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Neuer 96-Boss? Sebastian Kramer: „Ich stehe für das neue Hannover 96 der Zukunft“

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Sebastian Kramer (42) will Präsident von Hannover 96 werden. Der bisherige Aufsichtsrat erklärt im Exklusivinterview mit fussball.news, was seine Motivation ist und was die Mitglieder von ihm erwarten dürfen.

fussball.news: Herr Kramer, am Samstag ist die Mitgliederversammlung von Hannover 96. Sie sind Kandidat für den Vorstandsvorsitz. Worin liegt Ihre Motivation?

Sebastian Kramer: Ich will Verantwortung übernehmen. Ich trage so viel Liebe für diesen Verein im Herzen und sehe es als fast schon meine Pflicht an. Seit über zwanzig Jahren tue ich alles für diesen Verein. Ich kann mir gar nicht vorstellen nichts für diesen Verein zu tun. Viele Menschen in meinem Leben kennen mich nur mit Hannover 96. Auch meine beiden Kinder sind Mitglieder. Ich möchte für den Verein und seine Mitglieder eintreten. Ich möchte für die Demokratie eintreten. Es zählen keine Einzelpersonen und keine Namen. Es zählt nur der Verein.

fussball.news: War das vor drei Jahren auch die Motivation als Aufsichtsrat zu kandidieren?

Kramer: Absolut. Nach der Gründung von Pro Verein war ich auch schon so tief in der Thematik drin, um das Amt ausfüllen zu können. Ich habe erkannt, dass ich aktiv werden musste. Denn schon vor drei Jahren war die 50+1-Regel bei 96 gefühlt schon abgeschafft. Ich wollte aber die Chance ergreifen, das noch zu verhindern.

fussball.news: Wie haben Sie die drei Jahre im Aufsichtsrat erlebt?

Kramer: Es war eine anstrengende Zeit. Es gab auch viele Anfeindungen. Mein Aufsichtsratkollege Ralf Nestler und ich wurden belächelt und ausgelacht. Das hat uns aber bestärkt nicht aufzugeben. Wir haben uns mit den Jahren ein dickes Fell angeeignet. In diesen Jahren habe ich viel gelernt. Ich möchte diesen Teil meines Lebens nicht mehr missen.

fussball.news: Gab es auch Momente, in denen Sie am liebsten alles hingeschmissen hätten?

Kramer: Ja, diese Momente gab es. Aber es waren immer nur kurze Momente. Ralf Nestler und ich haben uns gegenseitig wieder aufgebaut.

fussball.news: Und dennoch möchten Sie jetzt in die vorderste Reihe. Warum?

Kramer: Weil Hannover 96 ein großartiger Verein ist, der sich in den letzten Jahren leider nicht so großartig präsentiert hat. Ich will das verändern. Es geht mir auch um eine neue Kommunikationskultur.

fussball.news: Was ist daran derzeit auszusetzen?

Kramer: Ein Teil der Mitglieder wird einfach nicht gehört. Es ist doch traurig, dass man in der Satzung verankerte Rechte nicht wahrnehmen kann. Das möchte ich definitiv verändern. Aber es gibt  auch deutliche Fortschritte.

fussball.news: Welche?

Kramer: Es ist ausgesprochen fair, dass sich die Kandidaten für den Aufsichtsrat, die von Pro Verein unterstützt werden, auf der Homepage von Hannover 96 präsentieren konnten. Das möchte ich an dieser Stelle hervorheben. Das ist auch ein Erfolg der Hartnäckigkeit unserer Mitglieder.

fussball.news: Für welches Hannover 96 stehen Sie?

Kramer: Ich stehe für das neue Hannover 96 der Zukunft. Ich will nahbar sein. Wenn ein Mitglied Sorgen hat, bin ich sowieso alle zwei Wochen im Stadion ansprechbar – und das nicht im VIP-Bereich. Für mich sind alle Mitglieder gleich wichtig. Es spielt keine Rolle, ob jemand Aufsichtsrat ist, im Ehrenrat sitzt, oder nur ein einfaches Mitglied ist. Keiner ist mehr wert, als der andere. Ich werde aktiv in die Abteilungen gehen. Ich interessiere mich für die tollen Sparten unseres Vereins. Ich würde gern Wettkämpfen beiwohnen oder auch mal ein Training besuchen. Ich stehe außerdem für den Erhalt der 50+1-Regel, die ich für einen elementaren Baustein halte.

fussball.news: Warum ist der Erhalt der 50+1-Regel für Hannover 96 so wichtig?

Kramer: Hannover 96 ist natürlich viel mehr als Fußball und wir haben unglaublich tolle und erfolgreiche Abteilungen. Fußball ist aber ein großer Teil. Und das zwei Säulen Modell hat sich in den letzten zwanzig Jahren bewährt. Verein und Profigesellschaft profitieren voneinander. Es bietet außerdem ein sicheres Standbein für den Breitensport. Ein Fall von 50+1 wäre das Ende des viel zitierten Hannover-Modells. Wir dürfen schließlich die enorm hohe Zahl an Fördermitgliedern nicht vergessen. Die sind nur Mitglied, weil die Verbindung zum Profifußball besteht. Man stelle sich vor, viele Mitglieder würden den Verein verlassen.

fussball.news: Halten Sie das für eine echte Gefahr?

Kramer: Nennen Sie mir einen Grund, warum man Mitglied im Breitensportverein bleiben sollte, obwohl die Verbindung zum Fußball gekappt wurde. Warum sollte eine Person, die nicht aktiv Sport treiben will, denn für etwas bezahlen, das keine Verbindung zum Fußball mehr hat. Und das ist ganz klar Thema im Stadion. Wenn diese Einnahmen wegbrechen würden, wäre das ein großes Problem für den Breitensport. Woher soll dann das Geld kommen, das die aktiven Sportler für die Ausübung ihres Sports brauchen?

fussball.news: Mitglieder könnten auch jetzt schon austreten aus dem Verein. Kann man mit den Beiträgen unter diesen Voraussetzungen denn seriös planen?

Kramer: Ich halte es für gefährlich, dass man nur darauf setzt. Deswegen schwebt mir ein Modell vor, in dem die Sponsoren der Profifußballmannschaft verpflichtet werden, einen Teil der Sponsorengelder an den eingetragenen Verein zu spenden. Lassen Sie es nur fünf Prozent sein.

fussball.news: Warum sollten sich Sponsoren auf diesen Deal einlassen?

Kramer: Der Sponsor profitiert vor allem dadurch, dass er einen alten Traditionsverein unterstützt. Welche bessere Werbung könnte es hier in der Region denn geben?

fussball.news: Was ist, wenn Sie damit nicht erfolgreich sein sollten?

Kramer: Die Markenrechte müssen zurück zum Verein. Damit wäre die finanzielle Zukunft des Breitensports langfristig gesichert.

fussball.news: Ist denn genug Geld zum Erwerb der Rechte vorhanden?

Kramer: Wir denken an ein Sale-and-Lease-back. Dafür müsste zunächst kein Geld fließen. Der Verein erhielte seine Markenrechte zurück und würde Nutzungsentgelte von der Profigesellschaft erhalten. Die Summe der vereinbarten Gebühr würde um Raten zur Abtragung des Kaufpreises gekürzt werden.

fussball.news: Was halten Sie von dem Erwerb von Anteilen an der Profigesellschaft?

Kramer: Der Verein könnte die Kaufsumme nicht aufbringen. Außerdem handelt es sich dabei um Risikokapital. Nicht zu vergessen, dass die Höhe der Anteile durch stetige Kapitalerhöhungen, die der Verein nicht mitgehen könnte, so sukzessive gegen Null tendieren könnte. Das sollte uns die Vergangenheit lehren.

fussball.news: Was passiert, wenn Ihr Team nicht mit drei Kandidaten (Anm. d. Red.: Zu den Unterstützern von Kramer zählen die Aufsichtsratkandidaten Kandidaten Nathalie Wartmann, Jens Boldt, Lasse Gutsch, Carsten Linke, Ralf Nestler) im neuen Aufsichtsrat vertreten sein sollte und Sie mutmaßlich nicht Präsident werden?

Kramer: Auch dann bin ich da, reiche jedem die Hand und biete meine Mitarbeit an. Weglaufen gilt nicht! Denn es geht nicht um einzelne Personen. Es geht darum, etwas für unseren Verein zu erreichen. Ich brauche kein Amt. Ich bin und bleibe da.

fussball.news: Ihr Erwartung an den Wahltag?

Kramer: Mir ist wichtig, dass die Mitglieder am Samstag kommen und ihre Stimme abgeben. Sie haben eine echte Wahl. Es ist großartig, dass es zwei Kandidaten für den Vorsutz gibt mit zwei sehr unterschiedlichen Konzepten. Ich würde mir wünschen, dass sich mit beiden Konzepten auseinandergesetzt wird. Am Ende soll jeder sein Kreuz bei dem Kandidaten und Konzept machen, wovon er am meisten überzeugt ist. Das bedeutet Demokratie – und dafür stehe ich!

Hinweis der Redaktion: Die Mitgliederversammlung des Hannover 96 e.V. findet am 23. März in der Swiss Life Hall statt. Dabei wird unter anderem ein neuer Aufsichtsrat gewählt. Elf Kandidaten konkurrieren um fünf Plätze. Die fünf Aufsichtsräte wählen dann wiederum einen neuen Präsidenten. Für das Präsidentenamt haben der frühere Fan-Beauftragte Sebastian Kramer (42) und Matthias Herter (55, Vorsitzender der Geschäftsführung der Meravis Immobiliengruppe) ihre Kandidatur erklärt.

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