Bundesliga

Nach vielversprechendem Start: In diesen 3 Punkten muss sich Kamada schnell verbessern

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Daichi Kamada war der Gewinner der Vorbereitung bei Eintracht Frankfurt. Dem Japaner ist es gelungen, seine vielversprechenden Ansätze in die Bundesliga zu transportieren. Für die nächsten Schritte muss sich der 23-Jährige aber zügig in einigen Bereichen verbessern.

Dynamik, Eleganz, eine ganz enge Ballführung und Technik charakterisieren das Spiel von Daichi Kamada bei Eintracht Frankfurt. Nach einem Leihjahr bei St. Truiden ist der Japaner im Gegensatz zu seiner ersten Spielzeit bei den Hessen nicht mehr wiederzuerkennen! Trainer Adi Hütter sagte vor der ersten Partie gegen die TSG Hoffenheim (1:0) bereits: „Ich sehe ihn nicht nur im Spiel mit dem Ball gut, er stellt teilweise auch schon seinen Körper gut rein. Natürlich ist das Zweikampfverhalten in der Bundesliga auf einem anderen Niveau. Aber er wird sich anpassen. Ich bin überzeugt, dass Daichi in diesem Jahr eine sehr gute Entwicklung nehmen wird.“ Bislang geben dem Österreicher die ersten Eindrücke recht – und doch besteht noch Verbesserungsbedarf.

Kamada muss schnell effektiver werden

Ein Assist im Rückspiel gegen RC Strasburg (3:0) auf Danny da Costa und ein Tor in der ersten DFB-Pokal-Runde bei Waldhof Mannheim (5:3) stehen bislang auf der Habenseite in zehn Pflichtspielen. Chancen für noch mehr Treffer und Vorlagen waren da, doch noch fehlte die letzte Konsequent in den Aktionen vor dem gegnerischen Gehäuse. So vergab Kamada bei der 0:1-Hinspielniederlage gegen Strasburg zwei Topchancen, auch in der Bundesliga gegen Fortuna Düsseldorf (2:1) blieben ebenfalls zwei sehr gute Möglichkeiten ungenutzt. Die technischen Fähigkeiten gilt es also noch effektiver einzusetzen, damit für einen Zehner dringend benötigte Scorerpunkte auf das Konto kommen. Wobei festgehalten werden muss: Bei einigen guten Standardsituationen fehlte auch bei den Abnehmern die letzte Konsequenz oder das letzte Quäntchen Glück.

Zu häufig am lamentieren

Kamada hat viele Aktionen in den Spielen und sucht permanent die Eins-gegen-Eins-Duelle. Oftmals weiß sich der Rückkehrer zu behaupten und kreiert dann gefährliche Situationen oder zieht ein Foul. Doch sobald der Schiedsrichter nicht pfeift, bleibt Kamada liegen und lamentiert, statt sich aufzurappeln und sich für eine neue Aktion anzubieten. Kamada kann körperlich mithalten – das hat er bewiesen. Doch ein verlorener Zweikampf darf nicht permanent zur Meckerei führen. So schadet er sich und dem Spiel der eigenen Mannschaft.

Die richtige Balance zwischen Dribbling und Abspiel finden

Manchmal hat der geneigte Beobachter das Gefühl, Kamada wolle den Ball am liebsten ins gegnerische Tor tragen und über die Linie streicheln. Der Offensivmann weiß um seine technische Klasse und beherrscht es wie kaum ein zweiter Akteur im Eintracht-Kader, schwere Bälle zu verarbeiten und sofort in den Umschaltmodus zu schalten. Gegen die Fortuna konnten so einige im Ansatz gefährlich Aktionen geschaffen werden. Doch anschließend? Fehlt etwas zu oft noch die Formvollendung. Kamada trennt sich dann zu spät vom Ball, will noch einen Gegenspieler ausdribbeln und verpasst so den richtigen Abspielmoment – oder lässt die letzte Konsequenz beim Torschuss vermissen.

Austoben ja – aber die Effektivität nicht aus den Augen verlieren

Kamada beschrieb zuletzt gegenüber fussball.news die Anforderungen, die ihm Hütter mit auf den Weg gab: „Offensiv gibt es keine festen Aufgaben, da darf ich mich ein wenig austoben. Ich mache mir dabei aber keine richtigen Gedanken. Wenn der Platz da ist und ich einen Raum sehe, dann versuche ich diesen Raum zu bespielen und dort Bälle zu bekommen und zu halten.“ Es gehe ihm darum, die für den Gegner „unangenehmen Räume“ zu bespielen. Dennoch darf der Glücksfall des Sommers das Thema Effektivität nicht komplett aus dem Auge verlieren. Nur so kann aus dem Gewinner der Vorbereitung auch der Zehner der Zukunft für die Hessen werden.

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6 Comments

  1. Michael Pons

    03.09.2019 at 19:14

    Kamada ist für mich die positive Überraschung in der neuen Saison. Die im Artikel geäußerte Kritik finde ich stark übertrieben und ungerecht. Will der Verfasser einfach nur Schlagzeilen produzieren, wo es eigentlich nichts zu kritisieren gibt?

    • Christopher Michel

      03.09.2019 at 19:38

      Hallo Herr Pons.

      Nein, Schlagzeilen zu produzieren, wo es keine gibt, liegt nicht in meinem Sinn. Aber: Kein Spieler ist fehlerfrei und Kamada erfährt bislang auch bei fussball.news große Anerkennung. Doch es sind eben Defizite zu sehen, die wir zum Anlass genommen haben, diese zu anzusprechen. Möglicherweise wirkt die Kritik hart – aber sehen Sie es doch auch einmal von der anderen Seite: Obwohl er es bisher gut macht, gibt es meiner Meinung nach noch Luft nach oben.

      VG
      CM

  2. Michael Pons

    03.09.2019 at 21:20

    Hallo Herr Michel,
    im allgemeinen schätze ich Ihre Analysen und Kommentare sehr. Aber in diesem Fall finde ich es einfach überzogen, einem jungen Spieler so stark zu kritisieren. Natürlich gibt es auch bei Kamada noch Steigerungspotential. Aber insbesondere Ihre Kritik an der fehlenden Einsatzbereitschaft nach Ballverlusten finde ich unberechtigt. Die statistischen Daten belegen, dass die Laufleistungen von Kamada überdurchschnittlich sind. Insbesondere beim Rückspiel gegen Straßburg hat Kamada m.E. auch kämpferisch eine tadellose Leistung abgerufen.
    Beste Grüße
    MP

    • Christopher Michel

      03.09.2019 at 23:20

      Hallo Herr Pons.

      Möglicherweise hätte ich noch stärker herausarbeiten sollen, dass ich nicht seine allgemeine Arbeit nach hinten kritisiere. Ich bemängele aber, dass er nach Zweikämpfen, die nicht als Foul gewertet werden, zunächst liegenbleibt und meckert, statt aufzustehen und weiterzumachen. Das darf nicht einreißen und hier verlange ich von einem Profi einfach die nötige Disziplin. Ansonsten macht Kamada auch in der Rückwärtsbewegung schon vieles gut.

      Er hat auch schon viel berechtigtes Lob von mir erhalten – dennoch geht es mir um Details, wo er sich noch verbessern kann. Ich bin mir sicher, dass bei der Eintracht auch genau an solchen Sachen gearbeitet wird.

      Vielen Dank für Ihre Rückmeldung dazu und den Austausch.

      VG
      CM

  3. Cadred

    03.09.2019 at 22:07

    Ich finde die Kritik jetzt nicht so sehr am Ziel vorbei, die Effektivität wird sich aber mit etwas mehr Erfahrung sicherlich steigern. Gerade wenn er mit Dost und Silva 2 Spieler vor sich hat, die den Ball dann gut verarbeiten und in Tore verwandeln können. Wenn der Sturm sich mal ein bißchen eingespielt hat, dann werden auch mehr Vorlagen von Kamada kommen. Gegen Düsseldorf hat er auch für meinen Geschmack etwas zu oft den Abschluß gesucht statt seine Mitspieler einzusetzen, aber ich fand es auch ein wenig verständlich nach dem der Trainer nach dem Straßbourg Spiel kritisiert hat das eine seiner Chancen dann auch ein Tor hätte sein müssen. Ich denke er wollte es diesmal besser machen hat aber nicht geklappt und später hat er dann ja auch seine Mitspieler eingesetzt. Das wird schon noch.

    • Christopher Michel

      03.09.2019 at 23:24

      Daichi Kamada hat definitiv sehr interessante Eigenschaften, die dem Spiel von Eintracht Frankfurt gut tun – und bei einer dementsprechenden Weiterentwicklung noch besser tun werden. Er wird die richtige Mixtur im Optimalfall finden und stets an seinen Schwächen arbeiten. Kamada ist ein spannender Spieler und er wird von mir weiterhin ganz intensiv beobachtet.

      VG
      CM

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