Borussia Mönchengladbach

Hecking kritisiert „hire and fire“ Mentalität in Fußball und Gesellschaft

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Die Diskussionen um die Schnelllebigkeit des Fußballs sind im vollen Gange. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht die prekäre Arbeitssituation von Fußballtrainern thematisiert wird. Für Trainer Dieter Hecking ist dieses Problem allerdings nicht nur auf den Fußball beschränkt.

In Sachen Schnelllebigkeit im Fußball sind sich viele Bundesligatrainer einig, ihr Job wird immer mehr an Ergebnisse gemessen, bietet wenig Raum für Kontinuität und langfristige Planung. So sagte beispielsweise Bruno Labaddia über die aktuelle Situation: „Wir werden nur noch dahingetrieben. Nach dem Motto: Friss oder stirb.“ Leverkusens Trainer Heiko Herrlich äußerte sich ähnlich und vermisst die Kontinuität: „Es sind oft dieselben, die fehlende Kontinuität anprangern, aber eine Woche später einen Trainerwechsel fordern.“

Hecking plädiert für mehr Mäßigung

Auch Gladbachs Trainer Dieter Hecking schlägt in dieselbe Kerbe: „Es sind sehr unruhige Zeiten in der Gesellschaft“, sagte er bei Wontorra – der o2 Fußball-Talk. „Auch in Ihrer Brance ist hire and fire angesagt“, erklärte er Moderator Jörg Wontorra. Allerdings vermisst er auch im Fußball die Gelassenheit . Zwar werde „auf Erfahrung“ gesetzt, allerdings gäbe es „sofort die Keule“, wenn „irgendwo Unruhe“ herrsche. Davon müsse sich die Fußballbranche und die komplette Gesellschaft „frei machen“ und vorschnelle Urteile vermeiden. Eine bestimmte Situation sei zwar scheinbar „sehr leicht von außen zu beurteilen“, wenn irgendwo Verantwortung herrsche, allerdings seien die Dinge dann oft komplexer als gedacht. „Viele wissen gar nicht, was da im Detail abläuft“, so Hecking. Für den 56-Jährigen ist deswegen „mehr Mäßigung“ das Gebot der Stunde. Diese helfe auch dem VfB Stuttgart, der unter dem neuen Trainer Markus Weinzierl noch sieglos ist. Für Hecking ist die aktuelle Situation aber kein Drama: „Das sind momentane normale Niederlagen“, erklärte er bezüglich der Spiele des VfB.

Analyse in der Sommerpause als Grundlage des aktuellen Erfolgs

Den aktuellen Gladbacher Erfolg führt er hingegen auch auf die schwache Rückrunde der vergangenen Saison zurück: „Natürlich haben wir hinterfragt, warum es in der Rückrunde nicht so gelaufen ist, das ist ganz normal.“ Die Analyse in der Sommerpause hat eine Neubesetzung des zentralen Mittelfelds ergeben, beispielsweise durch die Verpflichtung von Florian Neuhaus. Dieser habe eine „fantastische Entwicklung genommen“, so Hecking. Die Doppelsechs mit ihm und Jonas Hofmann habe sich „hervorragend gefügt“. Die Umstellung von 4-4-2 auf 4-3-3 war dafür essentiell. „Wenn ich sehe, welche Qualität ich im zentralen Mittelfeld habe, dann ist das außergewöhnlich“, sagte der 54-Jährige über Florian Neuhaus, Jonas Hofmann, Denis Zakaria und Christoph Kramer. Für diese Besetzung würden Gladbach viele Vereine „beneiden“. Auch deswegen entschied sich der Gladbacher Trainer für ein 4-3-3, „dadurch haben wir einen Spieler mehr im Mittelfeld“.

About Stefan Katzenbach

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