Bundesliga

Tretschok: „Ich glaube, dass sogar die Schalker heimlich zugeguckt haben“

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München – Borussia Dortmund verbuchte in den 1990er Jahren den Titeln nach die wohl erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte. Neben zwei Meisterschaften in Folge (1995, 1996) stellte der Gewinn der Champions League 1997 in München den Höhepunkt der erfolgreichen Ära dar. Zur legendären Mannschaft von einst zählte auch Offensiv-Allrounder René Tretschok.

fussball.news: Ab 2002 wurde es dann ruhiger um Sie. Haben Sie damals schon mit dem Ende Ihrer Karriere gerechnet?

Tretschok: Wie gesagt, ich habe durch die langwierige Verletzung viel Zeit verloren und musste mich erstmal wieder herankämpfen. Mit Anfang 30 ist das natürlich etwas schwieriger, aber ich konnte nochmal zurückkommen und einige Spiele bestreiten. Nach der Saison wollte ich eigentlich gerne bei Hertha bleiben, aber wir konnten uns nicht ganz auf eine Zusammenarbeit einigen. Dann habe ich mir überlegt aufzuhören, obwohl ich der Meiunung war, dass ich noch ein bis zwei Jahre hätte spielen können. Aber ich war nicht wirklich traurig, da ich eine sehr schöne Karriere hatte. Außerdem kamen auch Rückenprobleme dazu – und ich wollte den Bogen nicht überspannen. Ich habe dann noch eine kurze Zeit bei der U23 von Hertha zum abtrainieren gespielt. Das war am Ende auch noch ganz nett.

fussball.news: Sie sind nach Ihrer aktiven Karriere auf die Trainerbank gewechselt. War dies schon immer Ihr Plan?

Tretschok: Das war bei mir etwas kurios. Ich hatte gerade meinen Trainerschein gemacht und Michael Preetz [Manger der Hertha; Anm. d. Redaktion] hatte mich angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die U19 der Hertha zu übernehmen. Ich habe dann relativ schnell zugesagt und fand diese vier Jahre, mit dem Intermezzo als Co-Trainer von Otto Rehhagel bei den Profis, sehr spannende Erfahrung. Ich bin Hertha sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte.

fussball.news: Sie waren Co-Trainer unter Otto Rehagel und haben unter Ottmar Hitzfeld trainiert, beide sind sehr erfolgreiche Trainer. Wer von beiden hat Sie mehr geprägt?

Tretschok: Vor Ottmar Hitzfeld hatte ich schon riesigen Respekt. Mit was für einem Einsatz er seinem Job nachging, war unglaublich. Er ist mit Leib und Seele Fußballer. Er konnte uns auf jedes Spiel perfekt einstellen und konnte immer den Fokus auf die nächste Aufgabe legen. Auch der Umgang mit den zahlreichen Top-Spielern war nicht immer einfach. Für mich persönlich war es eine riesengroße Ehre gemeinsam mit ihm arbeiten und solche Erfolge erleben zu dürfen.

Mit Otto Rehagel war es ja nur eine ganz kurze Zeit. Ich kannte ihn vorher lediglich als gegnerischen Trainer. Aber was er in Bremen und Griechenland erreicht hat, ist natürlich überragend. Er ist eine absolute Respektsperson und ein toller Mensch – ich habe ihn in der Zeit sehr schätzen gelernt. Leider sind wir dann am Ende in der Relegation gegen Düsseldorf abgestiegen.

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fussball.news: Borussia Dortmund und Hertha BSC nehmen den größten Platz in Ihrer Karriere ein. Welcher Verein hat für Sie persönlich den höheren Stellenwert?

Tretschok: Das ist genau 50-50. Meine Tochter ist in Dortmund geboren, mein Sohn in Berlin. Ich habe also auch auf familiärer Ebene beide Vereine schätzen und lieben gelernt. Ich fühle mich in beiden Städten einfach sehr wohl. Sportlich gesehen war Dortmund natürlich die erfolgreichere Zeit, aber auch Hertha mit dem dritten Platz und der Champions League-Teilnahme war eine ganz tolle Sache. Zudem hatte ich hier als Jugendtrainer eine sehr erfolgreiche Zeit. Beide Vereine sind in meinem Herzen. Und wie es der Zufall eben wollte, war ich in meinem Leben in einem einzigen Spiel Cheftrainer einer Bundesligamannschaft – und das war ausgerechnet mit Hertha BSC gegen Borussia Dortmund. Wie hoch diese Wahrscheinlichkeit ist, weiß ich nicht, aber es zeigt, dass diese beiden Vereine mich einfach verfolgen.

fussball.news: Eine Prognose: Wo landet Hertha – wo landet Dortmund am Ende der aktuellen Saison 2016/17?

Tretschok: Ich glaube, dass beide in der nächsten Saison international spielen. Es ist natürlich schade, dass sie jetzt in der nächsten Runde im DFB-Pokal aufeinandertreffen. Beide sind auch Kandidaten für das Endspiel. Ob es dann am Ende für Hertha und den BVB die Champions-League-Qualifikation wird, muss man abwarten. Dortmund hat natürlich diesen Anspruch – und Hertha hat mit diesem Umfeld und dem Potenzial definitv Chancen auf eine gute Saison. Ich schätze mal, dass beide Vereine zwischen den Plätzen zwei und fünf landen werden.

fussball.news: Sie kümmern sich heute um die Sparkassen Fairplay Soccer Tour. Wie kam es zu dem Engagement?

Tretschok: Ich bin, was das angeht, einfach sehr geprägt. Ich habe bereits 1996 mit meinem ältesten Freund zusammen eine Fußballschule in unserer Heimatregion aufgebaut. Heute konnten wir schon den einen oder anderen Spieler zum Halleschen FC, nach Magedeburg oder auch RB Leipzig bringen. Für mich war es einfach schon immer sehr wichtig, Kinder- und Jugendprojekte zu fördern.

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2008 habe ich dann mit der deutschen Soccer-Liga zusammen das Projekt der Fairplay Soccer Tour aufgebaut. Seit 2010 sind wir in den neuen Bundesländern sehr aktiv und konnten im vergangenen Jahr 20.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf einem der größten und erfolgreichsten Jugend-Sozial-Projekte, der Sparkassen Fairplay Soccer Tour, begrüßen. Das Ziel ist es den Kindern und Jugendlichen, aber auch den Erwachsenen, das Thema Fairplay und natürlich auch Integration näherzubringen. Es handelt es sich um Turniere, bei dem die Teams im 3 gegen 3 antreten. Aufgrund unserer Sponsoren sind die Teilnehmergebühren frei. Wir haben im Jahr circa 50 Veranstaltungen. Das Ganze wird deutschlandweit ausgeschrieben und so freuen wir uns auch bei Turnieren in Sachsen-Anhalt, Teams aus Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen begrüßen zu dürfen.


YOUTUBE-Video: Eindrücke der Fairplay Soccer Tour


fussball.news: Im vergangen Jahr konnten Sie mit ihrem Projekt sogar eine Europameisterschaft abhalten. Wie kam es dazu?

Tretschok: Das ganze Projekt ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Und so haben wir uns gedacht, nicht nur die Deutsche Meisterschaft im Streetsoccer abzuhalten, sondern, aufgrund des großen Interesses und der großen Nachfrage, gleichzeitig eine Europameisterschaft mit 20 Nationen zu organisieren. Und das Ganze haben wir dann in diesem Jahr auch wiederholt. In ein bis zwei Jahren versuchen wir mit unseren Partnern eine Weltmeisterschaft stattfinden zu lassen. Mit Fußball kann man sehr viel im Bereich Fairplay und Respekt lernen – und wir sind noch lange nicht am Ende dieses Projekts.

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