Bundesliga

Gacinovic: „Das war der wichtigste Moment in meiner Karriere“

on

Das Gespräch im Eintracht-Trainingslager in Gais führte fussball.news-Reporter Christopher Michel

Mijat Gacinovic steht seit 2015 bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag und zählt zusammen mit Marco Russ (kam im Winter 2012), Timothy Chandler, Makoto Hasebe (Sommer 2014) und David Abraham (Sommer 2015) zu den fünf dienstältesten Spielern im Kader. Der 23-Jährige kam als Teenager für 1,25 Millionen Euro von FK Vojvodina Novi Sad und soll unter Trainer Adi Hütter eine tragende Rolle spielen. Mit fussball.news spricht er über sein bisher größtes Erlebnis in der Karriere, seine Wunschposition und wagt einen Blick nach vorne.

fussball.news: Herr Gacinovic, vor rund zwei Monaten haben Sie mit Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal gewonnen und dabei den 3:1-Siegtreffer erzielt. Sie hängten die Gegenspieler des FC Bayern ab und liefen über 70 Meter mit dem Ball, um dann einzunetzen. Wie oft denken Sie noch an das Finale und Ihr sensationelles Tor?

Mijat Gacinovic: Es ist ein sehr großer Erfolg für Eintracht Frankfurt, das erste Mal nach 30 Jahren wieder den DFB-Pokal gewonnen zu haben. Wir haben auch gesehen, wie sehr sich die Fans gefreut haben, wodurch wir umso mehr um die Bedeutung dieses Erfolgs wissen. Der Triumph war für alle wichtig, nicht nur für mich. Mein Tor zum 3:1 war der wichtigste Moment in meiner Karriere und ich hoffe, dass ich noch ein paar solch‘ bedeutende Tore schießen werde. Das war ein wahnsinniger Moment für mich.

fussball.news: Sie benötigten nur vier Ballkontakte für die 70 Meter bis zum 3:1. Haben Sie bei diesem Sprint bereits die jubelnden Eintracht-Fans wahrgenommen – oder waren Sie nur auf den Ball fokussiert?

Gacinovic: Ich hatte es schon gesehen, weil ich in Richtung Frankfurter Kurve zurannte und die Spieler auf unserer Bank auch schon neben dem Platz mitgelaufen sind. Ich war aber fokussiert bis zum Schluss und habe dann das Tor gemacht. Es war super, dass die Fans gleich zum Jubeln da waren. Dadurch, dass das Tor leer war und die Fans schon hinunter rannten, fühlte sich der Treffer noch schöner für mich an.

fussball.news: Mit Eintracht Frankfurt läuft nun die Vorbereitung auf die neue Saison. Welche Ziele setzen Sie sich als Mannschaft für die Wettbewerbe in Bundesliga, Pokal und Europa League?

Gacinovic: Für mich persönlich und die Mannschaft gilt, dass wir eine bessere Saison spielen wollen als die Letzte. Die vergangene Saison war schon eine sehr erfolgreiche, wir haben guten Fußball gespielt, den DFB-Pokal gewonnen und die Europa-League erreicht, aber wir wollen weiter an uns arbeiten. Dann wird man sehen, wo wir am Ende stehen.

fussball.news: Die Eintracht war vergangene Saison lange im Rennen um die Champions-League-Plätze. Ist das Erreichen der Top Vier in der Tabelle nun das nächste Ziel?

Gacinovic: Die Top Vier zu erreichen – das ist natürlich sehr, sehr schwierig, da es sehr viele gute Mannschaften in der Bundesliga gibt. Ich denke, es ist noch viel zu früh, um über Ziele zu reden. Wir wollen zunächst attraktiven und konstanten Fußball bieten. Dann wird man sehen, für was es am Ende reicht. Klar ist aber auch: Wenn wir kurz vor Saisonende noch die Chance auf die Champions-League-Plätze haben sollten, dann wird es natürlich ein Ziel von uns sein. Aber wir müssen uns zunächst auf die ersten Saisonspiele konzentrieren und versuchen, gut in die Saison zu starten. Jetzt zählt der Supercup gegen den FC Bayern München – darauf sind wir fokussiert!

fussball.news: Adi Hütter ist nun der neue Trainer der Eintracht. Welchen Eindruck haben Sie bislang von ihm gewinnen können – und stellen Sie in der Trainingsarbeit bereits Unterschiede zu Vorgänger Niko Kovac fest?

Gacinovic: Adi Hütter und Niko Kovac besitzen in Sachen Fußball eine ähnliche Philosophie, was auch naheliegend ist, da sie bereits beide als Trainer für RB Salzburg tätig waren. Sie setzen beide auf Pressing und legen viel Wert auf ein anspruchsvolles Training. Das Training unter Adi Hütter ist kürzer, aber dennoch intensiv. Aber nur durch diese intensive Trainingsarbeit können wir Spieler uns auch verbessern.

fussball.news: Sie selbst sagten zuletzt, Sie wollen ein besserer Spieler werden.

Gacinovic: Ich will das, was ich nicht so gut gemacht habe, verbessern und das, was ich gut gemacht habe, noch besser machen. Wenn ich am Ende der Saison ein paar Schritte nach vorne gemacht habe, bin ich zufrieden. Das ist immer mein Ziel. Ich mag es nicht, wenn ich stagniere. Ich will immer besser werden und denke, dass ich das auch schaffen kann.


Die Karriere von Mijat Gacinovic

Geboren am 8. Februar 1995 in Novi Sad

Start in der Jugend bei FK Leotar Trebinje

2010: Wechsel in die Jugendabteilung von FK Vojvodina Novi Sad

Debüt in der Super Liga am 19. März 2013

2015: Frankfurt verpflichtet Gacinovic für die Ablöse von 1,25 Mio. Euro

Aktueller Marktwert laut transfermarkt.de: acht Millionen Euro

Vertrag bei Eintracht Frankfurt bis 2021


fussball.news: In welchen Bereichen sehen Sie denn bei sich am meisten Luft nach oben?

Gacinovic: Meine Torstatistik war zum Beispiel nicht optimal (Anm. der Red.: BL: 1 Tor, 5 Assists; DFB-Pokal: 3 Tore, kein Assist). Aber ich habe oft gut gespielt und in den besonders wichtigen Partien gute Werte erreicht. Vieles war nicht so schlecht, auch wenn ich noch konstanter meine Leistung abrufen will.

fussball.news: Aktuell steht mit Danny Blum nur ein Spieler für die Flügel bereit, weil Nicolai Müller verletzt und Ante Rebic noch im Urlaub ist. Sehen Sie sich als Option für die Außenbahnen? Schließlich kamen Sie 2015 als gelernter Flügelspieler.

Gacinovic: Das ist eine Frage des Spielsystems. Wir spielen häufig ohne Flügelspieler und dann agiere ich auf der Acht oder auf der Zehn. Wenn wir mit Flügeln antreten, spiele ich auch bevorzugt in der Mitte. Ich habe die Position schon unter Niko Kovac ausgefüllt und mache das gerne. Auf der Sechser-Position spiele ich bei Bedarf auch, es ist allerdings nicht meine Lieblingsposition. Ich sehe mich mehr in der zentralen oder offensiven Position – und selbst wenn ich auf den Flügeln spiele, weiche ich in die Mitte aus. Ich fühle mich auf der Achter- und der Zehner-Position am wohlsten.

fussball.news: Im Testspiel gegen den FC Empoli haben Sie auf der Position im zentralen Mittelfeld in der ersten halben Stunde sehr stark gespielt. Danach war bei der gesamten Mannschaft ein Leistungseinbruch festzustellen. Die Partie ging 0:2 verloren.

Gacinovic: Das war auch eine mentale Sache, aber wir waren noch nicht zu 100 Prozent fit – auch ich nicht. Ich fühle mich trotzdem sehr gut, aber es geht sicher noch besser. Das Wichtigste ist, bis zum Spiel gegen den FC Bayern München 100 Prozent fit zu sein. Bundesliga und DFB-Pokal starten erst danach, jetzt ist die Partie gegen die Bayern das große Ziel. Da werden wir alle topfit sein, da bin ich sicher.

fussball.news: Sie gehen als einer der Dienstältesten in die neue Saison. Sehen Sie sich mit ihren 23 Jahren bereits als Führungsspieler bei der Eintracht?

Gacinovic: Es ist schön für mich, seit 2015 ein Teil von Eintracht Frankfurt zu sein. Ich werde immer probieren, der Mannschaft zu helfen. Entscheidend ist am Ende, dass wir gewinnen und als Mannschaft erfolgreich agieren. Ich hoffe, dass ich mit Toren und Vorlagen dazu beitragen kann – und natürlich will ich der Mannschaft auch in der Defensiv-Arbeit helfen. Für mich zählt letztendlich, dass ich alles gebe, damit wir als Team die nötigen Punkte sammeln, um unsere Ziele zu erreichen.

fussball.news: Es hat den Anschein, dass Sie sich in Frankfurt sehr wohl fühlen.

Gacinovic: Ich bin sehr zufrieden in Frankfurt und fühle mich hier wie zuhause. Ich bin schon so lange hier und meine Familie fühlt sich auch sehr wohl. Alle Spieler, die schon länger in Frankfurt leben, fühlen sich wie zuhause. Ich bin erst 23 Jahre alt und habe hier alles, was ich brauche. Das ist sehr wichtig für mich. Sportlich ist es zudem für mich sehr bedeutend, in einer Top-Liga wie der Bundesliga spielen zu können.

fussball.news: Ihr Vertrag bei Eintracht Frankfurt läuft bis 2021. Können Sie sich ein längeres Engagement in Frankfurt vorstellen – oder reizt Sie irgendwann eine andere Aufgabe?

Gacinovic: Natürlich gibt es Momente, in denen man vielleicht darüber nachdenkt, irgendwann mal zu einem anderen Klub zu wechseln. Aber das ist momentan kein Thema für mich und ich bin voll auf die Aufgaben mit Eintracht Frankfurt fokussiert. Die Eintracht hat sich innerhalb der letzten vier Jahre sportlich und wirtschaftlich enorm entwickelt. Hinzu kommen die großen Erfolge aus der letzten Saison. Außerdem haben wir tolle Fans und spielen fast immer vor 50.000 Zuschauern. Es ist natürlich wichtig, dass der Verein weitere Schritte nach vorne geht und zum Beispiel der Kader für die neuen und vielfältigen Aufgaben gut aufgestellt ist. Daran arbeiten die Klubführung und das ganze Team. So kann ich nur sagen: Ich fühle mich sehr wohl in Frankfurt und möchte weitere Erfolge mit der Eintracht feiern.

About Christopher Michel

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.