Bundesliga

Nach Buh-Rufen auf JHV: Welche 5 Konsequenzen Uli Hoeneß nun ziehen muss

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Uli Hoeneß wirkt überrascht über das teilweise negative Feedback, dass er auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern erhalten hat. Nun muss der Präsident Konsequenzen ziehen.

Von der Jahreshauptversammlung im Münchner Audi-Dome berichtet fussball.news-Reporter Daniel Michel

Es war ein sensationeller Auftritt eines 33 Jahre alten Mitglieds des FC Bayern. In einer gut zehnminütigen Rede fasste der Fan zugespitzt nahezu alle wesentlichen Fehler und Kritikpunkte an Uli Hoeneß und dem FC Bayern aus den vergangenen Jahren zusammen. Dazu zählten unnötige Beleidigungen gegenüber Ex-Spielern, eine umstrittene Personalauswahl des Klubs und ein mögliches Versagen in Sachen Transfers – das Mitglied erhielt für seine pointierte Rede von einigen hundert Fans großen Applaus. Persönliche und inhaltliche Attacken auf den „Patron“ in dieser Vehemenz – das hatte es beim FC Bayern noch nicht gegeben. Hoeneß räumte später ein, dass ihm die Vorfälle und die teilweise negative Stimmung nachdenklich machen würden. Es ist offensichtlich: Für den Präsident war diese Jahreshauptversammlung ein Warnschuss zur richtigen Zeit. Im kommenden Jahr hofft Hoeneß auf seine Wiederwahl als Präsident – allerdings droht ihm derzeit nach Einschätzung von fussball.news ein für Bayern-Verhältnisse verheerendes Wahlergebnis von womöglich nur 60 Prozent Zustimmung. Daher muss Hoeneß rechtzeitig Konsequenzen ziehen. fussball.news nennt fünf Lehren aus der Jahreshauptversammmlung 2018:

„Wut-Hoeneß“ muss der Vergangenheit angehören

In den 1990er Jahren wurde Uli Hoeneß für seine Wut-Attacken auf Gegner des FC Bayern gefeiert. Die Fans liebten es, dass der damalige Manager mit Herzblut seinen Verein verteidigte und auch mal aussprach, „was jeder Bayern-Fan wirklich denkt“. Zwanzig Jahre später sind „Wut-Attacken“ aber nicht mal mehr bei einem Großteil der FC-Bayern-Fans erwünscht. Hoeneß soll in der Sache fair streiten und um die Anliegen seines Klubs kämpfen, die „Old-School-Variante“ von persönlichen Fehden sind aber unerwünscht.

Kritik „aushalten“

Mehrere Mitglieder machten am Freitagabend auch deutlich, dass Hoeneß gar nicht immer den FC Bayern verteidigen muss. Wenn frühere Bayern-Spieler in den Medien als Experten auftreten und die Münchner kritisieren, könne man dies auch mal so stehen lassen, so der Tenor vieler Fans.

Für noch mehr Transparenz sorgen

Die Mitglieder gaben Hoeneß auch mit auf den Weg, seine Entscheidungen noch nachvollziehbarer zu machen und strikt Regeln einzuhalten, die für große Wirtschaftsunternehmen üblich sind. Fragen, die sich die Mitglieder unter anderem stellten: Wie viel Einfluß nimmt die Familie Hoeneß auf die Talentförderung beim FC Bayern – und tut dies dem Klub gut? Warum sitzen in den wichtigsten Gremien des Klubs einzelne Personen (u.a. Rupert Stadler), die derzeit große Schwierigkeiten mit der deutschen Justiz haben?

„Der FC Bayern ist keine One-Man-Show“

Diesen Ausspruch tätigte einst Uli Hoeneß selbst. Doch seit seiner Freilassung aus dem Gefängnis haben zahlreiche Mitglieder das Gefühl, dass Hoeneß wieder die Geschäfte des Klubs an sich reißen will, obwohl er der Funktion nach als Präsident des e.V. und als Chef des Aufsichtsrates eher eine kontrollierende Aufgabe inne hat. Zahlreiche Mitglieder wünschen sich, dass Hoeneß mehr als Teamplayer auftritt und sich im Tagesgeschäft etwas zurücknimmt. Viele Fans sind überzeugt, dass Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das Schiff auch alleine steuern kann. So soll Hoeneß mehr eine ergänzende Funktion ausüben, als Rummenigge (unbewusst) das Steuer aus der Hand zu reißen.

Mehr Expertise von Außen

Einige Mitglieder merkten aber auch an, dass dem Klub zuletzt sehr gute Funktionäre verloren gegangen sind. Bedauert wurde vor allem der Abgang von Matthias Sammer. Der Sportchef war von 2012 bis 2016 für die Münchner tätig – nun ist er Berater von Borussia Dortmund. Es scheint, als wäre auch das Erfolgsgen nach Westfalen mitgewandert. Dagegen sei die neuerdings praktizierte Funktionärsauswahl mit dem Faktor „Stallgeruch“ nicht zwingend gut für den Klub, erklärten einige Mitglieder. Trainer Niko Kovac und Sportchef Hasan Salihamidzic spielten einst für den FC Bayern – aber können sie den Klub nun auf ein neues Level heben?

Fest steht: Mit 66 Jahren wird Uli Hoeneß sich nicht mehr komplett verändern können. Das soll er auch gar nicht. Doch er muss sich der neuen Zeit im Fußballgeschäft zumindest zum Teil anpassen, wenn er in den kommenden Jahren noch über 80 Prozent der FC-Bayern-Anhänger hinter sich haben will. Dazu gehört vor allem, den „Wut-Hoeneß“ der Vergangenheit angehören zu lassen.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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