Bundesliga

Kommentar: Der Abgang von Alex Meier: Das logische Ende einer langen Ära

on

Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Der Abgang von Alex Meier nach 14 Jahren bei Eintracht Frankfurt spaltet die Fans. Wie so häufig, wenn ein verdienter Spieler gehen muss, obwohl er doch gar nicht will, vermischen sich in Diskussionen Emotion und Ratio. Doch die sportliche Leitung hatte gute Gründe, diesen Schritt zu gehen.

Die Verabschiedung von Meier beim DFL-Supercup zwischen der Eintracht und dem FC Bayern München wird noch einmal Gefühle wecken – beim Anhang und beim Spieler selbst. Der 35-Jährige ist eine Ikone des Klubs und war in den vergangenen 14 Spielzeiten immer da, wenn er gebraucht wurde. Er fühlte sich zuletzt topfit und sah sich wieder dazu berufen, der Mannschaft regelmäßig helfen zu wollen. Doch die Verantwortlichen hatten hierzu eine andere Meinung. „Aber wir müssen sagen, dass wir aus sportlichen Gründen eine Veränderung anstreben und auf jüngere Spieler setzen möchten“, stellte Sportvorstand Fredi Bobic gegenüber Bild klar. Ex-Trainer Niko Kovac setzte bereits auf andere Kräfte und schenkte ihm am 33. Spieltag einen Fünf-Minuten-Einsatz gegen den Hamburger SV, den der „Fußballgott“ mit tollem Treffer zum 3:0 veredeln durfte. Mehr war aber nicht drin, die Angreifer Sebastien Haller und Luka Jovic hatten sich bereits ihr Standing erarbeitet, sodass auch im DFB Pokal-Finale gegen die Münchener (3:1) kein Platz im Kader vorhanden war für den im hohen Norden geborenen Buchholzer.

Bobic und Hübner entscheiden rational

Neun Tage nach Ablauf der Spielzeit stand fest, was sich angedeutet hatte. Unabhängig vom neuen Coach Adi Hütter haben Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner diese Entscheidung aus rationalen Gesichtspunkten getroffen. Die Verletzungsanfälligkeit des Routiniers war ein ausschlaggebender Punkt. Seit September 2013 verpasste Meier 105 Pflichtspiele, die Pausen wurden mit jedem Mal länger. Er selbst hatte aber auch diesmal Schwierigkeiten damit, sich hinten anzustellen und auf der Tribüne auf seine Chance zu warten und dafür zu kämpfen.

Ein fitter Meier hat immer gespielt

Ein fitter Meier hat in der Zeit vor Kovac immer gespielt, unabhängig davon wie der Trainer bei Eintracht Frankfurt heißen mochte. Friedhelm Funkel, Michael Skibbe, Christoph Daum, Armin Veh oder Thomas Schaaf benötigten seine Treffer und Präsenz auf dem Feld. Unter dem Kroaten wehte in dieser Hinsicht ein anderer Wind, er setzte ihn bereits in der vergangenen Saison häufiger auf die Bank. Die Folge: Unruhe im Verein, die vor allem der neue Mann Hütter nicht gebrauchen kann! Meier lebte im Umfeld dabei vor allem noch von seinen vielen Verdiensten für den Klub: Er ist mit in die Zweite Liga gegangen, hat Topangebote – im Winter 2016 etwa aus China – abgelehnt und wurde vielumjubelter Torschützenkönig 2015. Noch mehr als das: Meier musste sich Anfeindungen von den eigenen Fans gefallen lassen, in früheren Spielzeiten wurde er ausgepfiffen, wenn nur sein Name vom Stadionsprecher vorgelesen wurde. Der Weg zum „Fußballgott“ – er war ein steiniger.

Meier kann zurückkehren

Dieser Status bringt mit sich, dass ein Abgang ein gewaltiges Beben bei einem Traditionsklub hinterlässt – vor allem ini Zeiten, in denen Akteure wie Marius Wolf nach nur 18 Monaten bei einem Klub schon wieder weg sind und die Spieler austauschbar wie nie zuvor geworden sind. Die Schuldfrage ist in solchen Fällen daher in windeseile geklärt: Die Bosse. Ob Meier einer Rolle als Backup, dessen Gehalt an Spiele und Tore angeknüpft wird, überhaupt klaglos zugestimmt hätte, wird dabei selten hinterfragt. Er war mit geschätzten zwei Millionen Euro Topverdiener und selbst wenn die Versicherung in der Vergangenheit häufig einspringen musste: Ein fitter Meier auf der Bank oder Tribüne kostet viel Geld. Möglicherweise wartet zudem ein attraktives Angebot aus den USA oder China auf den Stürmer. Doch die Eintracht lässt ihn nicht ins Bodenlose stürzen: Nach der Karriere hat er einen Anschlussvertrag und darf sich die Position – ob im Nachwuchsbereich oder als Repräsentant – selbst aussuchen. Ferner muss hervorgehoben werden: Meier bekam im Alter von 33 Jahren noch einen Zwei-Jahres-Kontrakt zu sehr guten Konditionen angeboten. Es war das Mindeste, was der Klub für einen Spieler mit 379 Einsätzen, 137 Toren und 55 Vorlagen im Gepäck tun konnte – und getan hat. Irgendwann musste das Ende der Ära kommen – und jetzt war der richtige Zeitpunkt dafür.

About fussball.news

0 Comments

  1. Torsten Lampert

    29.05.2018 at 20:04

    Lieber Herr Michel!
    Danke, dass Sie das Geschehen um unseren Fußballgott rational kommentieren und mit Fakten unterlegen. Trotzdem stimmt es mich traurig, so einen verbundenen Fußballer nicht mehr im Eintrachttrikot zu sehen. Alex Meier ist ein durch und durch bodenständiger Mensch geblieben und hat sicher auch auf einiges an Geld verzichtet durch seinen Verbleib bei der Eintracht. Aber es gab in den letzten Jahren auch immer wieder Spiele, da hätte man auch den Eindruck, dass so eine lange Fußballerkarriere einen Preis hat und es zu Lasten der Schnelligkeit geht. Und es wäre für Alex Meier Fußballgott sicherlich noch dramatischer geworden, wenn die Fans sich aufgrund fehlender Leistung von ihm abgewendet hätten. So bleibt er uns mit einem sensationellen Tor zum Abschluss in Erinnerung. Und sind wir Eintracht-Fans doch mal ehrlich: auch wir wollen doch den sportlichen Erfolg – so wi in Berlin – da wurde der Pokalsieg doch vollkommen unabhängig von der Mannschaftsaufstellung gefeiert. DFB-Pokalsieger SGE

    • Christopher Michel

      04.06.2018 at 18:02

      Hallo Herr Lampert! Es gibt bei der Causa Alex Meier diese emotionale Komponente, auf die der Eintrachtfan Stolz sein durfte. Und das ein Abschied mit Schmerzen verbunden ist, vor allem dann wenn der Spieler sich noch zur Karrierefortsetzung bereit fühlt, ist völlig verständlich. Ich habe auch großes Verständnis dafür, dass diese Entscheidung unter Journalistenkollegen für kontroverse Debatten sorgt.

      Doch wenn ich Alex Meier zuletzt beobachten durfte, hätte ich mir erhofft, dass er das selbst erkennt. Und ein Alex Meier auf der Tribüne oder Bank sorgt automatisch für Sprengstoff im Umfeld. Beide Seiten hätten den Abschied möglicherweise besser gestalten können: Vielleicht auf dem Römer nach dem DFB-Pokal-Sieg. So bleibt freilich emotional ein fader Beigeschmack haften – rational gesehen aber ist die Entscheidung von den Verantwortlichen in meinen Augen nachvollziehbar.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.