Bundesliga

„Kompletter Spieler“ mit Problemen: Deshalb hängt Haller bei West Ham durch

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Sebastien Haller erlebte nach seinem Wechsel von Eintracht Frankfurt zu West Ham United einen starken Start und überzeugte mit vier Toren und einer Vorlage in seinen ersten sieben Ligaspielen. Seitdem kam aber nicht mehr viel vom Franzosen, der beim 1:0-Sieg gegen den FC Chelsea erst spät eingewechselt wurde – obwohl sein Trainer Manuel Pellegrini viel von ihm hält. Doch dafür gibt es Gründe.

Sebastien Haller ist mit seinen 1,90 Meter eine imposante Figur, eine Erscheinung. Der 25-Jährige weiß, seinen bulligen Körper einzusetzen, sich aufzureiben und als Wandspieler zu agieren. Auch die Defensivarbeit ist ein Aspekt, den der Angreifer nicht vernachlässigt. „Wenn meine Stürmer den Ball nicht haben, arbeiten sie nicht mehr so viel. Aber Seb kämpft. Er ist ein kompletter Spieler“, wurde Manuel Pellegrini im kicker zitiert.

Fehlt die Wohlfühlatmosphäre bei der Eintracht?

Obwohl ihm der Argentinier regelmäßig vertraute und stets auf Haller setzte, wurde dieser wöchentlich schwächer. Statt spektakuläre Treffer am Fließband zu erzielen, tauchte er mehr und mehr ab. Zwar fühlt sich der Stürmer in London an und für sich wohl. Doch möglicherweise hat ihm der Besuch seines Ex-Klubs Eintracht Frankfurt rund um die Europa-League-Partie gegen Arsenal auch ein Stück weit die Augen geöffnet. Die Wohlfühlatmosphäre am Main war etwas besonderes, er selbst gab zu: „Eintracht Frankfurt ist wie eine Familie. Ich denke oft an Frankfurt, weil ich dort eine gute Zeit hatte.“ Im Gegensatz zu den Hammers können sich die Hessen auch noch auf internationaler Ebene präsentieren. Abstiegskampf statt Europacup lautet die triste Realität bei West Ham, das persönliche Traumziel Hallers, die Champions League, ist momentan zehn Zähler entfernt, Rang 18 hingegen nur deren vier.

Eintracht-Systematik passte perfekt

Und der Angreifer selbst? Der hat bei der Eintracht von der Systematik mit einem Mann neben und einem Spielmacher hinter sich profitiert. Haller konnte sich auf sein vorderes Drittel fokussieren, die Mitspieler glänzend in Szene setzen – und selbst auch hochkonzentriert abschließen, weil die Kraft vorhanden war. Doch warum funktioniert dies bei West Ham nicht? In London muss er stets in der Defensive arbeiten, sich aufopfern und dann als Einzelkämpfer ganz vorne gefährliche Momente erzeugen.

Hohe Erwartungshaltung

Im normalerweise praktizierten 4-1-4-1-System agieren noch zwei zentrale Mittelfeldspieler hinter Haller, er ist dadurch phasenweise vom Spiel abgeschnitten und muss sich die Bälle in der eigenen Hälfte erkämpfen. Zugleich spürt er die Erwartungshaltung des Umfelds, 50 Millionen Euro waren auch für einen mittelklassigen Premier-League-Klub eine gewaltige Hausnummer. Es ist eine gefährliche Mischung, die Hallers Weiterentwicklung ausbremsen könnte. Er wird sich möglichst schnell wieder sammeln und mit neuer Power angreifen müssen.

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