Borussia Dortmund

Ribery, Sancho und das goldene Steak: Warum Fake-News auch im Fußball gefährlich sind

on

Nun hat auch Jadon Sancho das berühmte goldene Steak beim „Fleischpapst“ Nusret Gökce gegessen. Ein Spaß für den Flügelspieler im Wert von 1200 Euro, der auch die Fans von Borussia Dortmund spaltet?

Lionel Messi oder Mesut Özil: Nahezu jeder berühmte Fußballer war schon mal in einem der Restaurants von Nusret Gökce – Spitzname „Salt Bae“ – zu Gast. Die meisten Profifußballer kommen auf Einladung zu „Salt Bae“ und genießen es, wie der Fleischer, Gastronom und Showmaster die Zubereitung eines Steaks zelebriert. So weit, so diskutabel. In Deutschland und Frankreich sorgte der Besuch von Franck Ribery bei Gökce vor rund einem Jahr für große Aufregung. Dem damaligen Star des FC Bayern schlug großer Hass entgegen, weil in einem Video zu sehen war, wie er sich fast wie ein kleines Kind über das goldene Steak, das er gleich verzehren durfte, freute. Bis heute berichten auch deutsche Medien davon, dass dieses Steak 1200 Euro gekostet habe. Weggelassen wird dabei meist, dass Ribery eingeladen wurde und ihm der Preis des Steaks zunächst womöglich gar nicht bekannt war.

1200 Dinar sind rund 290 Euro

Apropos Preis: Das erwähnte Steak kostete in Dubai gar nicht 1200 Euro, sondern 1200 Dirham. Umgerechnet sind das rund 290 Euro. Warum sprechen auch zahlreiche Medien noch heute davon, dass das Steak 1200 Euro gekostet habe? Wie es unter anderem auch im Berliner Tagesspiegel nachzulesen ist, hat sich eine französische Journalistin als soziale Brandstifterin erwiesen. Sie hatte mit einem Tweet das Ribery-Steak-Video in Frankreich mit als Erste verbreitet und die 1200 Euro in Umlauf gebracht. Gerade, als die „Gelbwesten-Bewegung“ radikal gegen harte finanzielle Entscheidungen der französischen Regierung demonstrierte.

Zudem: Ein großer Teil der Franzosen kann Ribery nicht ausstehen, eine über Jahre gewachsene Abneigung ist gegen die Legende des FC Bayern, nun in Diensten des AC Florenz, entstanden. Gründe dafür gibt es viele. Sportliche und persönliche Skandale lassen sich einige finden. Unerwähnt bleibt aber oft, dass es auch einen nicht unerheblichen Teil der Franzosen stört, dass Ribery aus Liebe zu seiner Frau Wahiba zum Islam konvertiert ist. Ribery wurde 2019 von allen Seiten angegriffen – als schlechter Charakter, als Protz-Profi und als vermeintlich scheinheliger Muslim gepeinigt. Dass er danach viele Franzosen via Social-Media-Kanäle beleidigte, ist dafür keine Rechtfertigung. Der Konflikt wäre aber niemals so intensiv geworden, wäre nicht ein falscher Fakt um die Welt gegangen: ein Steak-Preis von 290 Euro hätte nicht eine derartige Aufregung ausgelöst. Bei 1200 Euro aber, dem Monatslohn eines Bäckergesellen oder eines Journalisten in Ausbildung, lässt sich definitiv Sozialneid erzeugen – und zwar über die Fußballblase hinaus.

View this post on Instagram

Mr Salt Bae Himself 🤝🙌🏼 @nusr_et

A post shared by Jadon Sancho (@sanchooo10) on

Sancho in der Kritik

Nun also ist Dortmunds Flügelstürmer Jadon Sancho der nächste Spieler, der teilweise in Deutschland dafür kritisiert wird, ein teures Gold-Steak zu essen. Die meisten Berichte stellen natürlich einen Bezug zu Ribery her und erwähnen freilich, dass das Steak damals 1200 Euro gekostet habe. Auch Sancho hat es derzeit nicht leicht in Deutschland. Er wird für seine Formschwankungen kritisiert, angeblich sei er mit dem Kopf schon bei einem englischen Top-Klub und träume von einem noch größeren Gehalt. Ja womöglich, so wird spekuliert, streike sich Sancho weg von Borussia Dortmund. Der junge Engländer, dessen Eltern aus Trinidad und Tobago stammen, wird in eine ähnliche Ecke wie der vermeintliche Skandal-Profi Ribery gestellt. Mit einem 1200-Euro-Steak lässt sich das Bad-Boy-Image von Sancho und Ribery bestens bedienen.

Fans und Medien sind gefordert, über fragwürdige Aktionen von Profi-Fußballern zu diskutieren, aber dabei sollten sie nicht auf Fake-News hereinfallen. Fake-News besitzen soziale Sprengkraft und können auch Karrieren von Profi-Fußballern frühzeitig beenden und unterschwelligen Hass gegen Minderheiten fördern.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.