verteidigen reduzieren wollte und Bielefeld immer wieder gefährliche Momente im Hamburger Strafraum kreierten. Apropos Gefahr: Heerman wurde in der Partie durch seinen zweiten Treffer zum Synonym dafür. In der 26. Minute verwertete der Angreifer einmal mehr ein genaues Zuspiel in den Strafraum, dieses Mal von Viktor Gyökeres, zum 2:0. Zwar hatte Bielefeld zeitweise über 60 Prozent Ballbesitz, doch wussten die Ostwestfalen wenig damit anzufangen. Immer wieder kam der Tabellenführer gefährlich ins letzte Angriffsdrittel, zwingende Torchancen sprangen dabei aber nicht heraus. So ging es mit einem 2:0 in die Pause.

Auch im zweiten Durchgang probierte Bielefeld, Druck aufzubauen, doch auch in dieser Anfangsphase fehlte es an zündenden Ideen. Zudem verteidige St. Pauli diszipliniert und ließ vor allem im Strafraum wenig anbrennen. In der 53. Minute machte Gyökeres mit dem Tor zum 3:0 den Deckel auf die Begegnung – einmal mehr agierten die „Kiezicker“ brutal effizient und nutzten ihre erste Chance im zweiten Durchgang direkt. Der Angreifer musste die flache Hereingabe von Ryo Miyachi, der zuvor Hartherz viel zu leicht stehen ließ, nur noch einschieben. Bielefeld ließ dennoch nicht abreißen und spielte weiter nach vorne. Zwar kamen sie hin und wieder zu guten Möglichkeiten, so z.B. in der 58. Minute durch Klos, der aus zwei Metern an Torhüter Robin Himmelmann scheiterte, aber das Tor wollte einfach nicht fallen. Die Absurdität des Spiels zeigte sich daran, dass DSC-Torwart Stefan Ortega zwar drei Gegentor kassiert hatte, aber erst in der 61. Minute zu seiner ersten Parade des Spiels kam. St. Pauli verzeichnete nach einer Stunde nur acht Abschlüsse, Bielefeld ganze 16 und doch waren es die Hamburger, die mit 3:0 führten. Bis zum Schlusspfiff blieb es bei diesem Spielverlauf, doch auch bei dem Ergebnis.

Mit 3:0-Heimsieg punktet sich St. Pauli aus der Abstiegszone und kann etwas beruhigter in die Winterpause gehen. Bielefeld verliert erstmals seit Ende September wieder, wird aber dennoch als Spitzenreiter Weihnachten feiern.

Aue schlägt Fürth durch Blitz-Doppelschlag

Erzgebirge Aue schien seine Mini-Krise mit dem 1:0-Sieg über Jahn Regensburg am letzten Spieltag beendet zu haben und wollte gegen Greuther Fürth nachlegen. Der Gegner aus den Franken gehört zu den formstärksten Teams der Liga und konnte zuletzt zwei Siege mit einem Torverhältnis von insgesamt 8:2 einfahren – mit einem Sieg wäre sogar Platz vier möglich.

Man merkte Fürth das Formhoch an, so begannen die Gäste selbstbewusst und wären in der fünften Minute beinahe in Führung gegangen. Branimir Hrgotas Schuss aus halbrechter Position traf allerdings nur den Pfosten. Präziser machten es die Auer Gastgeber in der 12. Minute: Dimitrij Nazarov legte den Ball von der rechten Strafraumkante wuchtig in die Mitte, wo Jan Hochscheidt nur noch zum 1:0 einschieben brauchte. Die Fürther versuchten im Anschluss, für die direkte Antwort zu sorgen, doch fanden sie kaum Lösungen für das disziplinierte Auer Spiel gegen den Ball. Die „Veilchen“ zogen sich zwar zurück, versuchten sich aber immer wieder an offensiven Nadelstichen und so führten sie die Torschussstatistik nach 30 Minuten mit 7:2 an. In der 33. Minute verbuchte Fürth seine beste Torchance, nachdem Havard Nielsen auf Sebastian Ernst spielte, dieser aber mit seinem Schuss aus zentraler Position nur Aue-Keeper Martin Männel traf – da war deutlich mehr drin Da Fürth aber nicht an diese Gelegenheit anknüpfen konnte, ging es durchaus verdient mit der 1:0-Führung Aues zum Pausentee.

Im zweiten Durchgang blieb es bei einer ausgeglichenen Begegnung, ohne dass es zu großen Torchancen kamen. In der 64. Minute kamen es allerdings zu einem Foulelfmeter für Erzgebirge Aue, nachdem Paul Jaeckel das Bein gegen Florian Krüger rausgestellt hatte und diesen regelwidrig legte. Den daraus resultierten Strafstoß verwandelte Nazarov gewohnt souverän zum 2:0. Nur zwei Minuten später sorgten die Sachsen sogleich für die Entscheidung: Hochscheidt schickte Krüger in die Tiefe, der Jaeckel umspielte und mit links aus 13 Metern flach ins linke Eck einschob. Fürth war damit der Stecker gezogen worden, von den Gästen kam nicht mehr viel. Stattdessen hätte Aue in der 70. Minute beinahe das 4:0 erzielt, doch Hochscheidt scheiterte freistehend mit einem Lupfer an Fürth-Keeper Sascha Burchert. In der 79. Minute konnte die Spielvereinigung aus Fürth zumindest noch den Anschlusstreffer zum 1:3 erzielen. Hrgota verwandelte den Foulelfmeter, nachdem Sören Gonther den Laufweg Paul Seguins regelwidrig gekreuzt hatte. Es war eine größtenteils wenig aufregende zweite Halbzeit, doch sorgte Aue blitzartig wie effizient für die Entscheidung. Es blieb bei dem verdienten 3:1.

Damit gewinnt Erzgebirge Aue zum zweiten Mal infolge, wodurch sich die Sachsen zumindest für einen Tag auf Rang vier schieben. Greuther Fürth kann seine gute Form nicht bestätigen, wird bis Januar aber weiter in der oberen Tabellenhälfte verweilen.

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