Nationalmannschaft

„Man darf sich nicht wundern“: Matthäus erklärt den Zuschauerschwund bei Länderspielen

on

Zum Abschluss der EM-Qualifikation trifft die deutsche Nationalmannschaft am heutigen Dienstagabend in Frankfurt auf Nordirland. Mit Spannung schauen Beobachter dabei auf die Ränge der WM-Arena. Es ist erneut von Tausenden freien Plätzen auszugehen. Lothar Matthäus wundert die Entwicklung nicht.

Als einen Hauptgrund wähnt der Rekordnationalspieler die völlig verkorkste WM 2018 in Russland. Wäre die Mannschaft erfolgreicher gewesen, würden die Zuschauer von selbst in die Stadien strömen, ist er überzeugt. „Aber den Grundstein für das große Interesse der Anhänger muss man gerade im Erfolgsfall legen“, schreibt Matthäus in einer Kolumne für Skysport.de. Nach dem Triumph 2014 in Brasilien sei aber das genaue Gegenteil erfolgt. „Der DFB hat die Stars nach dem Titel 2014 völlig isoliert. Und dann distanziert sich der normale Fan von den Stars und der Mannschaft.“

„Der Fan lässt sich nicht verarschen“

Ein zweiter gewichtiger Grund besteht für den TV-Experten in den Auftritten bei Testspielen. Häufig komme da ein DFB-Team ohne seine besten Spieler zum Einsatz. Dennoch sind die Ticketpreise enorm hoch. „Man kann nicht dieselben Eintrittspreise verlangen, wenn man etwas anbietet, dass in den Augen der Fans nicht denselben Wert hat. Der Fan lässt sich nicht verarschen“, wird Matthäus deutlich. „Und dann darf man sich nicht wundern, wenn die Partien unserer Mannschaft nicht mehr ausverkauft sind.“ Dabei könne er zwar Verständnis für die Lage von Joachim Löw aufbringen.

„Ich habe immer gespielt“

Es sei klar, dass das DFB-Team experimentieren muss. Ebenso, dass Vereine die Belastung ihrer Profis im internationalen Einsatz möglichst kleinhalten wollen. Dieses Argument lässt der frühere Weltklassespieler aber nur bedingt gelten. Er selbst habe nicht viel weniger Spiele absolviert als die Stars von heute. „Natürlich waren das Tempo und der mediale Druck nicht ganz so extrem wie heute. Dafür werden die Spieler jetzt ganz anders versorgt, vorbereitet oder medizinisch behandelt“, so Matthäus. Letztlich sei es eine Frage der eigenen Haltung gegenüber dem Nationalteam. „Ich war immer wahnsinnig stolz, für Deutschland zu spielen und habe das auch immer getan, wenn es nur irgendwie ging.“ So kam der frühere Gladbacher, Münchner und Mailänder schließlich auch auf die Rekordzahl von 150 Länderspielen.

About Lars Pollmann

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.