Bundesliga

Hertha im Aufwind? Warum nun Wolfsburg ein größerer Prüfstein als Bayern ist

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Das 2:2 bei Rekordmeister Bayern München zum Saisonauftakt ist ein Achtungserfolg für Hertha BSC gewesen. Die Berliner überzeugten am vergangenen Freitagabend mit einer couragierten Vorstellung in München und errangen sich verdient einen Punkt, mit dem vor dem Saisonstart wohl kaum einer gerechnet hätte. Am kommenden Sonntag nun empfängt Hertha mit dem VfL Wolfsburg einen Konkurrenten auf Augenhöhe, der viel eher aufzeigen wird, wie weit sich die Blau-Weißen unter der Führung von Trainer Ante Covic bereits entwickelt haben.

„Wo ist die Geschwindigkeit im Spiel? Habt Bewusstsein beim Passspiel! Ihr müsst mit dem richtigen Fuß spielen! Schultern nach vorne! Steht nicht gerade wie ein Baum“ – Ante Covic hatte seine Spieler beim Montagstraining lautstark und äußerst kritisch gecoacht. Der Trainer hat das Ziel verfolgt, nach dem 2:2 gegen den FC Bayern keine Zufriedenheit bei seinen Schützlingen aufkommen zu lassen. „Wir versuchen dieses Spiel gleich Anfang der Woche aus dem Kopf raus zu kriegen“, erklärte der 43-Jährige.

„Bayern-Fluch“ – Aus der Vorsaison lernen

Denn es soll sich keinesfalls die Misere aus der Vorsaison wiederholen. Damals noch unter Ex-Trainer Pal Dardai hatten die Berliner am 6. Spieltag mit 2:0 gegen den FC Bayern gewonnen. Eine Welle der Euphorie brach in Berlin aus, Hertha wurde als damaliger Tabellendritter von zahlreichen Medien bereits als Europacupkandidat gehandelt. Die Folge: Der Mannschaft war offensichtlich das viele Lob zu Kopf gestiegen, ein sichtlicher Spannungsabfall war zu erkennen und Hertha holte aus den darauffolgenden sechs Spielen nur vier Punkte. „Wenn du zum Flughafen fährst und nach Mainz fliegst, reden alle über Bayern München“, erklärte Dardai damals den psychologischen Effekt eines Erfolgs gegen den deutschen Rekordmeister. „Nach dem Spiel kommst du aus Mainz zurück, es reden immer noch alle über Bayern München. Wir müssen das vergessen.“

Wolfsburg verfolgt ähnliche Ziele

Mit dem VfL Wolfsburg empfängt der Hauptstadtklub am kommenden Sonntag (18 Uhr) nun einen Gegner, der wohl ähnliche Ziele wie man selbst verfolgen dürfte – das Mitspielen um die Europacupplätze. Zwar könnte die These aufgestellt werden, dass die „Wölfe“ etwas mehr Finanzkraft und individuell bessere Spieler besitzen, doch sprechen auch drei Fakten dagegen. Zum einen haben die Niedersachsen im aktuellen Transferfenster insgesamt 28,8 Millionen Euro ausgegeben, Hertha hingegen, auch wenn vom Lazaro-Verkauf begünstigt, ganze 31,7 Millionen. Auch der Kaderwert beider Teams liegt laut transfermarkt.de sehr nahe beieinander – Wolfsburgs Aufgebot ist 230 Millionen Euro wert, Herthas Team 215 Millionen. Zu guter Letzt haben beide Vereine zu der aktuellen Spielzeit jeweils einen Trainerwechsel vollzogen – Wolfsburg mit Oliver Glasner, Hertha mit Ante Covic – und versprechen sich davon einen Schritt nach vorne. Ein Sieg gegen Wolfsburg wäre also ein echtes Ausrufezeichen der Blau-Weißen.

Echte Probe für Covic-Fußball

„„Wach werden! Das dauert viel zu lange im Umschaltspiel“, auch am Dienstag hatte Covic die Zügel im Training ordentlich angezogen. „Wir müssen viel über die Seite kommen, um dort Erfolg zu haben. Deswegen versuchen wir gleich Reize zu setzen, ohne dass die Spieler das unbedingt merken“, erklärte Covic immerhertha.de. Gegen den FC Bayern ist der gebürtige Berliner noch durch intelligentes taktisches Umstellen innerhalb der Partie aufgefallen, er hatte so den Verlauf des Spiels maßgeblich beeinflusst, doch lag am vergangenen Freitag der Fokus vor allem auf das Verhalten gegen den Ball. Am Sonntag wird Hertha, besonders als Heimmannschaft, deutlich mehr vom Ball haben. Es ist also die erste echte Probe für den neuen Covic-Fußball bei Hertha, der wie angekündigt merklich dominanter und attraktiver im Ballbesitz auftreten will. Am Sonntag, um schätzungsweise 20 Uhr, wird somit klarer sein, wie bereit die „Alte Dame“ für die Top Sechs der Bundesliga wirklich ist.

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