Bundesliga

Rang Sechs? Warum der Sparkurs des FC Bayern zum Bumerang werden könnte

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Zahlreiche Beobachter sind überzeugt: Der FC Bayern bleibt in der Meisterschaft Titelanwärter Nummer eins. Doch aktuell rangieren die Münchner auf Platz sechs in der Tabelle der Bundesliga. Was passiert eigentlich, wenn der deutsche Rekordmeister auch am Saisonende diesen Rang einnimmt?

Der aktuelle Tabellenplatz des FC Bayern gilt als „Momentaufnahme“. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Münchner am Ende der Saison nicht für die Champions League qualifizieren. Doch zu den Aufgaben von professionell arbeitenden Funktionären und Vorständen gehört es auch, den „worst case“ im kleinen Kreis zumindest gedanklich durchzuspielen. Für den FC Bayern stellt nicht eine Vize-Meisterschaft ein Horror-Szenario dar, sondern erst das Verfehlen der Champions-League-Qualifikation. Zieht man nun die „Momentaufnahme“ als Grundlage für den „worst case“ heran, so könnte mancher Verantwortliche des FC Bayern doch ärger ins Grübeln kommen, was sich in seinem Klub abspielt.

Kovac braucht Rückendeckung

Der FC Bayern ist seit vier Pflichtspielen ohne Sieg, Trainer Niko Kovac hat seinen Profis noch keine neue Spielidee an die Hand gegeben und die FC-Bayern-Mannschaft wirkt nicht harmonisch: Zum einen existiert im Teams offensichtlich der erbitterte Konkurrenzkampf zwischen Routiniers und Talenten. Zum anderen wettern einige Stars gegen Coach Kovac, weshalb auch ungewöhnlich viele Interna an die Öffentlichkeit gelangen. Die Führung des FC Bayern hat es außerdem versäumt, Niko Kovac massiv den Rücken zu stärken – sie wird es erst am Freitag tun, wenn Präsident Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic gemeinsam bei einem „Pressetalk“ auftreten.

Reicht die Qualität des Kaders aus?

Hinzu kommt ein strukturelles Problem bei den Roten: Die Qualität des Kaders hat im Vergleich zu den Jahren 2012 bis 2016 deutlich abgenommen. Trotz dieses offensichtlichen Makels hat die Klub-Führung Kraftanstrengungen auf dem Transfermarkt unterlassen. Freundlicher ausgedrückt: Die Münchner haben sich für 2018 einen rigorosen Sparkurs auferlegt. „Wir sammeln ein bisschen Geld ein, damit wir im nächsten Jahr zuschlagen können“, sagte Uli Hoeneß unlängst bei Sky. Dieser Sparkurs könnte sich aber zum Bumerang für den Klub entwickeln. Aktuell profitiert bereits davon die erstarkte Konkurrenz in der Bundesliga. Tabellenführer Borussia Dortmund wirkt auf zahlreichen Ebenen besser aufgestellt, Finanzriese RB Leipzig mit „Trainerfuchs“ Ralf Rangnick fährt derzeit auf der Überholspur und ist Tabellenzweiter, dazu agieren die Überraschungsteams Werder Bremen und Hertha BSC nachhaltig.

Absturz in der UEFA-Klubrangliste?

Und was würde nun geschehen, wenn die Münchner die Saison nur auf Rang Fünf oder Sechs abschließen? Dann geht es vor allem ans Eingemachte: ans Geld! Der deutsche Rekordmeister würde nach Einschätzung von fussball.news an die 100 Millionen Euro an Einnahmen verlieren. Die Münchner können bei einer durchschnittlichen Performance in der Champions League (Erreichen des Viertelfinals) derzeit rund 80 Millionen Euro einspielen. Die Summe setzt sich aus der Antrittsprämie in der Königsklasse (in etwa 16 Millionen Euro), den durchschnittlichen Punkt- und Siegprämien und der Bonuszahlung für die Platzierung in der UEFA-Klubrangliste zusammen. Zum Start der Saison 2018/19 nahmen die Münchner Platz zwei im Ranking ein, was ihnen laut kicker 34,4 Millionen Euro bescherte. Die Klub-Rangliste errechnet sich maßgeblich aus dem Abschneiden in den Europacup-Wettbewerben in den vergangenen fünf Jahren. In der Champions League kann man dabei in der Regel mehr Punkte einfahren, weshalb zu befürchten ist, dass die Münchner 2020/21 wohl um einige Plätze abrutschen werden – und damit womöglich zehn Millionen Euro weniger erhalten. Sicher: Auch in der Europa League lässt sich Geld verdienen, aber wie zuletzt Leipzig-Coach Rangnick betonte: Im Grunde rentiert sich der Wettbewerb für einen Top-Klub erst mit Erreichen des Halbfinals.

Geringere TV-Gelder?

Für den FC Bayern würde sich mit Bundesliga-Platz sechs auch auf anderen Ebenen eine Negativspirale entwickeln. Es gäbe weniger TV-Gelder von der DFL für die nationale und internationale Vermarktung (derzeit fast 100 Millionen Euro), der Verkauf von Fan-Artikeln dürfte vermutlich zurückgehen und beim Ticketing für die Spiele in der Europa League müssten die Preise reduziert werden. Ausverkaufte Spiele in der Allianz Arena in der Gruppenphase der Europa League? Derzeit kaum vorstellbar. Wer es zuletzt streng mit den Münchnern nimmt: Der Marktwert eines nahezu jeden etablierten Spielers dürfte beim Verpassen der Champions League ebenfalls um einige Millionen sinken. Man frage nach beim FC Arsenal, der seit zwei Jahren nun in der Europa League startet. Alle Faktoren zusammengenommen, lässt den Beobachter zu einer erstaunlichen Schlussfolgerung kommen: Der FC Bayern wollte im Sommer 2018 nicht ins finanzielle Risiko gehen, um einen neuen Top-Star für 80 bis 100 Millionen Euro zu verpflichten. Dafür läuft der Klub nun Gefahr, womöglich rund 80 bis 100 Millionen Euro an Einnahmen zu verlieren.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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