Bundesliga

Kostic: Der Weg von der „untersten“ in die „oberste Schublade“

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Filip Kostic hat sich bei Eintracht Frankfurt auf der linken offensiven Verteidigerseite zum unumstrittenen Stammspieler und Leistungsträger entwickelt. Der Serbe hat im fünften Jahr in der Bundesliga sichtlich Spaß an seiner Arbeit. Trainer Adi Hütter schwärmt von der Entwicklung des Linksfußes, der offenbar nie müde wird.

Müdigkeit? Kräfte sparen? Wer Filip Kostic gegen Hannover 96 gesehen hat, musste konstatieren: Der 26-Jährige kennt den Bremsmodus offenbar nicht. Als die Partie gegen die Niedersachsen, die er mit seiner herausragenden Flanke zum 2:0 maßgeblich beeinflusste, entschieden und er bereits über elf Kilometer marschiert war, kam der Ball von Luka Jovic in dessen Lauf. Kostic rannte kraftvoll, als habe es die vorangegangenen 90 Minuten und das intensive Europa-League-Spiel (4:1) gegen Schachtor Donezk nicht gegeben, und machte mit einem kraftvollen und zugleich präzisem Abschluss endgültig den Deckel drauf. Sky-Experte Dietmar Hamann fand lobende Worte für Kostic, der ihm zuletzt in der Betrachtung etwas zu Kurz gekommen sei.“Er ist physisch in der guten Verfassung“, stellte auch Adi Hütter in einer kleinen Runde unter anderem gegenüber fussball.news fest.

Topbilanz nach 23 Partien

Kostic steht nach 23 Bundesligapartien für die Hessen inzwischen bei zwei Treffern und sieben Vorlagen, das Power-Paket wurde letztmals am 10. Spieltag fünf Minuten vor dem Ende der Partie in Stuttgart (3:0) ausgewechselt. Doch der Nationalspieler musste sich zunächst ins neue Jahr hineinarbeiten. „In den ersten vier Spielen war das noch nicht so gut, aber das hat er auch selbst erkannt“, erklärte Hütter. Der Treffer im Hinspiel des Sechzehntelfinales bei Schachtor Donezk hat den Knoten aber platzen lassen, seitdem geht es rasant bergauf. „Filip spielt unfassbar mannschaftsdienlich. Er kann hinten heraus zulegen – das fällt mir extrem auf. Er bringt Fakten, das ist entscheidend für mich.“

Kostic steigt aus der untersten in die oberste Schublade

Damit war im Sommer, als er für die Leihgebühr von 1,2 Millionen Euro für zwei Jahre vom Hamburger SV kam, noch nicht gerechnet worden. Die Bewertungen im Umfeld waren gemischt, die eine Seite erinnerte sich an die Zeit von Kostic beim VfB Stuttgart zurück, die andere Hälfte verband mit ihm vor allem den Abstieg des HSV. „Filip kam nicht mit großen Vorschusslorbeeren zu uns. Im Gegenteil: Er war in der untersten Schublade. Heute muss ich sagen: So, wie ich ihn kennengelernt habe, ist er in der obersten Schublade“, so Hütter.

Zu Beginn verunsichert aufgetreten

Es ist ein Ritterschlag für Kostic, der in seiner Zeit in Deutschland häufig in der Kritik stand und auch nach ordentlichen Partien selten Lob erhielt. Sein Verhältnis zu den Medien war in der Anfangszeit in Frankfurt daher auch äußerst angespannt, Interviews oder Gesprächsrunden schienen ihm sichtlich unangenehm zu sein. Doch wer daraus ableitete, dass der Linksfuß keine Lust darauf gehabt habe, täuschte sich. Es waren stattdessen die unangenehmen Erfahrungen, die er im Schwabenland und in der Hansestadt sammeln musste.

Das überraschte Hütter

Hütter lobte ihn auch über das Feld hinaus: „Er ist menschlich top und unglaublich bescheiden. Vom ersten Tag an habe ich  mich gefragt: ‚Wie kann er in so einer Schublade stecken‘?“ Vor allem die Atmosphäre spielt eine wichtige Rolle, mit den Landmänner Mijat Gacinovic, Luka Jovic und dem Kroaten Ante Rebic verbringt er auch außerhalb des Platzes viel Zeit. Doch Kostic, so Hütter weiter, komme im ganzen Verein gut an: „Wie er sich im Klub gibt und mit den Mitarbeitern umgeht – das ist sensationell. Für mich ist Filip nicht nur ein guter Spielern, sondern auch ein Topmensch mit Topcharakter!“

Kostic nimmt Hütters Worte an

Auch sportlich zeigte sich der Leistungsträger offen für Veränderungen und spielt inzwischen eine Position, „die ihm vorher keiner zugetraut hat“. Erstmals agierte er dort im Hinspiel gegen RB Leipzig (1:1) und zeigte trotz verursachten Handelfmeters sein Potenzial. Gegen Borussia Mönchengladbach (1:3) brachte ihn Hütter letztmals in der Viererkette agierend auf dem linken Offensivflügel, seitdem ist die Systemumstellung auf Dreierkette mit hochstehenden Außenverteidigern erfolgreich vollzogen. Der Trainer musste Kostic in diesem Zeitraum auch nicht aufmöbeln oder lange Einzelgespräche führen. Er gab ihm eine Sache mit: „Er soll versuchen, dem Ruf, den er hat, entgegenzusteuern. Das hat top funktioniert.“ Inzwischen gibt es wohl keine Zweifel mehr, dass die Kaufoption im Sommer 2020 gezogen und rund sechs Millionen Euro an den HSV überwiesen werden.

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