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Borussia Dortmund

Mehr als ein Stürmer oder mutigere Mentalität: Dem BVB fehlt ein zentraler Spielgestalter

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Borussia Dortmund hat sich am Samstagabend beim FC Bayern mal wieder eine völlig verdiente Klatsche abgeholt. Zyniker würden vielleicht sagen, dass der positive Trend unverkennbar ist: Nach 0:6 und 0:5 wurde es diesmal nur ein 0:4. Natürlich werden jetzt Diskussionen um Mentalität, Mut, oder, plakativer, ‚Eier‘ neu aufgerollt. Dabei gibt es stichhaltige sportliche Anhaltspunkte für den neuerlichen Untergang in München.

Die Verantwortlichen des BVB waren dem im Nachgang der Partie schon gut auf der Spur. „Wir haben in den ersten 25 Minuten jeden Ball verloren und viel zu kompliziert gespielt“, sagte etwa Trainer Lucien Favre. Auch Sportdirektor Michael Zorc, der mit seiner ‚Männerfußball‘-Ansage ein Eigentor geschossen hatte, bemängelte in erster Linie die Vorstellung des Teams im eigenen Ballbesitz. Tatsächlich lässt sich der Unterschied zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund am Samstagabend unter dem Gesichtspunkt ‚Verhalten unter Gegnerdruck‘ zusammenfassen.

Ausnahme Hummels

Während die Münchner einen solchen mit gutem Positionsspiel und sicheren Kombinationen, vor allem aber punktgenauen Verlagerungen auf die jeweils gegenüberliegenden Spielfeldseiten nie wirklich aufkommen ließen, zeigten sich die Dortmunder wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, wann immer die Gegner eine baldige Kontaktaufnahme auch nur andeuteten. Mit Ausnahme von Mats Hummels, der zwar als Eigentorschütze in die Geschichte des Spiels einging, aber als einziger Feldspieler etwas gegen die sich früh abzeichnende Pleite unternommen hatte, gelang es keinem BVB-Profi, sich ansatzweise regelmäßig aus dem Pressingdruck der Bayern zu bewegen.

Ballvortrag mangelhaft

Der Rekordmeister machte es freilich sehr geschickt, „deckte durch“, wie Joshua Kimmich in bestem Trainerdeutsch die gute und vor allem Druck erzeugende Staffelung über das ganze Spielfeld im Anschluss an die Partie erklärte. Viele Anspiele im Aufbau landeten so in der Zentrale, wo das Duo aus Julian Weigl und Axel Witsel hoffnungslos unterlegen war. Kimmich und Leon Goretzka, aber auch der aufrückende Javi Martinez oder der sich fallen lassende Thomas Müller kauften im Schaltraum des Spiels den Dortmundern konsequent den Schneid ab. Es wurde deutlich, was bei den Schwarzgelben schon länger als eine wichtige Schwachstelle gelten sollte: Dem BVB fehlt ein dynamischer, Pressing-resistenter Spielgestalter, der in der Zentrale das Zepter schwingen könnte.

Weigl und Witsel gingen mit unter

Weigl und Witsel sind dies nicht. Ihnen fehlt dazu die Körperlichkeit, was sich nicht zwingend in Zweikämpfen, wohl aber im Treiben des Balles nach vorn äußert. Es mag zur präferierten Spielweise von Favre passen, dass sie sich in der Zirkulation des Spielgeräts am wohlsten fühlen und so auch bei den Bayern in der Anfangsphase einen ordentlichen Eindruck hinterließen. Doch sobald die Münchner den Fuß in der Tür und ihr Pressing und Gegenpressing auf Touren gebracht hatten, gingen Weigl und Witsel mit unter. Die einzige Möglichkeit, den Ball nach vorne zu bewegen, spielte sich dann auf den Flügeln ab. Dort verloren Jadon Sancho, der nach indiskutabler Leistung nach einer knappen halben Stunde zurecht weichen musste, aber auch Achraf Hakimi, Nico Schulz und Thorgan Hazard eine Vielzahl von Duellen, die sie suchen mussten, um Raumgewinne zu erzielen.

Probleme gegen Bayern einige Meter nach hinten verschoben

Schon in vergangenen Wochen, als häufig über die fehlende Präsenz im Sturm geredet und geschrieben wurde, stellte sich der dynamische Ballvortrag ins letzte Drittel als großes Problem dar. Gegen den FC Bayern verschob sich dieses Problem noch einige Meter näher Richtung Mittellinie. Wenn vorher der nominelle Stürmer kaum Bälle sah, traf dies heuer auch für Zehner Julian Brandt zu. Um am Spiel teilzunehmen, musst er sich tief in den Halbräumen fallen lassen oder auf seltene Zuspiele durch die Mitte, meist von Hummels initiiert, konzentrieren. Zu keinem Zeitpunkt vor der Vorentscheidung des Spiels gegen Mitte der zweiten Halbzeit gelang es Borussia Dortmund, konstanten Ballbesitz in der gegnerischen Spielfeldhälfte aufrecht zu erhalten.

Der geeignete Spieler fehlt im Aufgebot

Ob ein einzelner Spieler daran etwas hätte ändern können, wenn es neun von zehn Feldspielern offensichtlich an der Tagesform und Traute fehlte, den starken Bayern etwas entgegenzusetzen, sei dahingestellt. Dennoch wurde deutlich, dass es dem im Sommer hochgelobten Kader des BVB an dieser Stelle an einer Figur fehlt. Ob Weigl neben Witsel spielt oder Thomas Delaney, oder gar der in der Theorie noch am ehesten geeignete Mahmoud Dahoud, spielt da kaum eine Rolle. Kein Mittelfeldmann der Dortmunder hat die Qualität, den Spielrhythmus unter hohem Gegnerdruck zu bestimmen. Gegen viele Gegner mag das kaum auffallen, gegen einen Gegner wie den FC Bayern ist so aber nichts zu holen. Es dürfte auch in der Champions League sichtbar werden, wenn es nicht sogar beim Hinspiel bei Inter Mailand der Fall war. Und wenn der BVB sich überhaupt für die K.o.-Phase qualifizieren sollte.

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