Borussia Dortmund

Glückliche Nullnummer im Revierderby: BVB nimmt das Schicksal nicht in die eigene Hand

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Borussia Dortmund hat aus den schweren Partien gegen Borussia Mönchengladbach und den FC Schalke 04 vier Punkte geholt und dabei zweimal zu Null gespielt. Verließe man sich nur auf Fakten, der BVB befände sich wohl in einer guten Phase. Allerdings wird nur deutlich, wie wichtig Kontext ist. Der zeichnet ein besorgniserregendes Bild von den Schwarzgelben.

Denn wie schon daheim gegen Tabellenführer Gladbach war es im Revierderby auf Schalke in erster Linie einer innigen Beziehung mit der Glücksgöttin Fortuna zu verdanken, dass die Mannschaft von Lucien Favre ohne Gegentor blieb und so einen Punkt einheimste, den sie sich über 90 Minuten kaum verdient hatte. Gegen die Fohlen ließ sich wenigstens noch argumentieren, dass der BVB ja drei Treffer erzielt hatte, von denen zwei unter zumindest fragwürdigen Umständen keine Gültigkeit fanden. So blieb der 1:0-Sieg zwar wegen des Chancenplus der Gäste und eines ausbleibenden Elfmeterpfiffs gegen Mats Hummels schmeichelhaft, aber nicht komplett skurril.

Dortmund ist das Glück hold

Auf Schalke wäre es schon ein Fortschritt zur tatsächlichen Leistung gewesen, wäre Dortmund dreimal gefährlich im Strafraum gewesen. Mit Ausnahme etwa einer Handvoll Fernschüsse von Jadon Sancho hatte der Vizemeister nämlich nach vorn rein gar nichts zu bieten. Hinten hatte er erneut Glück, dass nach einem Handspiel von Thorgan Hazard wenige Augenblicke nach seiner Einwechslung kein Strafstoß folgte. Zuvor war aber ein Schalker Ellbogen im Gesicht von Thomas Delaney gelandet, zudem konnte der Belgier auf eine Abfälschung von Rabbi Matondo nicht mehr reagieren. Mit der Szene war es freilich nicht getan, zweimal musste das Gestänge für den starken Marwin Hitz aushelfen. Auch vergab Matondo mehrfach aus bester Position.

Dreimal klar unterlegen

Rechnet man das Champions-League-Spiel bei Inter Mailand am Mittwochabend dazu (0:2), ließ Borussia Dortmund also zum dritten Mal in Serie den Gegner ein großes Chancenplus anhäufen, ohne selbst zu irgendeinem Zeitpunkt wirklich nachhaltige Torgefahr über einen längeren Zeitraum zu kreieren. Dass sich dieses Phänomen ausgerechnet im Derby fortsetzen würde, muss Fans wie Verantwortlichen schwer zu denken geben. Vor dem Spiel hatte Michael Zorc noch gefordert, der Mannschaft müsse anzusehen sein, wie groß die Bedeutung dieser Begegnung ist. Angekommen auf dem Platz ist davon wenig.

Mini-Aufbäumen reicht nicht

Vielmehr zeigte sich der BVB wie in den vergangenen Wochen so oft, und wie auf gegnerischem Platz mit wenigen Ausnahmen über das gesamte Kalenderjahr hinweg, von seiner zaghaften, ja beinahe ängstlichen Seite. Nur wegen eines Mini-Aufbäumens in der letzten Spielphase, als die Königsblauen merklich an Kräften verloren und dadurch keinen Druck mehr aufrecht erhalten konnten, dürfte dabei nicht einmal Favre die Leistung schönreden können. Der Schweizer war schon unter der Woche mit der seltsamen Sichtweise auffällig geworden, sein Team habe beim leblosen 0:2 in Mailand gar nicht so schlecht gespielt.

BVB spielt, wie Favre ist

Die öffentlichen Aussagen des Cheftrainers sind das eine, in Dortmund wissen alle, dass Favre nicht für die Produktion knackiger Schlagzeilen geeignet ist. Doch immer mehr verfestigt sich der Eindruck, dass die Mannschaft nach dem Vorbild des Naturells ihres Trainers spielt. Und der Schweizer ist, bei aller grundsätzlichen Expertise, nun mal eher Zauderer als jemand, der forsch voran auf Gedeih und Verderben auf drei Punkte giert. So zeigte sich auch im Derby, dem einen Spiel in der Saison, in der kein Trainer bei Dortmund oder Schalke je zur Motivationsrede ansetzen müsste, dass der BVB zu keinem Zeitpunkt so richtig das eigene Schicksal in die Hand nahm.

Derby nicht als Chance gesehen

Anstatt das Derby als große Chance zu sehen, vergangene, eher schwache Leistungen vergessen zu machen, regierte die Angst in der Favre-Elf. Der Trainer trug dazu durchaus bei, indem er beispielsweise für den verletzten Thomas Delaney in Manuel Akanji einen Innenverteidiger brachte und Julian Weigl ins Mittelfeld beorderte. Die mutigere Alternative hätte ihm dabei zur Verfügung gestanden, in Person von Mahmoud Dahoud oder gar Julian Brandt. Doch ein solcher Wechsel hätte dem Naturell des Schweizers wohl widersprochen. Und so ist es nur ein kleines Zeichen für ein immer größeres Problem.

Die Trainerdiskussion wird nicht verstummen

Denn echte Signale dafür, dass sich in Kürze eine große Verbesserung wie von Zauberhand einstellen könnte, gibt es nicht. Wenn Borussia Dortmund seit Wochen zaghaft und unkreativ spielt, sich dies sogar im Revierderby wiederholt, dann stehen wohl auch weitere solche Spiele auf dem Plan. Die Frage ist bloß, wie sich das in Einklang mit den Saisonzielen bringen lässt. Eins davon, im DFB-Pokal nach dem Achtelfinal-Aus im Vorjahr wieder besser abzuschneiden, steht schon am Mittwochabend gegen Gladbach auf der Kippe. Mit den Spielen gegen den VfL Wolfsburg und beim FC Bayern, sowie dem Rückspiel gegen Inter, folgen auch Liga und Königsklasse mit richtungsweisenden Partien. Nach aktuellen Eindrücken gibt es keinen großen Anlass, dabei von Erfolgen für den BVB auszugehen. Und irgendwann wird daraus zwangsläufig eine Diskussion um die Position von Favre entstehen, der sich die Klubchefs nicht mehr gebetsmühlenartig verweigern können.

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