Bundesliga

Magath: Lewandowski reicht nicht an die „Genialität“ von Gerd Müller heran

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Aus dem Literaturhaus München berichtet fussball.news-Reporter Daniel Michel

Der Historiker Hans Woller stellte bei der Münchner Bücherschau sein bereits viel zitiertes Werk über die Torjäger-Legende Gerd Müller vor („Gerd Müller – oder Wie das große Geld in den Fußball kam“ aus dem Verlag C.H. Beck). Während einer Podiumsdiskussion gemeinsam mit dem früheren FC-Bayern-Trainer Felix Magath im Literaturhaus München kam es zu einer für Fußballfans wohl sehr emotionsgeladenen Frage. Sinngemäß ging es darum, ob Robert Lewandowski qualitativ auf einer Stufe mit 1974-Weltmeister Gerd Müller stehe – und ob „Lewy“ den Bundesligarekord von Gerd Müller von 40 Toren in einer Saison knacken könne. Für Felix Magath, der als Coach die Münchner zum Double-Gewinn 2005 und 2006 führte, gab es einen eindeutigen Sieger.

Bessere Vorlagengeber

„Gerd Müller würde in der heutigen Zeit noch mehr Tore als Robert Lewandowski schießen“, war Magath überzeugt. Seine Argumentation: „Das Mittelfeld beim FC Bayern ist heute besser besetzt als in den 1970er Jahren.“ Folglich würde Müller noch mehr Zuspiele in den Strafraum erhalten, um seine Rolle als „Knipser“ zu erfüllen. Magath betonte: Lewandowski sei ein Weltklasse-Spieler, jedoch: „An die Genialität eines Gerd Müller reicht er meines Erachtens nicht heran.“ Müller habe es besonders ausgezeichnet, intuitiv zum entscheidenden Zeitpunkt am richtigen Ort im Strafraum zu stehen, um in der Regel aus weniger als elf Metern Distanz ein Tor zu erzielen. Lewandowski sei dagegen ein etwas anderer Spielertyp. Der Pole und viermalige Torschützenkönig der Bundesliga weiche gelegentlich auch auf die Flügel aus oder lasse sich ins Mittelfeld fallen.

Lewandowski ein anderer Spielertyp?

Der 66 Jahre alte Magath, der 1983 den Hamburger SV als Spielmacher zum Sieg im Pokal der Landesmeister geführt hatte, schob nach: Müller habe in den 1970er Jahre deutlich schwerere Rahmenbedingungen besessen, um ein Tor zu erzielen. Oftmals sei er von drei Spielern in Manndeckung genommen worden. Im Vergleich zur aktuell praktizierten Raumdeckung habe Müller, der heute an Demenz leidet und in einem Pflegeheim lebt, weniger Freiheiten am gegnerischen Strafraum erhalten. Magath resümierte: „Für mich war Gerd Müller der beste Fußballspieler der Welt – und womöglich wäre er es heute auch noch.“ Die rund 200 Zuhörer im Saal applaudierten zustimmend.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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