Bundesliga

Links statt rechts: Chandler überzeugt auf ungewohnter Position

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Es war eine mutige Entscheidung Niko Kovac: Der Eintracht-Trainer hat vor dem ersten Rückrundenspiel gegen den SC Freiburg (1:1) die gelernten Linksverteidiger Jetro Willems und Taleb Tawatha aus dem Kader gestrichen und in der Startelf auf Timothy Chandler gesetzt. Der US-Amerikaner überraschte mit einer starken Leistung und war vor allem in der ersten Halbzeit unermüdlicher Antreiber.

Die Stimmung bei der Eintracht nach dem Remis gegen Freiburg wurde von der Enttäuschung dominiert. Die Breisgauer hatten sich einen schmeichelhaften Punktgewinn erkämpft und mit eine von nur zwei Torchancen genutzt. Robin Koch war nach einer Ecke plötzlich völlig frei und köpfte unbedrängt ein. Die Zuordnung ging in diesem Moment flöten, Innenverteidiger Caglar Söyüncü hatte mit einem geschickten Laufweg für den nötigen Platz in der Mitte gesorgt.

Chandler bleibt bescheiden

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Frankfurter dominant und von Freiburg kaum zu kontrollieren. Dies lag zu einem großen Teil an Chandler, der viel Druck über seine linke Seite machte und sich enorm gefährlich und spritzig präsentierte. „Ich habe heute auf der anderen Seite gespielt und musste mich ein bisschen umstellen. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben. Das hat, glaube ich, ganz gut geklappt“, blieb der 27-Jährige gewohnt bescheiden. Der gebürtige Frankfurter hatte seine auffälligste Aktion in der 28. Minute, als er einen präzisen langen Ball von Omar Mascarell direkt per Kopf in die Mitte weiterleitete und dort Sebastien Haller fand.

Kovac hat sich die Entscheidung reiflich überlegt

Kovac erklärte, wie es zu dem Seitenwechsel von Chandler kam: „Die Idee reift länger in einem. Ich habe mir die Vorbereitung angeschaut und die letzten Spiele durchgehen lassen. Marius Wolf hat es auf rechts gut gemacht, aber Chandler eben auch.“ Der Kroate musste sich entscheiden, „ob man einen Spieler, der in dieser Saison schon oft gut gespielt hat, komplett draußen oder sich etwas anderes einfallen lässt.“ Der Außenverteidiger habe auch schon in der Nationalmannschaft auf der links gespielt, weshalb die Umstellung schnell gelungen ist. Ein Torschuss, eine Vorlage, 50 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, über 70 Ballaktionen gehabt, fast elf Kilometer gelaufen und insgesamt drei Abschlüsse vorbereitet – die Daten untermauern den positiven Eindruck, den er hinterlassen hat.

Klare Ansage in Richtung Tawatha und Willems

Vor allem Willems wird genau beobachtet haben, wie sich der neue Konkurrent geschlagen hat. Der Niederländer steckt aktuell im Formtief, er konnte auch im Trainingslager in Murcia nicht überzeugen und musste einen empfindlichen Rückschlag. „Wir haben einen großen Kader und jeder hat die Chance, sich im Training und in den Spielen zu beweisen“, analysierte Kovac ganz nüchtern. Er habe Willems und Tawatha keinen Denkzettel verpassen wollen, es sei eben so, „dass ich auch diesmal wieder sechs Spielern gesagt habe, dass sie trainieren müssen.“ Es gehe dabei nicht um den Einzelnen, „sondern um die Mannschaft. Jeder kann seinen Teil zum Erfolg beitragen.“ Chandler ist dies zumindest im Duell gegen Freiburg sehr gut gelungen.

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