Bundesliga

N’Dicka: Erste Leistungsdelle nach kometenhaftem Aufstieg

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Evan N’Dicka zählt unbestritten zu den positiven Erscheinungen bei Eintracht Frankfurt. Der 19-Jährige hat sich schnell in der Bundesliga zurechtgefunden und lange Zeit mit sehr stabilen Leistungen überzeugt. Doch in den vergangenen Partien ist ein Verschleiß nach einer langen Spielzeit sichtbar geworden. Vor allem die Rote Karte aus dem Duell in der Europa League gegen Benfica Lissabon scheint nachzuwirken.

Immer wieder rannte Gelson Fernandes im Duell zwischen Eintracht Frankfurt und den FC Augsburg auf Evan N’Dicka zu und erklärte ihm, wo er denn zu stehen habe. Der Franzose kam nach 26 Minuten für den verletzt ausgeschiedenen Martin Hinteregger in die Partie – und war darauf offenbar mental nicht vorbereitet. Beim Ausgleichstreffer ließ der 19-Jährige Gegenspieler Marco Richter zu viel Platz und rutschte dann auch noch im entscheidenden Moment aus. Es war der Knackpunkt in einem Duell, das die Hessen bis dahin beherrschten, am Ende aber 1:3 verloren. Wurde er von Trainer Adi Hütter möglicherweise zu früh reingeworfen?

N’Dickas schwierige Wochen

N’Dicka erlebte zuletzt etwas kompliziertere Wochen: Wegen Adduktorenbeschwerden musste er Mitte März aussetzen, anschließend wirkte er nicht mehr so sattelfest, seinen Aktionen fehlte das zuvor gezeigte Selbstverständnis. Gegen Benfica Lissabon erlebte er dann seinen ersten größeren Rückschlag, nach 20 Minuten sah er wegen einer Notbremse die Rote Karte und leitete so die 2:4-Hinspielniederlage ein.

Schwacher Spielaufbau gegen Augsburg

Ihm ist es nicht gelungen, diese Enttäuschung innerhalb von vier Tagen zu verdauen. N’Dicka wirkte gegen die Fuggerstädter lethargisch, physisch und psychisch platt. Er kam nur selten in die Zweikämpfe und sah trotz 53 Prozent seiner gewonnenen Duellen in den entscheidenden Momenten unglücklich aus. Frappierend: Nur 50 Prozent seiner insgesamt 18 Pässe fanden die Mitspieler. Vor allem nach dem Platzverweis für Gelson Fernandes fehlte dadurch die nötige Sicherheit im Aufbauspiel aus der Abwehr heraus.

Kopf frei bekommen

Der hochtalentierte Abwehrspieler hat jetzt etwas Zeit, einen freien Kopf zu bekommen. Das Rückspiel gegen Lissabon wird er wegen der Roten Karte verpassen und auch wenn es für die Eintracht in der Innenverteidigung personell eng werden (Martin Hintereggers Einsatz fraglich, Almamy Toure nicht nominiert für die Europa League) könnte, kommt die Pause für ihn wohl zur rechten Zeit. Es wird spannend, wie N’Dicka diese erste kleine Delle in seiner Frankfurter Zeit nach kometenhaftem Aufstieg mit 35 zumeist starken Partien verdaut. Als Vereinslegende Alexander Schur im November von dem Abwehrmann schwärmte, warnte er genau vor einer solchen Phase und sagte damals zu fussball.news: „Jetzt agiert er noch mit einer gesunden Mischung aus Naivität und Leidenschaft. Aber irgendwann ist das alles Alltag.“ Und dieser Alltag kann auch manchmal etwas trister sein. Es ist aber davon auszugehen, dass sich der so bodenständig und klar im Kopf auftretende N’Dicka erfolgreich herauskämpft – und schon bald wieder viel Selbstvertrauen tanken kann.

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